Testbericht: Tolino Page

  • 22. Juli 2016 - Aktualsiert am 10. August 2016
  • von Michael
  • 9 Antworten

Ende Juni kündigte die Tolinoallianz mit dem Page einen neuen eReader an, der preislich unterhalb des Shine 2 HD positioniert wird und als erster Tolino überhaupt ohne beleuchtetes Display kommt. Seit zwei Wochen ist mein Testgerät, das mir Thalia zur Verfügung gestellt hat, hier und ich hatte ausreichend Zeit, mich mit dem Gerät zu beschäftigen.

Tolino-Page

Gehäuse, Anschlüsse

Äußerlich erinnert der Page sehr an den 3 Jahre alten Tolino Shine. Und so war auch mein erster Reflex: „Oh schön, das griffige Gehäuse des Shine ist zurück“.  Ich fand das Gehäuse des Shine damals durch seine komplette Gummierung und die abgerundeten Kanten sehr griffig und auch ohne Hülle sehr angenehm zu halten. Das ist beim Page anders, denn hier wurde auf die Gummierung verzichtet. Dadurch fühlt sich das Gerät billiger verarbeitet an und es liegt auch nicht mehr ganz so sicher in der Hand. Ich hatte oft das Gefühl, dass mir der Page leichter aus der Hand rutschen könnte, auch wenn mir das nicht passiert ist.

Die fehlende Gummierung zieht allerdings auch keine Fingerandrücke an und insgesamt ist die Gehäusefarbe etwas heller als das dunkle Braun des Shine. Durch die identischen Abmessungen passen dem Page auch alle Hüllen für den Shine, was gut ist, da es einen aureichend großen Markt an Drittanbieterhüllen gibt.

Oberseite mit Einschalter

Oberseite mit Einschalter

Aber nicht nur das Gehäusematerial ist anders, Abstriche gibt es auf dem zweiten Blick überall. So ist der Micro-USB-Anschluss und das Resetloch noch immer hinter einer Gehäuseklappe versteckt, allerdings fehlt der Einschub für eine weitere Micro-SD-Karte.

Unterseite mit Micro-USB-Anschluss hinter einer Klappe

Unterseite mit Micro-USB-Anschluss hinter einer Klappe

Die Hometaste hat keine grüne LED mehr, diese strahlt nun weiß aus dem Resetloch heraus. Der Einschalter auf der Oberseite ragt stärker aus dem Gehäuse heraus und ist nun kein Schiebeschalter mehr, sondern ein Druckknopf, wie bei seine größeren Geschwistern.

Innereien

Obwohl auf den ersten Blick mit dem Shine verwandt, handelt es sich beim Page um ein komplett neues Gerät. Im Gegensatz zum Shine mit seinem 800 MHz getakteten Prozessor, setzt der Page auf einen Prozessor mit 1 GHz Taktfequenz. Der Arbeitsspeicher wurde auf 512 MB verdoppelt. Beide Dinge entsprechen auch denen von Shine 2 HD und Vision 3 HD. Der interne Speicher ist mit 4 GB angegeben, nutzbar sind davon nur knapp 2 GB. Das ist auch völlig ausreichend, da der Page über die gleiche —  quasi nicht vorhandene — eBookverwaltung seiner Geschwister verfügt. So kommen nur die paar Bücher aufs Gerät, die gerade gelesen werden. Die anderen bleiben in der Tolinocloud oder — falls genutzt — der eigenen Calibrebibliothek. Ein kleinerer Akku (1000 mAh statt 1500 mAh) sorgt für 2 Wochen Lesespaß bei täglich einer halben Stunde Lesezeit.

Bildschirm

Traditionell ist das Display das Teuerste am ganzen eReader. Um den Preis des Gerätes auf knapp 70 € drücken zu können, müssen hier die größten Abstriche gemacht werden. Und deswegen steckt im Page auch nur ein unbeleuchtetes und mit 167 ppi aufgelöstes E-Ink-Carta-Display. Das hat einen recht hellen Hintergrund, eine sehr konstrastreiche Schrift und eignet sich hervorragend zum Lesen im Hellen.

Tolino-Page_display

Eine Auflösung von 167 ppi sieht nur auf dem Papier erheblich schlechter aus, als die 300 ppi eines Shine 2 HD oder Vision 3 HD. In der Praxis sind die Unterschiede aber durchaus zu vernachlässigen. So löst das menschliche Auge bei einem Leseabstand von 30 cm vom Auge zu Gerät im Durchschnitt nur 200 ppi auf, bei weiteren Entfernungen noch weniger. Höhere Auflösungen können also gar nicht wahrgenommen werden. Durch die geringere Auflösung wird Schrift im Allgemeinen leicht fetter dargestellt als auf Geräten mit 212 oder 300 ppi.

Software und Bedienung

Dass der Page ein waschechter Tolino ist, merkt man an der Software. Sie bietet nämlich die gleichen Funktionen (vom Lichtschalter mal abgesehen), wie die größeren Geschwister. Also Bücher in Sammlungen sortieren oder nach Autoren sortiert anzeigen, Einstellen von Schriftart, – größe, Zeilen- und Randabstand im eBook, das Lesen im Querfomat oder den Zugriff auf die 25 GB große Cloud, in der sich alle gekauften oder hochgeladenen eBooks befinden. Ebenso lässt sich der Page mit einem Passwort sperren. Auch das Surfem im Shop oder per Browser im Netz ist mit dem Page an allen Telekomhotspots möglich, die sich meist an Bahnhöfen oder Schnellrestaurants befinden.

Neue Stromsparfunktion

Der Page ist für eReadereinsteiger bzw. Leute konzipiert, die nur ab und zu ein eBook lesen. Dadurch wird das Gerät die meiste Zeit des Jahres nur herum liegen und dementsprechend schnell seine Akkuladung verlieren. Um dem Vorzubeugen gibt es beim Page eine neue Stromspareinstellung (leider nicht standardmäßig aktiviert), die das Gerät nach 5 h Inaktivität komplett abschaltet. Dabei wird auch kein Bildschirmschoner mehr angezeigt, sondern nur eine weiße Seite. Wärend der Reader im normalen Standby schon nach drei Sekunden einsatzbereit ist, dauert das Starten aus dem ausgeschalteten Zustand rund 25 Sekunden. Dafür hält der kleine Akku dann auch ein paar Wochen oder Monate länger durch.

Zusammenfassung

Das könnte für den Tolino Page sprechen

  • Bedienung per Berührung
  • Lesen im Querformat möglich
  • Im angebundenen Shop gekaufte eBooks landen per WLAN auf dem Gerät
  • eBooks aus anderen Shops des Tolinoverbundes können per WLAN aufs Gerät geladen werden
  • Eigene Schriften lassen sich installieren
  • Wörterbücher vorhanden
  • Verwaltung der eBooks in Sammlungen
  • Onleihe kann benutzt werden
  • Kostenloser WLAN-Zugang bundesweit über alle Telekom Hotspots

Das könnte gegen den Tolino Page sprechen

  • Keine Beleuchtung
  • Funktioniert nicht im ZipLock-Beutel
  • PDF-Reflow stellt zeigt jeglichen Text unformatiert dar

Preise

Fazit

Dass bei einem (Einführungs)preis von knapp 70 € irgendwo gespart werden muss, ist dem Tolino Page nicht auf Anhieb anzusehen. Durch das bewährte Gehäuse mit den abgerundeten Kanten liegt das Gerät sehr angenehm in der Hand. Lediglich der preiswert anmutende Kunststoff des Gehäuses trübt das Haltegefühl etwas.

Warum Einsteiger in die Tolino-eReaderwelt allerdings mit sechs Jahre alter Technologie vorlieb nehmen müssen, erschließt sich mir nicht ganz. Schließlich bot der letzte Sonyreader schon vor drei Jahren ein unbeleuchtetes höher auflösendes (212 ppi) Display, das ebenfalls auf Cartatechnik basierte.  Dennoch ist die Auflösung von 167 ppi in den meisten Fällen in Ordnung, nur sehr kleine Schriften neigen zum Ausfranzen.

Sehr gut gefallen hat mir der eingebaute Stromsparmodus, der das Gerät nach fünf Stunden komplett abschalten kann. Den wünsche ich mir auch in den anderen Tolinos.

Wer auf den Preis schauen muss oder immer nur im Hellen liest, bekommt mit dem Page ein ausgereiftes Gerät, wobei der Reifegrad ja in der Regel an der Software auszumachen ist. Und hier sind die Tolinos schon sehr weit, wenn auch noch nicht ganz perfekt – aber für den Alltagseinsatz durchaus ausreichend.

Datenblatt aufrufen

Alternativen zum Tolino Page


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Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
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9 Kommentare

Trackback  •  Kommentarfeed

  1. swschilke sagt:

    Hallo,

    Woher kommt dies bzw. ist das belegt (Studie oder so):

    “ So löst das menschliche Auge bei einem Leseabstand von 30 cm vom Auge zu Gerät im Durchschnitt nur 200 ppi auf, bei weiteren Entfernungen noch weniger. “

    Danke

    • Michael sagt:

      Ich habe das irgendwann mal gelesen, allerdings ist mir die Quelle entfallen. Hatte überlegt, ob ichs überhaupt erwähne. Ich recherchiers aber nochmal nach und melde mich dann wieder.

  2. Roland Metzler sagt:

    Hallo,

    Das ist ja wohl nicht der richtige Platz für diese positive Aussage „Einschub für Micro-SD-Karte“ oder?

    Ich sehe auf jeden Fall keinen Grund mir den Page zuzulegen, ich finde den shine besser und hoffe das er mir noch lange erhalten bleibt.

  3. Markus sagt:

    Hallo!in einem Vergleichs Test
    Kannst Du bitte mal den neuen Tolino Page gegen den neuen 2016er Kindle antreten lassen ?
    Zwei Basic Reader zu je 69,-€.

    Markus

  4. Markus sagt:

    Hallo,
    fand eben zufällig den ersten echten Vergleichstest zwischen beiden Geräten auf der deutschen Computerbase Webseite. Hier der Link dahin:

    https://www.computerbase.de/2016-08/kindle-2016-tolino-page-test/

  5. Irene Rudolf sagt:

    Im Handbuch steht , Lichtschalter bedienen um im dunklen zu lesen . Suche den Schalter auch nach 3 Tagen noch . So was blödes . Lese meistens noch im Bett . Beim tolino shine konnte ich nachts lesen ohne jemanden zu stören. Ich brauch doch kein Internet oder ne Kamera beim tolino . Das können die sich sparen und lieber wieder ein Licht einbauen

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