Testbericht: Kindle Touch (2014)

Mit dem neuen Kindle hat sich Amazon nun endgültig von eBook-Readern ohne Touchdislay verabschiedet. Seit dem 2. Oktober 2014 ist der einfache Kindle der 7. Generation erhältlich, der nun per berührungsempfindlichen Bildschirm bedient wird.

Amazon Kindle (7. Generation)
Amazon Kindle (7. Generation)

Technische Daten, Gehäuse & Verarbeitung

Der Kindle ist mit rund 17 cm x 12 cm etwas höher und breiter als sein Vorgänger. Mit rund 1 cm ist er auch etwas dicker. Der Kindle hat ein komplett neues Gehäusedesign, das etwas klobiger als die bisherigen Kindles wirkt. Die nach hinten abgerundeten Kanten sind nun abgeschrägt. Das Gerät ist damit nun eckiger, liegt dennoch sehr gut in der Hand.

Amazon Kindle (7. Generation) - Rückseite
Amazon Kindle (7. Generation) – Rückseite

An der Unterseite des Gerätes befindet sich wie gehabt der Micro-USB-Anschluss, mit dem das Gerät aufgeladen und mit dem PC verbunden werden kann. Eine Status-LED informiert, ob das Gerät noch geladen wird oder der Akku schon voll ist. Außerdem befindet sich auch hier der Einschalter.

Erstmals gibt Amazon an, dass sich im Kindle ein 1 GHz-Prozessor verbirgt. Dieser soll dafür sorgen, dass das Gerät rund 20% schneller ist. Und tatsächlich, der neue Kindle er blättert schneller als alle bisher erschienenen Kindles. Auch schneller als der Paperwhite 2. Im direkten Vergleich ist das schon beeindruckend, in der Praxis fällt das nicht wirklich ins Gewicht.

Der interne Speicher ist mit 3 GB verfügbarem Speicherplatz recht groß für ein Einsteigergerät.

Verarbeitung

Beim neuen Kindle merkt man schon, dass Amazon versucht hat, ein von vorneherein preiswertes Gerät zu entwickeln. Im Gegensatz zum Kindle der 4. Generation, der bei seiner Vorstellung vor 3 Jahren 99 € kostete und dementsprechend hochwertiger geplant wurde, verzichtet Amazon beim neuen Kindle auf eine gummierte Rückseite. Das Gerät besteht ringsum aus glattem Kunststoff, der recht anfällig für Fingerabdrücke ist. Auch das mitgelieferte USB-Kabel wurde um die Hälfte auf nur noch 1 m gekürzt. Schade, denn ich habe es immer gemocht, dass Amazon ihren Geräten so lange Kabel beigelegt hat.

Durch das neue Gehäusedesign wirkt der Kindle in Verbindung mit dem doch recht glattem Plastik auf mich beim Halten ohne Hülle etwas billig. Das heißt aber nicht, dass das Gerät billig verarbeitet ist. Im Gegenteil, die Verarbeitungsqualität ist sehr hoch. Nichts ist schief eingebaut, es gibt keine unregelmäßigen Spaltmaße und nichts knarzt.

Bildschirm

Als Bildschirm kommt ein unbeleuchtetes 6″-Pearl E-Ink-Diplay zum Einsatz, das offenbar schon im Kindle Touch von vor zwei Jahren verwendet wurde. Wie bei diesem sorgt auch im neuen Kindle die ältere (und vermutlich preiswertere) Infrarottechnik fürs Erkennen der Berührungen auf dem Bildschirm. In neuen Geräten werden in der Regel kapazitive Displays eingebaut, die dünnere Gehäuse ermöglichen.

Amazon hat offenbar die Ansteuerung des Bildschirms optimiert. So frischt der neue Kindle den Bildschirm erst nach zehn Blättervorgängen komplett auf (vorher 6). Ghosting ist sogut wie keines sichtbar. Lediglich direkt nach dem Schließen von Einstellungsdialogen (z.B. Schrifteinstellung) werden die darunterliegenden Textpassagen etwas

Der Kontrast ist gewohnt hoch. Im Vergleich mit dem Kindle der 4. Generation und dem Kindle Touch ist hier kein Unterschied feststellbar.

Bedienung

Die Bedienung ist kindletypisch sehr einfach und selbsterklärend. Wer schonmal einen Paperwhite oder Kindle Touch in der Hand hatte, wird sich gleich zurechtfinden. Die verwendete Firmware (5.6.0) bietet alle Features, die auch der Paperwhite bietet. Natürlich abgesehen von den Einstellungen der Beleuchtung, denn die hat der Kindle nicht.

PageFlip, Vokabeltrainer, Kindle FreeTime sind mit an Board, ebenso wie der Browser, der auch hier als Betaversion deklariert wird. Gegen unbefugten Zugriff kann auch dieser Kindle mit einem Passwort versehen werden.

eBooks lesen

Der neue Kindle unterstützt wie alle anderen Geräte den amazonüblichen Reigen an eBookformaten. AZW, AZW3, MOBI (ohne DRM), PDF (ohne DRM), PRC und TXT werden direkt unterstützt. HTML, DOC und DOCX müssen per Whispersync umgewandelt werden. EPUB wird nicht unterstützt.

Das Lesen ist gewohnt angenehm. Einstellungen zur Schriftart (6 vorinstallierte stehen zur Verfügung), Schriftgröße, Zeilen- und Randabstand stehen zur Verfügung. Am unteren Rand des eBooks werden Leseposition oder die Zeit bis zum Ende des Kapitels oder Buchs oder ganz nichts angezeigt.

Amazon Kindle (7. Generation) - Leseeinstellungen
Amazon Kindle (7. Generation) – Leseeinstellungen

Geblättert wird entweder per Tippen auf den Bildschirm oder per Wischgeste. Mit einem Wisch von rechts nach links wird weiter- und mit einem Wisch von links nach rechts zurückgeblättert. Das funktioniert auf beiden Seiten des Bildschirms, um auch einhändig zurückzublättern.

Um mal ein paar Seiten nach hinten oder vorne zu blättern ohne die aktuelle Seite zu verlieren, kann PageFlip benutzt werden. Dazu einfach vom unteren Bildschirmrand nach oben wischen und im kleineren Fenster blättern.

Markierungen & Wörterbücher

Einzelne Wörter oder ganze Passagen lassen sich auch hier markieren und wahlweise mit Anmerkungen versehen und nachschlagen. Zum Nachlagen von deutschen Wörtern ist das DUDEN Universalwörterbuch vorinstalliert. Das Oxford Dictionary of English erledigt das gleiche für englischsprachige eBooks. Natürlich können weitere Wörterbücher nachgekauft bzw. bereits für einen früheren Kindle gekaufte Wörterbücher verwendet werden.

Werbung auf dem Kindle

Amazon bietet den Kindle in Deutschland erstmals in zwei Versionen an. Mit eingeblendeter Werbung für 59 € und ohne für 20 € mehr. Beim preiswerteren Gerät wird die Werbung als Bildschirmschoner angezeigt, wenn das Gerät ausgeschaltet ist. Nach dem Einschalten bleibt die Werbung stehen und muss weg gewischt werden, um in die Kindleoberfläche zu gelangen. Tippt man stattdessen auf die Anzeige, landet man dann auf einer Seite, die das Angebot nochmals genauer erläutert und einen Link in den Kindleshop anbietet.

Amazon Kindle (7. Generation) - Werbung auf dem Bildschirm
Amazon Kindle (7. Generation) – Werbung auf dem Bildschirm

Darüber hinaus wird auch auf der Startseite (dort, wo die eBooks angezeigt werden, die sich auf dem Kindle befinden) des Gerätes ein schmaler Streifen Werbung eingeblendet. Dieser wird auch dann angezeigt, wenn die Buchempfehlungen eingeschaltet sind, die in den Einstellungen unter “Geräteoptionen > Persönliche Einstellungen > Empfehlungen und Angebote” ausgeschaltet werden können.

Amazon Kindle (7. Generation) - Werbung auf der Startseite (trotz eigeschalteter Empfehlungen)
Amazon Kindle (7. Generation) – Werbung auf der Startseite (trotz eigeschalteter Empfehlungen)

Wer sich zunächst für ein Gerät mit Werbung entschieden hat, kann sie später jederzeit für den Differenzbetrag von 20 € zum werbelosen Gerät, dauerhaft ausblenden lassen.

Hüllen und Licht

Aufgrund des neuen Gehäusedesigns gibt es derzeit eine absolut überschaubare Auswahl an Hüllen für den Kindle. Passgenau gibts derzeit nur die Originalhüllen von Amazon, die es in einer Ausführung in Leder (nur in schwarz – rund 35 €) und Kunstleder (rot, gelb, rosa, blau, schwarz und lila – rund 25 €) gibt. Leider hat Amazon es versäumt, eine Hülle mit eingebauter Beleuchtung ins Programm zu nehmen, denn ohne eignet sich der neue Kindle nur für Lesen in entsprechend hellen Umgebungen. Oder eben mit Klemmlampe.

Als alternative Hüllen kann ich noch die Mosushüllen empfehlen, die etwas preiswerter als die Originalhüllen, dabei aber handgearbeitet sind. Auch sie können als Sleepcover gearbeitet werden. Ich habe die Mosushüllen vor einiger Zeit getestet und war sehr angetan von ihnen.

Zusammenfassung

Das könnte für den Amazon Kindle sprechen

  • Bedienung per Berührung
  • Pageflip-Funktion zum schnellen Vor- oder Zurückblättern ohne die aktuelle Seite aus dem Fokus zu verlieren
  • Wörterbücher enthalten
  • Gerät kann gegen fremden Zugriff gesperrt werden
  • eBooks landen per WLAN (aus dem Shop oder per E-Mail) auf dem Gerät
  • Vokabeltrainer zum effektiven Lernen von Fremdwörtern
  • einfache Shopanbindung

Das könnte gegen den Amazon Kindle sprechen

  • Keine Beleuchtung
  • eBooks im EPUB-Format können ohne vorherige Umwandlung nicht dargestellt werden
  • Keine Unterstützung der eBooks aus der Onleihe
  • Kann keine im eBook festverdrahteten Schriften anzeigen
  • Funktioniert nicht im ZipLock-Beutel

Preise & Bezugsquellen

nicht mehr erhältlich

Fazit

Nach drei Jahren war es für Amazon offenbar mal wieder so weit, das Einstiegsgerät zu aktualisieren. Der neue Kindle kommt mir wie ein abgespeckter, aber schnellerer Aufguss des Kindle Touchs vor. Displaytechnisch setzt Amazon auf das ältere, aber ausgereifte Pearl E-Ink-Display, der nach wie vor – besonders im preiswerten Segment – eine erstklassige Wahl ist. Amazon zeigt auch hier, dass man Gutes immer noch verbessern kann.

Alles in Allem ist der neue Kindle ein würdiger Nachfolger für den Tastenkindle. Als Einstieg bei Amazon oder als Zweitreader zu einem Paperwhite (oder dem Voyage) ist der Kindle in der 7. Generation hervorragend geeignet. Mir fehlt einzig die gummierte Rückseite, die allerdings durch eine passende Hülle kompensiert werden könnte.

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Alternativen zum Amazon Kindle

1 Gedanke zu „Testbericht: Kindle Touch (2014)“

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