eBooks vorlesen lassen – So geht´s!

  • 9. April 2017 - Aktualsiert am 22. April 2017
  • von Michael
  • 1 Antwort

Trotz eines riesigen Hörbuchmarktes gibt es durchaus Gründe, sich eBooks von einer Computerstimme vorlesen zu lassen. Sei es, um einfach mal abzuschalten, aber nichts vom Buch zu verpassen oder um Fremdsprachen zu lernen. Auch für Menschen mit Sehbehinderungen sind Sprachsynthesen eine gute Möglichkeit, in die Welt der Bücher zu tauchen, ohne auf die Umsetzung als Hörbuch zu warten.

Systeme zur Sprachsynthese haben in den letzten Jahren einen enormen Sprung in der Verständlichkeit gemacht, sodass sie manchmal nicht von menschlichen Sprechern zu unterscheiden sind. Außerdem finden sie sich in jedem Smartphone und mittlerweile auch auf fast jedem Rechner. Daher fand ich es Zeit für eine Übersicht, mit welchen Geräten und Programmen derzeit eBooks vorgelesen werden können.

Vorbemerkung

Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, habe ich alle nachfolgend vorgestellten Systeme ein paar Sätze aus dem Buch “Bis zum Nullpunkt des Seins” von Kurd Laßwitz vorlesen lassen und dies direkt am Audioausgang der Geräte mit einem Audiorecorder aufgenommen. Einzig das Beispiel der Sprachausgabe von Windows habe ich mit Balabolka erzeugt. In jedem Abschnitt habe ich ein Hörbeispiel verlinkt, wer die verschiedenen Systeme direkt vergleichen möchte, kann auch auf die zweite Seite dieses Artikels blättern. Dort steht auch der gesprochene Text zum Mitlesen.

eBook-Reader vorlesen lassen

Sprachausgabe am PocketBook Touch HD

Bei den reinen eBook-Lesegeräten haben derzeit nur zwei Geräte von PocketBook eine Sprachsynthese eingebaut, nämlich der PocketBook Touch HD und sein größerer Bruder InkPad 2.

PocketBook setzt dabei auf die Stimmen von IVONA, einer ursprünglich polnischen Firma für Sprachsynthese, die Anfang 2013 von Amazon übernommen wurde. Standardmäßig ist auf den Geräten nur eine männliche deutsche Stimme (Hans) installiert, es gibt aber mit Marlene auch eine weibliche. Im Stimmenvergleich unten habe ich diese genutzt.

Vorlesebeispiel des PocketBook Touch HD


Kindle vorlesen lassen

Mit der im letzten Jahr eingeführten VoiceView-Technik war es bisher nur Kindles mit englischen Spracheinstellungen vorbehalten, eBooks vorzulesen. Für deutsche eBooks gab es das nicht, auch wenn sich das viele Leser gewünscht hatten.

Seit Mitte März 2017 nun können auch eBooks von den Echolautsprechern (Echo und Echo Dot) vorgelesen werden. Diese eBooks müssen bei Amazon gekauft worden sein und sich in der eigenen Kindlebibliothek befinden. Leider lassen sich keine per Whispersync hochgeladenenen Dokumente vorlesen, womit das Vorlesen von Webartikeln ausfällt.

Damit Alexa ein Kindle-eBook vorlesen kann, muss dieses den Vorlesemodus unterstützen. Ob es das kann, steht in der jeweiligen Produktinformation:

Produktinformation eines Kindle-eBooks, das durch Alexa vorgelesen werden kann

Sobald der Echo-Lautsprecher eingerichtet wurde, kann das gewünschte Buch ganz einfach mit “Alexa, lies [Buchtitel]” vorgelesen werden. Es reicht bisweilen auch aus, nur Teile des Buchtitels zu sagen. Insgesamt muss man bei der Ansprache aber sehr deutlich sprechen und englischsprachige Titel erkennt Alexa nicht immer. Wer keine Lust hat, sich den Mund fusselig zu reden, kann die Sprachausgabe auch über die auf Smartphone oder Tablet installierte Alexa-App starten. Um ein gestopptes Buch weiterzulesen, reicht der einfache Befehl “Alexa, lies weiter” oder “Alexa, fortsetzen”. Die komplette Liste von Lesebefehlen, die Alexa versteht, gibts hier.

Übrigens, wer Bedenken hat, dass Amazon, die NSA oder sonstwer die Umgebung belauscht, wenn ein Echolautsprecher im Einsatz ist: Hier kann ich Entwarnung geben. Laut meinen Messungen des Datenströme mit der Fritzbox und der Auswertung per Wireshark überträgt der Lautsprecher Daten verschlüsselt zu Amazons Server, nachdem er das Aktivierungswort erkannt hat. Ist der Lautsprecher still, wird auch nichts übertragen. Und wer will, kann auch seinen Verlauf löschen lassen.

Vorlesebeispiel des Amazon Echo Dot


Androidtablets und -smartphones vorlesen lassen

Auf allen Smartphones und Tablets, die mit Android laufen , ist die Sprachsynthese von Google installiert, die ganz ok klingt. Samsunggeräte haben ihre eigene Stimme, die sich etwas von der Googlestimme unterscheidet (siehe den Vergleich auf Seite 2). Wer mag, kann auch weitere Sprachsynthesen mit anderen Stimmen installieren. Dazu im Playstore nach TTS (Text-to-speech) suchen. Meist kosten die Stimmen ein paar Euro. Wirklich besser als die Googlestimmen sind sie meist nicht.

Auf eReadern mit Android ist meist keine Sprachsynthese vorinstalliert. Sie kann dann nachinstalliert werden (Google Text-in-Sprache). Auf Readern ohne Playstore ist es bisweilen schwierig die Googlestimmen zu installieren, da auch der Rest der Googletools fehlt. Auf dem InkBook Prime habe ich es leider nicht hinbekommen.

Sprachausgabe mit Moon+ Reader Pro auf einem Galaxy Tab S2

Nicht alle eReaderapps unterstützen die Sprachausgabe, daher nachfolgend eine unvollständige Liste einiger Apps, die es können. Nicht alle können auch eBooks mit Adobe-DRM öffnen, die auch eBooks aus der Onleihe vorlesen können:

AppPreisDRM-Unterstützung?Anmerkung
Aldiko Premium5,49 €
AlReader--
Bookari4,99 €
Cool Reader--
FBReader--Sprachausgabe nur mit Plugin
Google Play Books--
Moon+ Reader Pro5,49 €-
PocketBook-

Vorlesebeispiel eines Androidgerätes


iPads und iPhones vorlesen lassen

Sprachausgabe mit Marvin 3 auf einem iPad Mini

Auf dem iPhone oder iPad wird die Sprachsynthese von Siri benutzt, um eBooks vorlesen zu lassen. Allerdings funktioniert das nicht über Siri direkt, sondern nur aus den entsprechenden Leseapps heraus. Nachfolgend eine unvollständige Liste einiger eReaderapps, die eBooks vorlesen können (auch hier ist die Unterstützung von eBooks mit Adobe-DRM eher mau):

AppPreisDRM-Unterstützung?Anmerkung
Bookari4,99 €
Marvin 34,99 €-
Total Reader4,99 €-

Vorlesebeispiel eines iPads


Windowstablets und -PCs vorlesen lassen

Unter Windows erleichtert das Programm Balabolka, das ich schon mal vorgestellt habe, das Vorlesen von eBooks sehr. Nicht nur, dass es EPUB-Dateien direkt unterstützt: Es kann komplette eBooks auch als Audiodatei speichern. Dabei greift es auf die Heddastimme von Microsoft zurück, aber es kann auch Googles Sprachausgabe nutzen.

Sprachausgabe in Balabolka auf Windows

Ausgerechnet unter Windows ist es nicht möglich, eBooks, die per Adobe-DRM kopiergeschützt sind, vorlesen zu lassen. Auch mit der Sprachausgabe, die auf jedem Windows installiert ist, funktioniert es nicht.

Vorlesebeispiel eines Windowsgerätes


Welche Sprachsynthese findest du am Besten?

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Vorlesemöglichkeiten im Einzelnen
  2. Direkter Vergleich der Systeme

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Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
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1 Kommentar

Trackback  •  Kommentarfeed

  1. Klaus sagt:

    Es ist schon teilweise gruselig was diese Sprachautomaten aus der Deitschen Sprache machen. Es ist zugegebener Maßen eine Erleichterung für Sehbehinderte. Ich schätze jedoch das diese Applikation eher bei einer Klientel Anklang finden wird die ohnehin ihre liebe Mühe mit der Deutschen Sprache in Schriftform hat. Warum sich der Anstrengung des mühsamen Erlernens von Fähigkeiten unterziehen wenn man die Zeit auch streßfrei auf dem Sofa verbringen kann und der digitale Vorleseknecht einem das schwer zu entziffernde auf dem Silbertablett serviert. Obendrein kann nach Verstreichen der mehr oder minder kurzen Aufmerksamkeitsspanne auch noch der Pausenknopf gedrückt werden. Zeit für den Gang zum Kühlschrank oder anderer Ziele. Na dann mal ” Prost ” !

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