Testbericht: PocketBook Aqua 2

  • 3. August 2017 - Aktualsiert am 11. August 2017
  • von Michael
  • 4 Antworten

Rund drei Jahre ist es her, als PocketBook den überhaupt ersten wasserdichten eReader herausgebracht hat. Jetzt legt der Hersteller nach und verpasst dem Aqua eine Frischzellenkur. Ich habe das Gerät in den letzten beiden Wochen ausgiebig getestet und schreibe hier meine Erfahrungen auf.

PocketBook Aqua 2 mit Wassertropfen

Hinweis: Das in diesem Test verwendete Gerät wurde mir von PocketBook zur Verfügung gestellt. Es könnte also handverlesen sein.

Gehäuse- und Designmerkmale

Dass auch der Aqua 2 der PocketBookschen Designphilosophie entspricht, ist auf den ersten Blick ersichtlich. So hat das Gerät Blättertasten und diese sind unterhalb des Bildschirms angebracht. Von der Form her erinnert er sehr stark an die Touch-Lux-Reihe, wobei das Gehäuse des Aqua 2 etwa 1 mm dicker ist. Dadurch liegt der Reader etwas besser in der Hand, passt aber nicht in die Slimelinehüllen des Touch Lux 3.

Durchgehend gummierte Rückseite des PocketBook Aqua 2

Der Wulst auf der gummierten Rückseite, der auch von anderen PocketBookgeräten bekannt ist, sorgt beim einhändigen Halten für einen sehr guten Ausgleich, wenn mit dem Daumen über die Tasten weitergeblättert wird. Erinnert ein wenig an Handgriffe an Digitalkameras. Leider sind die rückseitigen Kanten etwas scharf. Es wirkt ein wenig, als wäre die Rückseite nicht perfekt in den Rest des Gehäuses eingepasst.

Tasten unterhalb des Bildschirms

Die Symbole der Blättertasten sind beim Aqua 2 besser herausgearbeitet und lassen sich leichter ertasten. Anders als bei allen anderen PocketBookreadern dient die Menütaste (rechts außen) beim Aqua 2 auch als Ein- und Ausschalter. Sie ist entsprechend beschriftet und muss 2 s lang gedrückt werden, um den Reader ein- bzw wieder auszuschalten.

Im Vergleich zum pfriemeligen Powerknopf des Vorgängers ist das Ein- und Ausschalten nun erheblich einfacher geworden. Allerdings gibts auch Nachteil, der mich stört. PocketBook hat nämlich die Möglichkeit entfernt, das Licht per langem Druck auf die Menütaste ein- oder auszuschalten. Das wäre ansich kein Problem, man kann ja die Tasten umbelegen. Denkste! PocketBook hat nicht nur die Menütaste umbelegt, sie haben auch die Möglichkeit komplett entfernt, das Licht über irgendeine Taste ein- oder auszuschalten. Ich hätte das Licht gern per doppeltem Drücken auf die Menütaste geschaltet oder über ein langes Drücken der Hometaste. Aber nichts davon ist möglich. Sad, very sad! Mehr als einmal saß ich abends mit dem dunklen Reader in der Hand ohne eine Möglichkeit, das Licht schnell mal eben einschalten zu können. Eine Abfolge von Berühungen auf dem Bildschirm geht eben nicht blind wie das Drücken eines Schalters.

Micro-USB-Anschluss auf der Unterseite des PocketBook Aqua 2

Auf der Unterseite des Gerätes gibts jetzt also nur noch den Micro-USB-Anschluss, der sich nachwievor hinter einer Gummiklappe verbirgt. Bevor der Reader mit ins oder ans Wasser genommen wird, sollte genau überprüft werden, dass die Klappe geschlossen ist.

Bildschirm und Beleuchtung

Die größte Neuerung beim Aqua 2 ist aber der beleuchte Bildschirm. PocketBook verwendet hier ein Carta-E-Ink-Display mit 212 ppi, das auch aus den preiswerteren Geräten, wie dem Touch Lux 3, bekannt ist. Nur ist es hier eben wassergeschützt. Die Gleichmäßigkeit der Beleuchtung ist nicht perfekt, mein Exemplar zeigt einen deutlichen Verlauf von rechts (etwas dunkler) nach links.

Beleuchteter Bildschirm mit leichtem Farbverlauf

Das störte mich beim Lesen weniger als vermutet. Nur wenn ich den Bildschirm betrachtet habe, statt mich ins Buch zu versenken, ist mir der Verlauf etwas unangenehm aufgefallen. Tagsüber, wenn das Umgebungslicht die Beleuchtung überstrahlt, ist vom Verlauf nichts sichtbar.

Die Schrift franzt beim Blättern verhältnismäßig schnell aus, aber das ist ein generelles Problem bei den Displays der PocketBookreader. Abhilfe schafft hier das Einstellen des kompletten Seitenrefreshs auf drei bis sechs Blättervorgänge. In der prallen Sonne, wenn sich das Display stark erhitzt, würde ich den Refresh sogar nach jedem Blättervorgang ausführen lassen, da der Bildschirm dann schon massive Geisterbilder erzeugt. Andere Hersteller schalten den Refresh in Abhängigkeit der Displaytemperatur automatisch um, bei PocketBook muss man sie eben manuell ändern. Wer es weiß, kann damit umgehen oder das Gerät komplett aus der Hand legen. Denn bei direkter Sonneneinstrahlung und hoher Umgebungstemperatur (wie die > 30 °C, die hier in letzter Zeit herrschten) heizt sich das Gerät sehr stark auf. Das ist aber natürlich nicht dem Aqua 2 anzulasten, anderen Geräten geht es genauso.

Audioausgabe

Eine weitere Neuerung ist die Audiounterstützung, die PocketBook seit einiger Zeit wieder in einige Geräte einbaut. Im Aqua 2 ist sie allerdings etwas anders ausgeführt. Hier wird ein Audiodapter mitgeliefert.

PocketBook Aqua 2 mit Audioadapter

Dieser Adapter wird mit der einen Seite in den Micro-USB-Anschluss gesteckt und mit der anderen in einen Kopfhörer. Ab jetzt kann ein x-beliebiges eBook vorgelesen werden. Allerdings ist von Haus aus auf dem Aqua 2 nur eine amerikanische Stimme installiert. Für deutsche eBooks kann die Stimme „Marlene“ installiert werden. Einfach herunterladen und die PBI-Datei auf den Reader kopieren. Danach die Datei über die Bibliothek des Gerätes aufrufen und sie installieren lassen.

Audiobeispiel

Wasserschutz

Der PocketBook Aqua 2 ist nach IP57 staub- und wassergeschützt. Das heißt, er nimmt keinen Schaden, wenn er kurz ins Wasser getaucht wird. Vorausgesetzt natürlich, die Abdeckung für den Micro-USB-Anschluss ist geschlossen. Ich habe das Gerät natürlich wieder dem Wasserbad ausgesetzt, um zu schauen, wie es den Tauchgang überlebt:

 

Wie zu sehen ist, blättert der Reader nach dem Eintauchen ins Wasser weder weiter, noch verstellt er die Schrift oder wechselt auf einen anderen Menüpunkt. Das ist sehr löblich, denn so sollte es sein.

Bedienung

Wie von PocketBook gewohnt, verfüht der Aqua 2 über die gleichen, sehr umfangreichen Möglichkeiten, eBooks auf dem Gerät zu verwalten. Wie schon oft geschrieben, verdient nur die Bibliothek bisher nur auf den Geräten Ihren Namen, da es hier die umfangreichsten Verwaltungfunktionen gibt. So lassen sich die Bücher nicht nur nach Autor, Titel, Hinzufüge- oder Lesedatum sortieren, sondern es ist auch möglich, sie nach Autoren, Genres, Sammlungen, Favoriten, Ordnern, Formaten und Reihen zu filtern. Oder nur die anzuzeigen, die in der Cloud bei PocketBook liegen (wo es übrigens möglich ist, mehr als nur eine Adobe-ID einzubinden). Die Firmware basiert übrigens auf dem gleichen Entwicklungszweig, wie die des PocketBook Touch HD, weswegen auch auf dem Aqua 2 bereits der Klappentext eines eBooks in der Buchinformation angezeigt wird.

Die eingebaute Lesesoftware bietet hingegen Standardkost. So lassen sich Schriften auswählen (vorinstallierte und ggf. nachinstallierte), Zeilen-, Randabstand und Worttrennung einstellen, die Anzeige der Seitennummerierung ein- und ausschalten und die Nummerierung selbst auf Buchseiten oder echte Seitenzahlen umstellen. Letztere berechnet nach jedem Ändern der Schriftgröße die effektive Seitenzahl neu.

Der Teufel steckt im Detail

So langsam wird es zum Running Gag, dass die neuen Geräte von PocketBook immer erst beim Kunden reifen. Manche mehr, andere weniger. Und so ist auch der Aqua 2 von Haus aus mit Fehlern behaftet, die nicht sein müssten, wenn die Qualitätskontrolle besser wäre.

Ein paar Fehler stecken beispielsweise in der internen Leseapp. So funktioniert die Menütaste dort nicht (übrigens auch nicht im Cool Reader). Bei Vergrößern der Schrift per Zoomgeste wird der Bildschirm nicht aktualisiert und die Seite bleibt weiß. Erst beim Weiterblättern wird die neue Größe angezeigt. Manchmal funktioniert die Vergrößerung sofort, dann wird aber der Seitenhintergrund bis auf die Fußzeile hellgrau eingefärbt.

Update vom 11.08.2017

Mittlerweile habe ich eine Vorabversion der nächsten Firmwareversion mit der Nummer 5.17.518 bekommen, die etliche Fehler behebt. So funktioniert die Menütaste wieder und das Zoomen funktioniert auch. Und in den Tasteneinstellungen gibts nun die Möglichkeit, das Ein- und Ausschalten der Beleuchtung auf eine Taste zu legen. Ich kann das Licht jetzt per Doppeldruck auf die Menütaste ein und wieder aus schalten.

Ein weiteres Detail, von dem ich mir nicht sicher bin, ob es es Fehler ist, steckt auf der Startseite. Dort wurde der direkte Link zum Browser gegen einen Link zu den Einstellungen eingetauscht. Damit sie die Einstellungen von der Startseite aus insgesamt dreimal erreichbar. Einmal über den getauschten Link, einmal über die obere Leiste und einmal über das Appmenü, das über die Striche am unteren Bildschirmrand aufgeklappt werden kann.

Immerhin habe ich die Rückmeldung von PocketBook, dass bald ein Firmwareupdate kommt. ;)

Cool Reader als Lese- und Handling-Alternative

Wieder einmal muss ich auf den Cool Reader als hilfreiche Alternative verweisen, um die Bedienungsmängel der Software zu umschiffen. Dort funktioniert das Vergrößern oder Verkleinern der Schrift per Zoomgeste einwandfrei. Und auch das Licht lässt sich ganz einfach per Wischgeste heller und dunkler machen. Zudem bietet das Program derart viele Möglichkeiten zum Einstellen, dass es eine wahre Freue ist. Warum die Entwickler bei PocketBook nicht mal den Cool Reader übernehmen, ist mir schleierhaft.

Ich habe auf der Übersichtsseite zum Cool Reader alle passenden Zusatzdateien auch für den Aqua 2 zusammengestellt, insbesondere die „extensions.cfg“, mit deren Hilfe das „Öffnen-mit“-Menü erscheint.


Zusammenfassung

Das könnte für den PocketBook Aqua 2 sprechen

  • Staub- und wassergeschütztes Gehäuse
  • Sehr umfangreiche eBookverwaltung
  • Weiterblättern auch mit Tasten möglich
  • Audioausgabe und eBookvorleseoption per mitgeliefertem Audioadapter
  • eBooks können in Ordnern verwaltet werden
  • PocketBook-Cloud oder Dropboxunterstützung
  • sehr umfangreich einstellbar
  • Verwendung eigener Schriften möglich
  • Lesen ist im Querformat möglich
  • Spiele vorhanden
  • Onleihe kann benutzt werden
  • eBooks können per E-Mail ans Gerät gesendet werden

Das könnte gegen den PocketBook Aqua 2 sprechen

  • Mittelmäßig ausgeleuchtetes Display
  • Keine Unterstützung von Sleepcovern
  • Keine externe Speicherkarte

Preise und Bezugsquellen

Fazit

Der PocketBook Aqua 2 ist die sanfte Weiterentwicklung des unbeleuchteten Aqua. Er ist ein solides Gerät mit Standardkomponenten, die nicht herausragend sind, aber ihre Sache gut machen. Wer keine 180 € für einen wasserdichten Reader ausgeben möchte, macht mit dem Aqua 2 nichts verkehrt und kann genausogut lesen.

Leider sind mir die Neuerung für ein seit drei Jahren nicht aktualisiertes Gerät letzlich zu wenig. Hier hätte ich mir mehr gewünscht. Wie ein besseres Display oder die längst fällige Unterstützung der Wakeup-/Sleepfunktion von Hüllen oder eine elegantere Lösung für den Lichtschalter oder eine fehlerfreiere Software. Ohne das alles erscheint mir der Aqua 2 etwas lieblos zusammengestellt.

Datenblatt anschauen


Alternativen zum PocketBook Aqua 2


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Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
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4 Kommentare

Trackback  •  Kommentarfeed

  1. Winfried Leister sagt:

    Danke für den Bericht.
    Da ich aktuell auf der Suche nach einem neuen ebookReader bin und mich der letzte Tolino doch arg enttäuscht hat (kaum was selber einstellbar), klingt dieser PocketBook doch sehr interessant für mich.
    Konkret würden mich noch folgende Punkte interessieren:
    – Kann man ein eigenes StandBy-Bild einstellen?
    – Wird das Hauptmenü von einem Shop dominiert (wie beim Tolino)?
    – sind Bilder zoombar?
    – kann ich die Zeit, bis der Reader in den StandBy wechselt, minutengenau einstellen (oder nur grob)?

    Beste Grüße,
    Winfried

    • Michael sagt:

      Kann man ein eigenes StandBy-Bild einstellen?

      ja

      Wird das Hauptmenü von einem Shop dominiert (wie beim Tolino)?

      nein, es gibt nur einen Link in den voreingestellten Shop

      sind Bilder zoombar?

      nein

      kann ich die Zeit, bis der Reader in den StandBy wechselt, minutengenau einstellen (oder nur grob)?

      Standby gibts in dem Sinne nicht, es gibt nur eine automatische Bildschirmsperre, die nach 5 oder 10 Minuten anspringt (kann man auch komplett deaktivieren). Danach schaltet sich das Gerät nach 10, 20, 30 oder 60 Minuten komplett ab. Hat zwar den Nachteil, dass es beim Einschalten etwas länger als der Tolino braucht, aber den Vorteil, dass der Reader ausgeschaltet überhaupt keinen Strom verbraucht und auch nach vielen Wochen noch voll ist, wenn er wieder eingeschaltet wird. Während ich in meinem Gerätepark alle Kindles, Tolinos oder Kobos nach ein paar Wochen Nichtnutzung wieder aufladen muss, brauche ich das bei den PocketBookgeräten nie machen.

      • Winfried Leister sagt:

        Hallo Michael. Danke für das Feedback. Das sind ja überwiegend positive Neuigkeiten für mich und ich überlege mir nun ernsthaft, den Pocketbook zuzulegen.
        Das mit den nicht-zoombaren Bildern ist aber etwas seltsam. Mein alter Sony T1 konnte noch in Bilder/Zeichnungen reinzoomen. Seitdem habe ich keinen weiteren Reader gefunden, der das auch konnte.
        Aber im allgemeinen scheint das Pocketbook eine gute Alternative zu Tolino und Kobo zu sein, welche für epub-Leser bisher das Rennen gemacht haben.

        danke :)

        • Michael sagt:

          Seitdem habe ich keinen weiteren Reader gefunden, der das auch konnte.

          Ich kenne auch keinen, der das kann.

          Aber im allgemeinen scheint das Pocketbook eine gute Alternative zu Tolino und Kobo zu sein, welche für epub-Leser bisher das Rennen gemacht haben.

          Wenn du nicht zwingend den Wasserschutz des Aqua 2 benötigst und ein paar Euro mehr ausgeben kannst, dann würde ich dir zum Touch HD raten. Dessen Display ist besser und die Tasten lassen sich leichter drücken. Ach, und eine externe Speicherkarte kannst du auch nutzen.

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