Testbericht: Kindle Paperwhite (2013)

  • 11. Oktober 2013 - Aktualsiert am 30. Dezember 2015
  • von Michael
  • 28 Antworten
Seit vorgestern gestern liefert Amazon die neuen Paperwhites aus und auch bei mir ist ein Exemplar angekommen. In diesem Artikel möchte ich einmal auf die Neuerungen des Gerätes eingehen.

Kindle_Paperwhite_2

Hardwareänderungen

Der neue Paperwhite (Modellnummer: DP45SDI) entspricht von den Abmessungen her dem Vorgänger (Modelnummer: EY21). Das ist praktisch, weil es bereits eine große Auswahl an preiswerten Alternativen zur Originalhülle von Amazon gibt.

Neben dem rund 6 g geringeren Gewicht ist die sichtbarste Änderung am Gehäuse das in die gummierte Rückseite eingeprägte, glänzende Amazonlogo. Das Display ist jetzt erheblich besser ausgeleuchtet, als das des Vorgängers. Die hellere Stelle links unten ist Geschichte und auch das Gitter am unteren Bildschirmrand ist so gut wie weg. Ich könnte mir vorstellen, dass sich viele Käufer über die bläuliche Beleuchtung des Vorgängers beschwert haben, denn sie tendiert nun eindeutig ins Warme, gelbliche.

links: Paperwhite 1 - rechts: Paperwhite 2

links: Paperwhite 1 – rechts: Paperwhite 2

Die Bewölkung, die beim Vorgänger für Unmut gesorgt hatte, ist nun fast ausgemerzt. Lediglich bei ganz weißen Seiten sind leichte Schatten sichtbar, die aber überhaupt nicht ins Gewicht fallen. Ein kompletter Seitenrefresh findet jetzt standardmäßig nach rund 15 Blättervorgängen statt (vorher nach 6). Bei geringen (schon bei rund 10°) oder hohen Temperaturen werden die Seiten – wie gehabt – bei jedem Blättervorgang komplett aufgefrischt.

Die Beleuchtung lässt sich wie beim Vorgänger in 24 Stufen regeln, wobei die Minimalbeleuchtung noch dunkler ist, als beim Vorgänger. Erst ab Stufe 8 leuchten beide Geräte gleichhell, würde ich meinen. In den Helligkeitseinstellungen gibt es jetzt eine Schaltfläche, mit der die Maximalhelligkeit eingestellt werden kann.

kindle_paperwhite2_helligkeit_regeln

Einstellung der Helligkeit mit Max-Knopf

Softwareänderungen

An der Software hat Amazon einiges verbessert. Die offensichtlichste Neuerung, die Amazon bei der Vorstellung des neuen Paperwhites auch beworben hat, ist die Möglichkeit, im Buch mal eben zurück- oder weiterblättern ohne die aktuelle Seite zu verlieren. Dieses Feature nennt Amazon Pageflip und es lässt sich durch das Wischen von der unteren Bildschirmkante nach oben aufrufen.

Kindle_Paperwhite_2_pageflip

Pageflip

Das zweite ist der Vokabeltrainer, den ich nur sinnvoll finde, wenn man fremdsprachige Bücher liest und schwierige Wörter aus der entsprechenden Sprache lernen möchte. Werden diese während des Lesens markiert, landen sie automatisch im Vokabeltrainer, der sich später über das Menü aufrufen lässt.

Darüber hinaus gibts noch mehr Änderungen, auf erst auf den zweiten Blick ersichtlich werden. Um ein Lesezeichen einer Seite hinzuzufügen, hat man bisher auf die Ecke rechts oben getippt und es erschien eine angeknickte Ecke. Um die Lesezeichen später wieder zu finden, musste man im Buch das Menü aufrufen und den Punkt „Anmerkungen und Markierungen anzeigen“ antippen. Wie oft habe ich diesen Einstiegspunkt gesucht und doch nicht gefunden. Das muss vielen so gegangen sein, denn beim neuen Kindle erscheint beim Antippen oben rechts zunächst eine Schaltfläche mit der aktuellen Position und einem Pluszeichen. Dort werden auch schon gesetzte Lesezeichen aufgelistet. Erst wenn man auf das Plus getippt hat, wird das Lesezeichen der Liste hinzugefügt und die Seitenmarkierung am rechten oberen Rand angezeigt. Zusätzlich wird eine Seitenvorschau zum jeweiligen Lesezeichen angezeigt. Sehr praktisch.

Kindle_Paperwhite_2_lesezeichen

Lesezeichen hinzufügen und anzeigen

Wird ein Wort markiert, kann jetzt schnell zwischen Wörterbuch und Wikipedia und Suche gewechselt werden. Notizen und Anmerkungen können weiterhin über den dort auch angezeigten Punkt „Mehr“ angelegt werden.

Kindle_Paperwhite_2_nachschlagen

Wort nachschlagen

Um auf die Notizen zuzugreifen, ist nicht mehr der Weg übers Menü notwendig, denn sie lassen sich nun direkt über das Inhaltsverzeichnis aufrufen:

kindle_paperwhite_2_inhalt_notizen

Notizen und Anmerkungen über „Gehe zu“ anzeigen

Amazon hat bei der Vorstellung auch die kontrastreichere Schrift hervorgehoben. Und tatsächlich: Beim Lesen wirkt die Schrift schärfer und dunkler. Ein naher Blick zeigt auch, dass sie wirklich etwas dunkler ist und sich an den Kanten besser zum Hintergrund abgrenzt. Ich habe beide Geräte diesgezüglich miteinander verglichen (aufs Bild klicken, um den Ausschnitt in 100% anzuzeigen):

vergleich_schrift_pw1_pw2

Vergleich der Schriften beim Paperwhite 1 (links) und Paperwhite 2 (rechts)

 

Zusammenfassung

Das könnte für den Amazon Kindle Paperwhite sprechen

  • Beleuchtung
  • Bedienung per Berührung
  • Pageflip-Funktion zum schnellen Vor- oder Zurückblättern ohne die aktuelle Seite aus dem Fokus zu verlieren
  • Wörterbücher enthalten
  • Gerät kann gegen fremden Zugriff gesperrt werden
  • eBooks landen per WLAN auf dem Gerät
  • Funktioniert auch im ZipLock-Beutel
  • Kontrastreichere Schrift als beim 2012er Modell
  • Wärmeres Licht als das 2012er Modell
  • Gleichmäßigere Ausleuchtung als das 2012er Modell
  • einfache Shopanbindung
  • Gibts auch mit Mobilfunkkarte, um unterwegs eBooks zu kaufen, auch wenn kein WLAN zur Verfügung steht

Das könnte gegen den Amazon Kindle Paperwhite sprechen

  • Enge Bindung am Amazon
  • eBooks im EPUB-Format können ohne Hilfsmittel nicht dargestellt werden
  • Keine Unterstützung der eBooks aus der Onleihe

Preise & Bezugsquellen

Fazit

topAmazon hatte ja letztes Jahr vollmundig die beste Beleuchtung versprochen und diesbezüglich richtig ins Klo gegriffen. Bunte Wolken auf vielen Geräten, die vermutlich nur an Menschen mit Rot-Grün-Sehschwäche vorbeigegangen sind.

Amazon hat beim neuen Paperwhite nun nachgebessert und muss beleuchtungstechnisch nun nicht mehr hinter dem Wettbewerb verstecken. Die Wolken gehören nun der Vergangenheit an. Das Schriftbild ist nach wie vor das Beste unter den Leuchtgeräten. Die Software ist ausgereift, und die neuen Funktionen überzeugen mich. Auch wenn ich vermutlich den Vokabeltrainer nie brauchen werde.

Datenblatt aufrufen


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Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
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28 Kommentare

Trackback  •  Kommentarfeed

  1. Jochen sagt:

    Danke für den Testbericht. Bin gerade am überlegen ob ich meinem alten Kindle (3G) einen Paperwhite (WiFi) zur Seite stelle. Daher jetzt die alles entscheidende Frage: Wir mein Lesestoff automatisch auf das neue Gerät übertragen und ist er dann auf beiden Geräten verfügbar?

    • Michael sagt:

      Automatisch nicht, aber deine eBooks stehen nach dem Anmelden des Gerätes in der Cloud und können dann vom Gerät aus heruntergeladen werden. Lesefortschritte werden dabei übernommen, Sammlungen nicht.

      • John sagt:

        Die Sammlungen konnten bislang aber über den entsprechenden Menüpunkt importiert werden. Ist das abgeschafft worden? Würde mich doch sehr wundern.

    • John sagt:

      Einzeln importieren ist dann okay, wenn man sich nicht gleich 200 Bücher auf einmal aufs Gerät befördern will. So ein Großimport würde auch den Paperwhite erst einmal eine Weile mit der Indexierung auslasten.

      Reicht es nicht, erst einmal den aktuellen Lesestoff und ständig benutzte Nachschlagewerke o. ä. auf den Paperwhite zu laden und den Rest bei Bedarf? Da es sich nur um die WiFi-Version handelt, wären Sie natürlich nicht so ortsunabhängig wie mit einem 3G-Gerät, aber oft reicht es aus oder es steht übers Smartphone ein Hotspot zur Verfügung.

      Darüber hinaus fände ich es aber auch praktisch, wenn man entweder über den Kindle selbst oder über „Mein Kindle“ auf der Amazon-Webseite den gewünschten Büchern in einer Liste einfach nur ein Häkchen zu verpassen bräuchte und der Rest ginge von selbst.

      Es ist übrigens zu empfehlen, immer mal wieder den gesamten Dokumente-Ordner jedes Kindles auf dem PC zu sichern, denn dann kann man ihn nach einer Geräterücksetzung, die bei heftigeren Softwareproblemen nötig sein kann, viel schneller wiederherstellen, als wenn man alles herunterlädt. Das hilft leider nichts bei zwei Geräten, DRM sei Dank.

      • Jochen sagt:

        Eure Argumente sind einleuchtend. Fachbücher und Nachschlagewerke sind jetzt komplett drauf und ansonsten nur die wo ich aktuell am Lesen bin. Danke auch für den Tipp mit dem Backup.

  2. Jochen sagt:

    Super – Danke, dann werde ich mal deinen Link nutzen und den Paperwhite ordern.

  3. Alexandra sagt:

    Vielen Dank! Habe deinen Link gerade genutzt um den Paperwhite 2 zu bestellen. Er scheint mir ein würdiger Nachfolger meines alten Kindle 4 zu sein.

  4. Sebastian sagt:

    Toller und detaillierter Testbericht! Erstmal vielen Dank dafür!

    Weisst du zufällig ob das Display mit ausgeschalteter Beleuchtung (bzw. niedrigster Stufe) durch den erhöhten Schriftkontrast heller wirkt als beim Paperwhite 1? Habe nämlich seit dem ich vom Standard-Kindle auf den Paperwhite umgestiegen bin festgestellt, dass das Display des Standards heller wirkt, wenn die Beleuchtung beim Paperwhite auf der niedrigsten Stufe ist.

    Beste Grüße,

    Sebastian

    • Michael sagt:

      ob das Display mit ausgeschalteter Beleuchtung (bzw. niedrigster Stufe) durch den erhöhten Schriftkontrast heller wirkt als beim Paperwhite 1?

      Definitiv. Nicht viel, aber ich habe den Eindruck, dass mans besser lesen kann. Allerdings liegt das weniger am Kontrast der Schrift (der sie generell schärfer wirken lässt), sondern eher am gelblichen Hintergrund des Displays.

  5. Julian sagt:

    Guten Abend,

    ich bin ein eBook Neuling und schwer am überlegen, ob ich mir nicht so ein tolles Gerät zulegen sollte (Ich habe keinen Platz mehr im Bücherregal ;) )

    Nun versuche ich mich durch die ganzen Reader zu kämpfen um herauszufindne welcher der beste, für mich, ist.
    An sich finde ich den Paperwhite sehr spannen, auch für den Aktionspreis für Prime’ler,
    ABER ich lese auch immer wieder etwas von diesem epub Format.
    Ist dies so wichtig? Sind die „Bücher“ Preise in den anderen Shops geringer?
    Und kann ich das FOrmat nicht einfach wandeln, wie früher meine Musikdateien?

    Danke für die Antwort

    Gruß Julian

    • Michael sagt:

      eBooks müssen in Deutschland aufgrund der Buchpreisbindung immer gleich kosten. Egal wo du sie kaufst. Alle eBooks, du du in anderen Shops als EPUB bekommst, gibts auch bei Amazon. Dort gibts sogar noch mehr, weil sich Amazon um die vielen Selbstverleger kümmert, deren eBooks kostenlos oder für wenig Geld zu haben sind. Lies dich einfach mal durch meine Kaufberatung, dort habe ich die ganzen Artikel zum Thema „eBook-Readerkauf“ zusammengefasst.

      • Julian sagt:

        Hallo Michael,

        danke für deine Antwort.
        Wieso ist dann für viele dieses Format sp wichtig? Falls diese Personen Amazon nicht unterstützen wollen, dann haben diese auch keinen Kindle… naja..

        Ich habe mich schon durch einige Testberichte durch gelesen und ebenfalls deine Videos geschaut.
        Vermutlich ist es so wie mit allem. Die Unterschiede wirklich beurteilen kann man nur, wenn man verschiedene testet.
        Ich denke ich werde den Kindle PW 2 probieren(natürlich mit deinem Link)

        Er wird definitiv nicht schlechter sein.

        Danke nochmal für deinen tollen Blog. Bin begeistert.

        Grüße,
        Julian

        • Michael sagt:

          Es ist so, dass EPUB ein Quasistandard ist und sich die eBooks auf allen möglichen Geräten (außer den Kindles) lesen lassen. Nicht nur auf den Geräten eines Herstellers. Beim Kindle bist du an Amazon gebunden, weil die eBooks von Amazon (bis auf wenige Ausnahmen) nicht von anderen Geräten gelesen werden können. Wenn du also etwas gegen Amazon hast, aber trotzdem eBooks lesen möchtest, hast du die Wahl zwischen mehreren Herstellern und auch zwischen mehreren Shops.

        • Alexandra sagt:

          Beim Kindle bist du an Amazon gebunden

          Das stimmt so nicht ganz. Es gibt durchaus Möglichkeiten, EPUBS nach MOBI zu konvertieren (Stichwort: Calibre) und damit kommt der Kindle prima zurecht.

        • Michael sagt:

          Stimmt schon. Nur bei kopiergeschützten eBooks gibts da Probleme, die nicht jeder meistert.

        • Alexandra sagt:

          Ähm, ich meinte natürlich umgekehrt: Das Kindle-Format lässt sich auch nach EPUB umwandeln, sodass man die bei Amazon gekauften Bücher dann auch auf den Geräten anderer Hersteller lesen kann.

        • Alexandra sagt:

          Ja, mir ist klar, dass das nicht jedermanns Sache ist ….

  6. Bruno sagt:

    Hi,
    ich mag hier grade mal meinen Senf dazu geben.
    Aus Kundensicht bin ich klar gegen solche Praktiken wie sie von Amazon aufgezwungen werden. Das ist das gleiche wie mit der Bindung von Handys an den Provider, aber das konnte man nach 2 Jahren wenigstens entsperren. Ich werde es nie akzeptieren, mir ein Reader zu holen, den ich wegschmeißen muss, wenn ich den Händler wechsle. Amazon kommt denke ich nur deshalb damit durch, weil es die Buchpreisbindung gibt, ohne diese würde jeder mal hier und mal woanders einkaufem wollen. Ich persönlich mache das nicht nur am Preis fest, wenn mir was anderes am Unternehmen missfällt, will ich zumindest temporär durch einen Einkauf woanders dem Unternehmen Umsatz verweigern können.

    • Michael sagt:

      Bei Amazon und den Kindles weiß man in der Regel vorher worauf man sich einlässt. Vorausgesetzt, man informiert sich entsprechend. Von Zwang würde ich da nicht sprechen, zumal auch andere Hersteller schöne Geräte haben.

  7. Robert sagt:

    Ist es möglich, alle meiner Bücher in verschiedenen Formaten vom PC in dieses Gerät zu laden und hier lesen?

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