Testbericht: PocketBook Touch HD – Update

  • 7. September 2016 - Aktualsiert am 15. April 2017
  • von Michael
  • 131 Antworten

Rund ein Jahr, nachdem eReader mit hochauflösenden Displays verfügbar sind, hat es nun auch eins in ein Gerät von PocketBook geschafft. Ich schaue mir den Touch HD als offiziellen Nachfolger des Ultra an.

ds_pocketbook-touch-hd
Geht man von der internen Nummerierung des Touch HD aus (631), müsste er eigentlich der Nachfolger des Sense sein, dessen Nummer 630 lautet. Aber wie schon oft, sagt die interne Nummer bei PocketBook nichts über die Reihenfolge aus.

Ein Hinweis vorweg: Das hier vorgestellte und getestete Gerät wurde mir von PocketBook kostenfrei zur Verfügung gestellt. Möglicherweise ist das Display besser, als die freiverkäuflichen Exemplare, die es demnächst gibt. Es ist auch möglich, dass die unten angesprochenden Fehler bis zum Erscheinen ausgebügelt sind.

Design, Gehäuse und Verarbeitung

Der 180 g leichte Touch HD ist der bisher größte und breiteste Tastenreader von PocketBook. Im Innern werkelt ein mit 1 GHz getakteter Freescale-Prozessor, dem 512 MB Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen. Dadurch ist der Touch HD wirklich schnell. Sowohl in der Bibliothekals auch beim Weiterblättern im Buch, dem Öffnen von großen PDFs oder beim Einlesen neuer Bücher. Der interne Speicher beträgt 6 GB, der durch eine externe Speicherkarte um 32 GB erweitert werden kann.

Obwohl der Touch HD sehr an den Touch Lux 3, aber auch an den Ultra erinnert, ist das Gehäuse komplett neu. Auf den ersten Blick sieht man das an den beiden unteren Geräteecken, die nun einen großeren Radius haben.

Das Gerät steckt in einem schwarzen Plastikgehäuse, das auf der Rückseite komplett gummiert ist. Die Rückseite selbst ist gerade, ihr fehlt dieser Wulst, der vom Touch Lux 3 bekannt ist und der sich dadurch etwas besser halten ließ. Die Vorderseite besteht aus mattem Plastik, das sehr anfällig für Fingerabdrücke ist. Die Beschriftung auf dem gehäuse und den Tasten glänzt, ist allerdings genauso schwarz wie das Gehäuse, wodurch sie beim direkten Draufblicken schlecht erkennbar ist. Beim schrägen drauf schauen wirkt das aber edler als helle Symbole.

Geräte-und Tastenbeschriftung

Geräte-und Tastenbeschriftung

Erstmals bei einem PocketBook-Reader wird ein Display mit infraroter Toucherkennung benutzt, weshalb der Bildschirm mit 2 mm recht tief im Gehäuse sitzt. In Zeit planer Fronten wirkt das etwas rustikal. Insbesondere weil die Gehäusekanten ums Display herum nicht abgeflacht sind.

Unterhalb des Bildschirms sitzen die vier Tasten (Home, Zurück- und Weiterblättern, Menü), die jetzt nur noch als Ganzes noch minimal nach innen gewölbt sind und dem Gerät dieses typische Aussehen geben. Der Absatz zum Gehäuse sieht nur auf den gerenderten Produktbildern so groß aus, in Natura ist er fast nicht zu sehen, aber zu fühlen. Oberhalb der Tasten geht ein Spalt durchs Gehäuse, der da wohl aus Designgründen sitzt, aber auch gern kleinste Krümel aufnimmt. Denkt man sich das Gehäuse nur bis zum Spalt erinnert der Touch HD in der Tat ein wenig an den Sense mit angeklebten unteren Blättertasten.

Rückseite und Anschlüsse

Rückseite und Anschlüsse

Wie gehabt befinden sich die Anschlüsse, das Resetloch und der Einschalter an der Unterseite des Gerätes. Anders als auf den gerenderten Bildern von PocketBook erkennbar, ragt der Einschalter aber nicht aus dem Gehäuse heraus, wie beim Inkpad 2, sondern sitzt bündig im Gehäuse. Dafür ist er weiß statt schwarz und mit einer LED hinterlegt. Wie auch schon beim Ultra hat auch der Touch HD eine 3,5 mm Klinke, an die ein Kopfhörer angeschlossen werden kann. Ansonsten befindet sich an der Unterseite noch der Einschub für Micro-SD-Karten, die maximal 32 GB groß sein können. Und natürlich der Micro-USB-Anschluss über den das Gerät aufgeladen oder mit neuen Büchern bestückt werden kann.

Der Touch HD ist sehr gut verarbeitet, unterschiedliche Spaltmaße gibt es nicht. Das Gerät wirkt wie aus einem Guss und knarzt nicht, wenn man es verdreht.

Kleiner Hüllentipp am Rande: Wer noch so eine Originalhülle für den unbeleuchteten Touch hat, kann sie auch dem Touch HD überstülpen. Er passt gut rein und die Hülle schaltet ihn sogar in den Standby und zurück. Gerade letzteres hätte ich von einer drei Jahre alten Hülle am Wenigsten erwartet. Leider gibts die Hülle nicht mehr neu. Im Artikel “4 Tipps zum PocketBook Touch HD” habe ich einige Alternativen aufgeführt.

Wie ist der Bildschirm?

Mit Spannung habe ich den neuen Bildschirm des Touch HD erwartet, stößt PocketBook damit doch erstmals bei einem 6“-Reader in hochauflösende Regionen auf. Und genau genommen hatte ich auch erwartet, dass er zwar ok, aber nicht so gut wie bei den anderen Herstellern ist. Diesbezüglich habe ich mich glücklicherweise getäuscht, denn das Display ist erste Sahne!

Die Ausleuchtung ist so perfekt, wie ich sie in keinem anderen PocketBookgerät gesehen habe, erstmalig ist das Display den Geräten von Amazon, Kobo und Tolino ebenbürtig. Das 6“-Carta-Display stammt natürlich von der E-Ink-Corporation, die sämtliche Hersteller mit Displays beliefert. Es bietet 300 ppi und damit sehr scharfe Schriften, auch in kleinen Größen. Der Schwarzwert ist beleuchtet und unbeleuchtet ok, wobei ich mich ertappt habe, auch draußen und im Schatten mit eingeschalteter Beleuchtung zu lesen. Der Hintergrund ist dann noch einen Ticken heller, als unbeleuchtet, was die Lesefläche noch mehr an ein Papierbuch erinnern lässt. Die Maximalhelligkeit ist allerdings nicht so hoch, wie beim Touch Lux 3 oder dem Tolino Vision 3 HD, aber völlig ausreichend.

Eine Bibliothek, die den Namen verdient

AWie alle PocketBook-Reader wird auch der Touch HD mit einer sehr der umfangreichen Software ausgeliefert. So verdient die eBook-Bibliothek bei den PocketBooks auch ihren Namen, denn sie wertet nicht nur die üblichen Dinge wie Autor und Titel aus, sondern auch Schlagworte oder Informationen zur Serie. Die Bücher lassen sich darüber hinaus auch in eigene Sammlungen stecken oder als Favorit markieren. Auch Liebhaber eigener Ordnerstrukturen werden die Bibliothek lieben, denn auch sie werden bedient.

Bibliothek mit umfangreichen Filter- und Sortiermöglichkeiten

Bibliothek mit umfangreichen Filter- und Sortiermöglichkeiten

Abhängig davon, nach welchen Kriterien die eBooks gerade gefiltert werden, lassen sie sich auf vielfältige Weise sortieren. Also nicht nur nach Titel oder Autor, sondern auch nach Serienindex, Dateinamen oder dem Hinzufüge- oder Öffnungsdatum. Sehr praktisch finde ich die Funktion, mit der sich auch andere Bücher eines Autors anzeigen lassen. Diese steckt im Menü eines eBooks, wenn dieses länger angetippt wird.

Leider gibts auch ein paar Dinge, die die Bibliothek nicht so gut kann. Da der Touch HD auch MP3-Dateien wiedergeben kann, werden auch diese in der Bibliothek angezeigt. Leider werden hier nicht die ID3-Tags ausgewertet, sodass sie nur mit ihrem als Dateinamen, aber nicht unter dem Album und Interpreten in der Bibliothek stehen und das Ganze unübersichtlicher machen. Hier wäre es besser, die Audiodateien komplett aus der Bibliothek auszusperren, zumal sie aus der Bibliothek heraus nur abgespielt, aber nicht in eigene Playlisten gesteckt werden können.

Ein anderes Ding, das mich stört, ist, dass PocketBook schon wieder die „Öffnen mit“-Funktion entfernt hat. Damit ließ sich auswählen, mit welcher der eingebauten eBook-Leseapp das gewählte Buch gelesen werden konnte. Für alle, die den Cool Reader einsetzten, war es damit möglich, auch mal ein kopiergeschütztes Buch zu öffnen. Dieser Weg ist also wieder versperrt. Statt sie alternativen Apps, wie dem Cool Reader oder dem KoReader zu öffnen, schließt PocketBook sein System wieder ab.

eBooks lesen

Zum Darstellen der eBooks im EPUB-Format kommt der Adobeviewer zum Einsatz, auch wenn er sich nicht mehr explizit in der Bibliothek auswählen lässt. Er stellt das eBook grundsätzlich einwandfrei dar, einen Absatzbug gibts nicht. Acht vorinstallierte Schriften sorgen für etwas Abwechslung beim Lesen. Eigene Schriften können installiert werden, allerdings funktioniert die Auswahl derzeit nicht (siehe unten). Um die Schriftgröße während des Lesens zu ändern, kann sie per Zoomgeste vergrößert oder verkleinert werden. Dabei ist die neue Größe stets sichtbar. Im Gegensatz dazu lässt sich die Helligkeit der Beleuchtung nur übers Menü ändern. Per längerem Druck auf die Menütaste lässt sich das Licht ganz ab- oder wieder einschalten.

Überarbeitete Text- und Seiteneinstellungen

Als Firmware kommt auf dem Touch HD die Version 5.16 zu Einsatz, die einige Dinge anders macht, als die Vorgängerversionen. So wurden die Texteinstellungen überarbeitet. Die Reiter sind nun drei- statt zweigeteilt, nämlich nach Seiten-, Schrift- und Vollbildeinstellungen.

Das erste Register (Seite) enthält die Einstellungen für Zeilen- und Randabstand, die Silbentrennung und die Schriftgröße. Das zweite (Schrift) hat nun statt einer elendlangen Liste mit allen Schriftstilen nur noch eine kurze, die Schriftname und eine Vorschau anzeigt. Die Stile der Schrift (normal, kursiv, fett) können nun extra ausgewählt werden, so es die Schrift unterstützt. Auf der dritten Registerkarte (Vollbild) kann schließlich ausgewählt werden, ob der obere Statuszeile und/oder die Seitenzahlen angezeigt werden sollen. Falls ein Dokument geöffnet wird, dass weder im EPUB-, noch im PDF-Format vorliegt, aber vom Gerät unterstützt wird, gibt es noch eine vierte Registerkarte „Kodierung“, die sich an die dritte Position schiebt und auf der die Textkodierung ausgewählt werden kann.

Die Überarbeitung dieser Einstellungen sind im Zusammenhang mit der Schriftenliste sicher notwendig, sind allerdings nicht gut umgesetzt. So gehört die Schriftgröße logisch zu den Texteinstellungen. Diese sollten auch als erste Registerkarte angezeigt werden. Bei den Seiteneinstellungen fehlt nach wie vor die Möglichkeit, den Text linksbündig oder als Blocksatz auszurichten. Und die Punkte im Vollbildmenü müssten logischerweise umgekehrt werden.

PDF-Dokumente lesen

Durch den vergrößerten Arbeitsspeicher lassen sich PDF-Dokumente sehr schnell öffnen. Ein 18 MB großes Dokument ist in rund einer Sekunde geladen. Zum Lesen eines PDFs stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, da ein PDF eine fest voreingestellte Seitengröße hat. So lässt sich die PDF-Seite die Breite des Displays vergrößern. Das eignet sich hervorragend zum Lesen im Querformat. Mit jedem Blättervorgang wird die Seite des Dokuments erst nach unten geblättert, danach auf der nächsten gestartet. Das ist besser als das händische Herumgeschiebe auf der Seite, das andere eReader machen.

Eine andere Möglichkeit ist es, die Seite des PDFs komplett auf dem Bildschirm darzustellen. Das eignet sich allerdings nur bei PDFs mit sehr kleiner Seitengröße (< DIN A5) oder welchen mit sehr großer Schrift. Der weiße Rand lässt sich manuell oder automatisch abschneiden. Die Automatik funktioniert recht gut, besser ist jedoch die manuelle Einstellung des Randes.

Der dritte Modus schließlich unterteilt die PDF-Seite zwei oder drei Spalten und blättert dann in entsprechender Reihenfolge durch. Damit wird die Schrift entsprechend groß dargestellt und ist einwandfrei (auch ohne Brille) zu lesen.

Die beste Möglichkeit von allen ist aber der Reflowmodus, der Text und Bilder aus dem Dokument extrahiert und beides mehr oder weniger dem Dokument entsprechend linear wie ein eBook darstellt. Die Umwandlung des PDFs in reinen Text geht sehr schnell. Die Schriftgröße lässt sich (per Zoomgeste) ändern, die Schriftart leider nicht.

Wörterbücher

Dem geneigten Leser steht eine Vielzahl an Wörterbüchern zur Verfügung, die von Abbyy Lingvo stammen. Es stehen Übersetzungswörterbücher vom Englischen in verschiedene Sprachen (auch ins Deutsche) zur Verfügung. Unbekannte, deutschsprachige Begriffe lassen sich gar nicht nachschlagen, für Englische gibts das uralte Webster`s 1913-Dictionary.

Das Handling der Wörterbücher ist zudem nicht mehr zeitgemäß. Beim Tippen auf ein Word im eBook erscheint zunächst eine Auswahlleiste und nicht sofort die Erläuterung zum Wort. Hier könnte PocketBook nachbessern, und das Wörterbuch direkt öffnen!

eBooks vorlesen lassen

Wie alle PocketBookgeräte mit Audiounterstützung lassen sich auch mit dem Touch HD eBooks und PDFs vorlesen. Für die deutsche Sprache steht dazu eine männliche Stimme zur Verfügung. Während des Vorlesens kann die Lautstärke geändert werden, eine Beschleunigung oder Verlangsamung ist hier nicht möglich. Dies geht leider nur umständlich in den Einstellungen, wo man kein Hörbeispiel hat.

Nachfolgend ein Audiobeispiel aus dem Buch “Bis zum Nullpunkt des Seins” von Kurd Laßwitz, das standardmäßig mit den PocketBook-Readern mitgeliefert wird, aber auch von der PocketBook-Seite heruntergeladen werden kann:

Dieser Text wird vorgelesen:

Aromasia saß im Garten ihres Hauses und sah träumerisch ins Blau des schönen Sommertages vom Jahre 2371. Sie folgte mit ihren Blicken den kleinen dunklen Wolken, welche sich hier und da plötzlich in der Atmosphäre bildeten und einen Regenguss herabströmen ließen; oder sie spähte nach den fliegenden Wagen und Luftvelozipeden aus, die zu ihren Füßen in buntem Gewühle die breite Straße erfüllten. Denn der Garten Aromasias befand sich in der luftigen Höhe von ungefähr hundert Metern über dem Erdboden auf dem Dache ihres Hauses.
Man sah sich genötigt, die Wohnhäuser in so gewaltigen Dimensionen aufzutürmen und die Gärten über ihnen anzubringen, da man den Raum der ebenen Erde dem Ackerbau vorbehalten musste. So reich bevölkert war der Erdball, dass man jedes Plätzchen dem Anbau der Halmfrucht und der Ernährung des Schlachtviehs widmen musste, um die Gefahr einer Hungersnot abzuwenden.

Wiedergabe von Hörbüchern oder Audiodateien

Der Audioplayer spielt Musik oder Hörbücher ab, die im MP3-Format vorliegen müssen. Während des Abspielens lassen sich die einzelnen Titel auswählen und die Lautstärke ändern. Wenn der Player einmal gestartet wurde, läuft er solange im Hintergrund mit, bis er über den Taskmanager (lange auf die Hometaste drücken) in den Vordergrund geholt und beendet wird.

Ansonsten ist die Funktionalität des Audioplayers sehr rudimentär. Er merkt sich die letzte Position, aber nur wenn der Reader während des Abspielens in den Standbymodus geschaltet wird. Wird der Player beendet oder das Gerät ausgeschaltet, ist die letzte Hörposition verloren.

Die Audiodateien lassen sich in Playlisten organisieren, was aber sehr mühsam ist, da der Audioplayer – anders als die eBookbibliothek –  keine Mehrfachauswahl von Dateien erlaubt. Gerade Hörbüchern bestehen meist aus sehr viele kurze Dateien, sodass das Erstellen von Playlisten auf dem Reader keinen Spaß macht. Externe Playlisten lassen sich zudem auch nicht importieren, sodass die Playlistenfunktion überflüssig ist. Leider zeigt der Audioplayer unabhängig der angegebenen Verzeichnisse alle Titel in einer Ebene an, sodass auch hier keine Strukturierung der Audiobooks oder Musikalben möglich ist.  So gesehen, eignet sich die Audiofunktion des Touch HD (und aller anderen PocketBooks mit Audioausgabe) nicht wirklich zum angenehmen Hören von Audiobooks, die ja gut und gern ein paar Stunden dauern können.

Das funktioniert nur im Audioplayer, aber auch dort nur rudimentär. So lassen sich die Tracks nur Titel für Titel übers Kontextmenü einer Playliste hinzufügen. Eine Mehrfachauswahl, wie sie die Bibliothek den Büchern bietet, gibts hier nicht. Extern angelegte Playlisten werden nicht erkannt, sodass der Audioplayer nur als sehr rudimentär bezeichnet werden kann.

Für ein wenig Musikberieselung während des Hörens ist der Player ausreichend, allerdings stören immer wieder Knacksgeräusche im Kopfhörer, während der Auswahl

Sonstige Funktionen

PocketBook bietet auf seinen Geräten ein paar schöne Dinge, die nur hier zu haben sind. So gibt es die Möglichkeit, eBooks per E-Mail auf den Reader zu senden. Oder sie per Dropbox auf das Gerät zu synchronisieren. Neu seit letztem Jahr ist die PocketBook-Cloud, die Bücher und deren Lesefortschritt geräteübergreifend synchronisieren kann. Damit können eBooks sowohl auf den Readern, im Web und auf den Apps für Android und iOS gelesen werden.

Die Tasten lassen sich in den Einstellungen ändern und es ist möglich, einen eigenen Bildschirmschoner einzustellen, der angezeigt wird, wenn das Gerät abgeschaltet ist. Wer sein Gerät mit Mehreren nutzen möchte, kann für jeden Nutzer ein Profil anlegen, in dem der eigene Lesefortschritt der Bücher gespeichert wird. Die Einstellungen lassen sich zudem per Kennwort sichern, einen Passwortschutz, der das gesamte Gerät sperrt, gibt es allerdings nicht. Wer sich die Zeit vertreiben will, findet auch auf dem Touch HD ein paar Spiele.

Nervende Fehler in der Firmware

Die Hardware des Touch HD ist erste Sahne. Der Bildschirm ist genial, der auf 512 MB erweiterte Arbeitsspeicher sorgt für einen erheblichen Geschwindigkeitsschub in der Bibliothek und beim Blättern. Woran PocketBook seit Firmware 5 allerdings regelmäßig scheitert, ist die Software. Das zieht sich seit der ersten Version durch bis heute. Und das finde ich ausgesprochen schade, denn eigentlich hat alles schon mal in anderen Geräten funktioniert. Hier also die Fehler, die mir bisher aufgefallen sind:

  • Nach dem Öffnen einen eBooks kommt mit schöner Regelmäßigkeit die Frage, ob der Lesefortschritt des Buchs mit der Cloud synchronisiert werden soll. Die Meledung kommt unabhängig von einer aktiven WLAN- und/oder Cloudverbindung.
  • Eigene Schriften, die sich im Verzeichnis „system/fonts/“befinden, werden zwar in der Schriftauswahl angezeigt, eine Auswahl bewirkt aber keine Änderung der Schriftart. Das Problem bezieht sich offenbar aber nur auf den AdobeViewer, denn mit dem FBReader, der bei allen Formaten außer epub genutzt wird, gehts.
  • Schriften im Opentype-Format werden nach wie vor nicht erkannt.
  • Ab und zu lassen sich überhaupt keine Schriften auswählen, dann scrollt die Auswahl nur durch und das Gerät reagiert auf keine Eingaben in der Liste.
  • Eine Änderung der Zeilenhöhe funktioniert meist nicht.
  • Wenn ein Serienname mit einem &-Zeichen verbunden ist, wird dieses Zeichen als ASCII-Code ausgegeben. Statt „Hinz & Kunz“ wird „Hinz &amp; Kunz“ angezeigt
  • Einige Dinge in der Software sind nicht auf deutsch übersetzt und werden auf englisch angezeigt.
  • Wenn mehrere eBooks geöffnet sind, reagiert das Gerät manchmal nicht mehr oder schließt neue eBooks gleich wieder. Erst nach dem nanuellen Schließen der geöffneten Bücher, gehts wieder
  • Manchmal hängt sich das Gerät im Betrieb auf und manchmal lässt es sich nur einen Werksreset zum Leben erwecken. Ist mir bei anderen PocketBooks noch nicht in einem so kurzen Zeitraum passiert

 

Update vom 30.11.16

Mittlerweile ist das langersehnte Update da, das sämtliche oben angesprochenen Fehler beseitigt. Somit kann ich meine Empfehlung dahingehend ändern, dass ich den Reader uneingeschränkt empfehlen kann.

Zusammenfassung

Das könnte für den PocketBook Touch HD sprechen

  • Hochauflösender 300ppi-Bildschirm (beleuchtet)
  • Weiterblättern per Tasten
  • Licht per Taste ein- und ausschaltbar
  • Tastenbelegung lässt sich ändern
  • Großer interner Speicher (6 GB frei)
  • Einschub für Micro-SD-Karte
  • Umfangreiche Verwaltung von eBooks in Ordnern, Sammlungen, Genres, Favoriten, Serien
  • eBooks können via Dropbox aufs Gerät geladen werden
  • Lesen ist im Querformat möglich
  • Audiounterstützung mit Vorlesefunktion
  • Wörterbücher vorhanden
  • Spiele vorhanden
  • Unterstützung für eBooks aus der Onleihe

Das könnte gegen den PocketBook Touch HD sprechen

  • Tastenbeschriftung schwer erkennbar
  • Gehäuse zieht Fingerabdrücke an

Preise und Bezugsquellen

Fazit

Der PocketBook Touch HD ist zweifelsohne ein tolles Stück Hardware, dass durch das 300-ppi-Display wieder vorn mitmischen kann. Insgesamt lässt mich das Gerät aber sehr zwiegespalten zurück.

Gut gefällt mir, dass PocketBook am bewährten Design festhält und dass die Rückseite wieder gummiert ist. Das Gerät liegt dadurch hüllenlos doch besser in der Hand als mit einer glatten Rückseite. Zumal Hüllen gerade sehr spärlich gesät sind. Schade finde ich, dass bei PocketBook offensichtlich niemand die Geräte testet, bevor sie auf den Markt kommen, denn anders kann ich mir die doch recht lästigen Fehler nicht erklären. Ich bin aber guter Dinge, dass PocketBook ein Update nachreicht, das die Fehler behebt. Hoffentlich wird der Touch HD intern nicht als Nischengerät geführt und das Update kommt zeitnah.

Für die gebotenen Funktionsvielfalt finde ich den Preis von knapp 150 € schon angemessen. Wichtig zu wissen ist, dass dass die Reader von PocketBook nicht über den Verkauf von eBooks über einen großen angeschlossenen eBookshop querfinanziert werden, weswegen die Geräte in der Regel etwas teurer sind (Ausnahmen bestätigen die Regel). Andererseits erwarte ich für 150 € aber auch ein Gerät, das zumindest soweit fehlerfrei ist, dass es mich beim Hantieren nicht beeinträchtigt. Nervende Meldungen oder einfrierende Geräte gehören nicht dazu. Deswegen kann ich momentan keine uneingeschränkte Empfehlung abgeben, auch wenn ich das wegen dem wirklich tollen Displays liebend gern getan hätte.

Wer ihn trotzdem will, kann sich den Cool Reader als alternative Leseapp installieren und damit auf eigene Schriften zurückgreifen, muss aber auf die Unterstützung von DRM geschützten Büchern verzichten.

Datenblatt anschauen

Alternativen zum PocketBook Touch HD


Wirst du dir den PocketBook Touch HD zulegen?

Weitersagen & Unterstützen: Facebook | Google+ | Twitter
Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
* = Partnerlinks

Anzeige

131 Kommentare

Trackback  •  Kommentarfeed

  1. Udo Weyerbusch sagt:

    Hallo Michael, vielen dank für deinen Bericht! Meine Frage, kann das Pocket Book Touch HD auch schlecht gescennte PDF’s lesen?

  2. Roberto Castro Manzano sagt:

    Guten Tag,
    kann man mit dem Ebook Reader auch von anderen Anbietern Bücher ausleihen.
    Wie z.b. Amazon, Kobo, Online Bücherrei ?

  3. Ann sagt:

    Hallo Michael, ich besitze seit ein paar Monaten den Touch HD und bin absolut genervt wegen anderer Software-Probleme: Nach dem Einschalten braucht der Reader bestimmt eine Minute, bis er auf Umblättern reagiert. Mehrfaches Drücken auf Bildschirm und Tasten bleibt ohne Reaktion – es scheint eine Frage der Zeit zu sein.

    Weiter ist der Raum zum Umblättern auf dem Bildschirm eng eingegrenzt: In der gesamten Mitte rufe ich das Menü auf. Manchmal komme ich dann aufs Hauptmenü und der Reader fängt das Buch, das ich neu öffne, tatsächlich wieder bei der Titelseite an. (Das ist das kleinere Problem – ggf. kann man die Blätter”bereiche” des Bildschirms verändern, muss ich mal in die Bedienungsanleitung schauen).

    Diese Gedenkminute nach Einschalten nervt so, dass ich – wenn ich kurz pausiere mit Lesen, zum Beispiel für ein Telefonat – immer mal wieder blättere, damit sich der Reader nicht in den Schlafmodus setzt.

    Das Software-Update, das Du nennst, hat die in Deinem Artikel genannten Probleme beseitigt, das stimmt. Es gibt aber die von mir genannten, die den Leser für eine Vielleserin sehr unerfreulich machen.

    Hast Du das auch bemerkt oder hast Du einen Tipp? Ein neues Update gibt es nicht.

    Ansonsten: super Test, danke dafür!

    Viele Grüße, Ann

  4. Ann sagt:

    Vielleicht direkt angehängt noch eine Frage: Ich war sehr lange glücklich mit dem Sony PRS-T2.

    Zum Touch HD bin ich gewechselt, weil ich unbedingt wieder einen Reader mit Blättertasten, aber besserer Auflösung wollte (Beleuchtung war auch interessant, aber zweitrangig, die Blättertasten in Kombi mit 300dpi waren wichtiger). Der Touch HD scheint der einzige Reader zu sein, der das bietet. Mit dem Softwareproblem kann ich allerdings schlecht leben. Fällt Dir ein anderer Reader ein, der die Kombi bietet? Ich glaub, ich krame ansonsten meinen T2 wieder raus …. :(

    Grüße von Ann

    • Michael sagt:

      Es gäbe noch den Cybook Muse Frontlight HD mit Blättertasten und 300 ppi. Allerdings ist dessen Bibliothek nicht so umfangreich wie die der PocketBooks und ich fand die Erkennung der Berührungen auf dem Bildschirm nicht optimal. Andrerseits funktioniert das Blättern über die Tasten aber einwandfrei.

  5. Ann sagt:

    Vielen Dank für die zwei Antworten! Den Cybook kannte ich nicht und werde mir den Test in Ruhe durchlesen. Zwar war ich vom PRS-T2 die Blättertasten unten gewöhnt, merke aber beim Touch HD, dass der Schwerpunkt irgendwie anders ist und ich hier Blättertasten an der Seite besser fände. Insofern interessant.

    Die neue Firmware für den Touch HD warte ich ab. Danke für den Link zum Bug-Thread. Ich werde mal schauen, ob dieses “Einfrieren” nach Aufwecken aus dem Sperrbildschirm dort schon beschrieben ist.

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hoch