Testbericht: Kindle Voyage

  • 14. November 2014 - Aktualsiert am 30. Juli 2016
  • von Michael
  • 9 Antworten

Mit dem Voyage hat Amazon wieder einmal die Messlatte bei den eReadern hoch gehängt und dabei kräftig am Preis geschaubt. Ich schaue mir an, ob der Voyage den Aufpreis von mittlerweile 90 € zum doch schon sehr guten Paperwhite wert ist.

Kindle Voyage

Gehäuse & Material

Mit knapp 16 cm in der Höhe, 11,5 cm in der Breite und 8 mm Dicke ist der Voyage der kleinste Kindle, der derzeit zu haben ist. Die bisherigen Kindles – vom neuen Einsteigermodell mal abgesehen – waren alles keine ausgesprochenen Leichtgewichte. Mit dem Voyage geht Amazon diesmal einen anderen Weg, denn er ist mit rund 180 g  rund 30 g leichter als der Paperwhite. Das mag neben der eingesparten Gerätegröße auch dem verwendeten Magnesium als Gehäusematerial geschuldet sein. Dennoch sind Rückseite und seitliche Kanten gummiert und damit rutscht das Gerät auch ohne Hülle nicht aus der Hand.

Rückseite des Kindle Voyage

Rückseite des Kindle Voyage

Die Verwendung von Magnesium hat aber einen – vielleicht ungewollten – Effekt. Es sorgt nämlich dafür, dass sich der Voyage immer etwas kühler anfühlt, als andere Geräte mit Plastikgehäuse. In kühlen Umgebungen (z.B. im kalten Schlafzimmer oder im Freien) führt das schnell zu klammen Fingern. Abhilfe schafft hier nur eine Hülle oder das Tragen von Handschuhen.

Ergonomie

Dass die Ingeneure (oder zumindest die Produktverantwortlichen) bei Amazon offenbar auch selber mit ihren Kindles lesen, lässt sich immer gut an der Weiterentwicklung ablesen. So geht Amazon beispielsweise beim Einschalter des Voyages neue Wege. Statt ihn wie bei anderen Geräten (auch aus den eigenen Reihen) wieder an die Unterseite zu pappen, sitzt er nun auf der Rückseite. Dort lässt er sich erheblich leichter erreichen. Außerdem wird er nun nicht mehr abgeschaltet, wenn man ihn versehentlich mit dem kleinen Finger drückt, der den Reader bisweilen an der Unterseite festhält.

Anschluss

Weil der Einschalter dort jetzt weggefallen ist, befindet sich an der Unterseite jetzt nur noch der Anschluss für das mitgelieferte 2 m lange USB-Kabel mit Micro-USB-Anschluss.

Kindle Voyage: Unterseite mit Micro-USB-Anschluss

Kindle Voyage: Unterseite mit Micro-USB-Anschluss

Hier gibt es leider eine Verschlechterung, da der Ausschnitt für den Anschluss rechteckig und sehr dunkel ist. Somit lässt sich auf Anhieb nicht erkennen, wie herum der Stecker in den Reader gesteckt werden muss. Wer nur das mitgelieferte Kabel benutzt, wird hier keine Probleme haben, allerdings ist die Beschriftung auf verschiedenen Kabeln abhängig davon, wie herum die Buchse beim jeweiligen Gerät eingebaut ist. Bei meinem Nexus 7-Tablet beispielsweise ist die Buchse anders herum ins Gerät eingebaut und dementsprechend ist auch die Beschriftung auf dem Kabel umgedreht. Wer hier mit Gewalt versucht, diesen Stecker in den Voyage einzuführen, wird die Buchse leicht kaputt machen.

Hinten und …

Nochmal zurück zur Rückseite: Diese ist nun an den Kanten nicht mehr nur leicht abgerundet, sondern ziemlich stark abgeschrägt. Das ist auch mit ein Grund für das geringe Gewicht und sorgt zudem dafür, dass das Gerät angenehm in der Hand liegt. Der überwiegende Teil der Rückseite ist gummiert, nur der obere Bereich besteht aus Plasik in Klavierlackoptik. Einen praktischen Wert das sie allerdings nicht. Generell ist die Rückseite sehr anfällig für Fingerandrücke.

… vorne

Die Glasfront des Voyages schließt bündig ab, sodass sie eine komplette Fläche bildet. Das ist auch schon vom Kobo Aura oder den Visions von Tolino bekannt. Oder von ganz ordinären Tablets. Das verleiht dem Gerät ein edles Äußeres, sorgt aber auch dafür, dass jetzt die komplette Front etwas spiegelt. Beim Bildschirm fällt das nicht auf, da er hell ist, aber beim dunklen Rahmen könnte das den einen oder anderen schon etwas stören. Ist aber normal bei planen Fronten.

Innereien

Obwohl im Voyage ein mit 1 GHz um 20% schnellerer Prozessor stecken soll, ist die Bedienung nicht schneller geworden. Das ist auch kein Problem, da die Kindles generell sehr flüssig ist.

Informationen übers Gerät

Informationen übers Gerät

Der interne Speicher ist mit 3 GB genauso groß, wie beim aktuellen Paperwhite oder dem Einsteigerkindle.

Bedienung

Etwas unterhalb der Gerätemitte und rechts und links mittig vom Bildschirm befinden sich die neuen Sensortasten, mit denen in der Bibliothek, im Shop oder im Buch geblättert werden kann. Die Sensortasten befinden sich unter der Frontscheibe aus Glas und lassen sich nicht ertasten. Damit wird das Blättern im Dunklen mitunter etwas zum Geduldsspiel, besonders am Anfang und wenn man die Tasten weiter oben erwartet, als sie tatsächlich sind.

Sensortasten zum Blättern (oben: zurück; unten: weiter)

KIndle Voyage: Sensortasten zum Blättern (oben: zurück; unten: weiter)

Lediglich durch helle Markierungen sind die Blätterflächen erkennbar. Unter den längeren Streifen befindet sich jeweils die Taste zum Weiterblättern. Unter dem Punkt drüber kann zurückgeblättert werden. Damit verwendet der Voyage das gleiche Schema des alten Einsteigergerätes mit richtigen Tasten. Umsteiger müssen sich hier also nicht umgewöhnen und auch Linkshänder können bequem weiterblättern.

Um die Tasten zu betätigen, werden muss im Prinzip das Gehäuse etwas heruntergedrückt werden, unter dem sich die gewünschte Taste befindet. Das liest sich jetzt schwieriger, als es tatsächlich ist. Hintergrund ist wohl der, dass es bei Sonsortasten gern zum ungewollten Auslösen kommt, wenn sie einfach nur berührt werden. Der Tolino Vision ist es schönes Beispiel dafür. Denn dort passiert es leicht, dass man während des Lesens auf der Startseite landet, weil man unbebsichtigt auf die Menütaste gekommen ist. Durch das aktive Drücken der Tasten passiert das beim Voyage nicht. Zudem lässt sich in drei Stufen einstellen, wie stark die Sensoren gedrückt werden sollen, bis eine Reaktion erfolgt. Selbst in der leichtesten Einstellung reicht eine reine Berührung nicht aus, um die Taste auszulösen.

Damit man sich nicht nur auf das visuelle Feedback verlassen muss, ob eine Taste gedrückt wurde oder nicht, vibriert der Voyage beim Drücken im Innern etwas. Dort wird die gleiche Technik verwendet, wie beim Vibrationsalarm eines Handys, nur in sehr abgeschächter Form. Auch diese Rückmeldung lässt sich wieder in drei Stufen einstellen oder ganz abschalten. Im stärksten Modus ist es gut zu spüren. Diese Stellung wird empfohlen, falls das Gerät in eine Hülle steckt. In der leichtesten Stufe die Vibration kaum wahrnehmbar.

Wer die Tasten dennoch nicht nutzen will, kann sie in den Einstellungen des Voyages auch ganz ausschalten und weiterhin so blättern, wie dies vom Paperwhite bekannt ist: Per Tippen und/oder Wischen.

Bildschirm

Bildschirmtechnisch waren Kindles ja bisher immer ganz vorne mit dabei, auch beim etwas destaströsen Start des ersten Paperwhites. Schon immer war die Schrift dunkler als bei den meisten anderen Readern.  Auch diesmal ist es nicht anders. Obwohl die Beleuchtung wieder in Richtung kaltweiß tendiert (wie beim ersten Paperwhite), ist die Schrift auch bei maximal aufgedrehter Beleuchtung fast schwarz. Meiner Meinung nach sorgt das in erster Linie für ein sehr gut lesbares Schriftbild.

Das zweite ist die hohe Auflösung von 300 ppi, die normalen, gedruckten Büchern und Zeitschriften entspricht. Das hat man zwar schon bei älteren Geräten gesagt, aber die damalige Auflösung von 167 ppi entsprach wohl eher dem preiswerten Druck auf Recyclingpapier. Dennoch lies (und lässt) sich damit sehr gut lesen.

In meiner Wahrnehmung ist die hohe Auflösung auf dem Papier zwar schon beeindruckend, aber der erwartete Quantensprung vom Paperwhite blieb hier für mich aus, da der Bildschim des Paperwhites (und all der anderen modernen Reader mit einer Auflösung von 213 ppi) sehr gut ist. Die hohe Auflösung macht sich besonders bei kleinen Schriften und bei Serifenschriften, wie der eingebauten Baskerville und Palatino bemerkbar. Im direkten Vergleich handelt es sich jedoch nur um Nuancen. Größer fällt meines Erachtens die Beleuchtungsfarbe ins Gewicht. Während die Seite auf dem Voyage wirklich weiß ausschaut, wirkt sie beim Paperwhite immer ein wenig vergilbt.

Ausleuchtung

Wie auch schon beim ersten Paperwhite scheint auch die Einführung des Voyages bei einigen Geräten nicht so ganz glücklich zu verlaufen. So wird immer wieder berichtet, dass einige Geräte eine deutlich sichtbaren Farbverlauf in der Ausleuchtung haben. Auf meinem Gerät ist ein leichter Farbverlauf erkennbar, wenn man es fotografiert. In der Praxis fällt er mir nicht auf. Ich kann dem Voyage eine sehr gleichmäßige Beleuchtung attestieren.

Die bei beleuchteten Displays so typische Schattenbildung am unteren Bildschirmrand ist auch bei maximaler Beleuchtung fast nicht wahrnehmbar. Auch eine Wolkenbildung, wie sie bei einigen Geräten hinter dem Text und nur auf den zweiten Blick sichtbar ist, konnte ich nicht feststellen. In Sachen Ausleuchtung setzt der Voyage (sofern er keinen Farbverlauf hat, natürlich) wieder einmal Maßstäbe.

Automatisches Licht

Wie auch der PocketBook Sense, kommt auch der Voyage mit einem Helligkeitssensor, der das Umgebungslicht misst und die Helligkeit der Beleuchtung entsprechend einstellt.

Umgebungslichtsensor des Kindle Voyage

Umgebungslichtsensor des Kindle Voyage

In dunklen Räumen und hellem Sonnenlicht wird dabei die Helligkeit der Beleuchtung am Stärksten angehoben. Das macht beim Sonnenschein allerdings keinen Sinn, da die Beleuchtung auch in maximaler Stellung nicht gegen das helle Sonnenlicht ankommt. Hier müsste die Beleuchtung komplett abgeschaltet werden, was zudem stromsparender wäre. Zum Glück lässt sich diese Automatik abschalten.

Neu ist auch eine Funktion namens “Nachtlicht”, mit der die Beleuchtung nachts Schritt für Schritt noch etwas zurückgefahren wird, während sich die Augen an die herrschende Dunkelheit gewöhnen. Damit soll ein schnelles Ermüden der Augen verhindert werden. Auch diese Funktion kann in den Einstellungen deaktiviert werden.

Software

Der Voyage ist in erster Linie ein großes Hardwareupdate der Kindlereihe. Von Seiten der Bedienoberfläche hat sich nichts geändert (außer den paar Optionen für die Sensoren). Alle bekannten Funktionen aus dem Einstiegskindle und dem Paperwhite finden sie auch im Voyage.

Zusammenfassung

Das könnte für den Amazon Kindle Voyage sprechen

  • Beleuchtung
  • Sehr hohe Auflösung
  • Bedienung per Touch
  • Sensortasten zum Blättern
  • Automatische Helligkeitsanpassung der Beleuchtung
  • Pageflip-Funktion zum schnellen Vor- oder Zurückblättern ohne die aktuelle Seite aus dem Fokus zu verlieren
  • Wörterbücher enthalten
  • Gerät kann gegen fremden Zugriff gesperrt werden
  • eBooks landen per WLAN auf dem Gerät
  • Funktioniert auch im ZipLock-Beutel
  • einfache Shopanbindung
  • Gibts auch mit Mobilfunkkarte, um unterwegs eBooks zu kaufen, auch wenn kein WLAN zur Verfügung steht

Das könnte gegen den Amazon Kindle Voyage sprechen

  • Enge Bindung am Amazon
  • Beleuchtung nicht per Taste ausschaltbar
  • eBooks im EPUB-Format können ohne Hilfsmittel nicht dargestellt werden
  • Keine Unterstützung der eBooks aus der Onleihe
  • Hoher Preis

Preise & Bezugsquellen

Fazit

Trotz der guten Hardware will bei mir nicht so ganz der Funke überspringen. Das Display ist sehr gut und über lang oder kurz werden die anderen Hersteller auch hier nachziehen, dennoch ist mir der Qualitätssprung von der dem 213 ppi des Paperwhites zu den 300 ppi nicht hoch genug, als das ich dafür mittlerweile fast das Doppelte des Preises meines geliebten Paperwhites ausgeben möchte. Beim gleichzeitigen Lesen eines Buches mit dem Einstiegskindle, dem Paperwhite und dem Voyage ist mir aufgefallen, dass es mir weniger auf die Auflösung ankommt, als auf die erzählte Geschichte. Und in die kann ich mich auch auch auf 213 ppi-Displays vertiefen. Außerdem werde ich mit den Sensortasten nicht so richtig warm, weil ich nicht fühlen kann, an welcher Stelle sie sich nun genau befinden.

Dennoch ist der Voyage ist zweifelsohne ein tolles Gerät, der durch seine Hardware höchste Ansprüche befriedigen kann. Durch das neue Gehäusedesign (das mir gut gefällt) schließt sich Amazon dem momentanen Trend nach kleinen und leichten Geräten an. Auch bildschimtechnisch setzt Amazon auf auf das beste Display, das es derzeit gibt und dessen Kontingent vermutlich wiedermal komplett von Amazon gekauft wurde, damit es andere Hersteller erst später verbauen können. Und auch die Sensortasten sind ein weiterer Meilenstein, der sich demnächst sicher auch in anderen Geräten (nicht nur eReadern) wiederfinden wird. Wer also etwas Edles sucht und sich nur das Beste gönnen will, ist beim Voyage vollkommen richtig.

Datenblatt anzeigen


Alternativen zum Amazon Kindle Voyage


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Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
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9 Kommentare

Trackback  •  Kommentarfeed

  1. Achim sagt:

    Hallo Michael,
    mit der “engen” Bindung vom Kindle Reader liegst Du falsch. Ich verwalte alle meine ebooks über das Programm Calibre von mehreren Bibliotheken oder sogar von gescannten alten Büchern. Somit bin ich NICHT auf amazon angewiesen. Selbst mit einem amazon Konto kann ich dann meine Bibliothek via Whispernet von amazon auf meinen Kindle per WLAN laden. Somti sind auch die anderen ebookt von Thalia und Co genauso gebunden ???
    Mit ein bißchen Mühe kann ich alle ebooks damit verwalten. Ich bekomme von meiner städtischen Bibliothek bereits online mein mobi oder eine anderes Format…
    Gruß
    Achim

    • Du bist dir aber schon im Klaren, dass das Umgehen eines Kopierschutzes nicht ganz legal ist? Das ist auch der Grund, warum ich das hier nicht so breit trete, denn ich stecke meine Energie lieber in Artikel als in gerichtliche Auseinandersetzungen. ;)

  2. Yolanda sagt:

    Zitat zum Helligkeitssensor:
    “In dunklen Räumen und hellem Sonnenlicht wird dabei die Helligkeit der Beleuchtung am Stärksten angehoben.”
    Ist da etwas durcheinander gekommen oder ist der Helligkeitssensor defekt? Bei meinem Kindle Voyage wird die Beleuchtung in dunklen Räumen perfekt heruntergeregelt und bei Sonnenschein im Freien ganz abgeschaltet. Meines Erachtens arbeitet die Helligkeitsregelung bestens, sodaß sich eine mögliche manuelle Korrektur der Automatik erübrigt.

  3. Garti sagt:

    Kannst Du schon was zur Akkulaufzeit im Vergleich mit z.B. dem Paperwhite sagen?

    • Nee, ich musste meinen Voyage schon wieder zurückschicken. Aber die ct hat ja letztens die Geräte getestet und schreibt, dass der Voyage knapp 74 h ohne (Paperwhite: 103 h) und knapp 23 h mit Beleuchtung (Paperwhite: knapp 25 h) hält. Die ct hat alle 30s einen Blättervorgang ausgelöst und die Beleuchtung auch nicht aufs Maximum gestellt.

  4. Helge sagt:

    Endlich finde ich im Netz mal einen E-Reader Testbericht der auf die Tasten eingeht! Sonst steht da immer nur “dieser Reader hat ein 300dpi Screen und WLAN…” (gähn..)
    Meine Frau wurde mit dem ungewolltem Umblättern beim 1.Tolino nie glücklich. Das scheint bei den Kindle Geräten wohl doch besser gelöst zu sein?

  5. Thobias sagt:

    Wie immer, eine gelungene Rezension – vielen Dank!
    Ich möchte mir gerade einen Voyage zulegen, suche daher eine kurze definitive Bestätigung:

    Kann ich die Hintergrundbeleuchtung (komplett) ausschalten oder geht das nicht?

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