Testbericht: Icarus Illumina XL

Allmählich erhöht sich die Auswahl an reinen eBooklesegeräten mit einem größeren Bildschirm jenseits des 6″-Standardformats. Neben dem Inkpad von PocketBook gibts mit dem Icarus Illumina XL nun einen weiteren Reader mit einem 8″ großen Display. Ich habe mir das Gerät mal genauer angeschaut.

Icarus Illumina XL

Gehäuse und Verarbeitung

Das knapp 20 cm hohe und 14 cm breite Gerät ist mit 275 g verhältnismäßig leicht. Der Bildschirm mit einer Diagonale von rund 20 cm nimmt fast die gesamte Front des Gerätes ein, lediglich ein Rand mit ein bis zwei Zentimeter bleibt zum Ablegen des Daumens. Im Gegensatz zu fast allen anderen eReadern befinden sich Powerknopf, Anschlüsse und Einschub für die externe Speicherkarte an der Oberseite des Gerätes. Dadurch lässt sich das Gerät mit dem Zeigefinder der rechten Hand sehr angenehm ein- und ausschalten. Das Gefummel mit dem Schalter an der Unterseite des Gerätes entfällt also hier.

Icarus-Ilumina-XL-Anschluesse

Anschlüsse an der Oberseite

Die Rückseite ist an den umlaufenden Kanten leicht abgeflacht, weswegen das Gerät sehr angenehm in der Hand liegt. Nachteilig ist allerdings, dass dadurch der USB-Anschluss etwas tiefer im Gehäuse sitzt. Dadurch sitzt der USB-Stecker nicht wirklich fest in der Buchse. Eine wackelige Angelegenheit.

Unterhalb des Bildschirms befindet sich auf der Vorderseite noch der Homeknopf, mit dem jederzeit zurück zur Startseite gewechselt werden kann. Die Verarbeitung des Gerätes ist gut, nicht knarzt oder knackt.

Homebutton

Homebutton

Bildschirm

Kernstück eines jeden eReaders ist der Bildschirm, der hier eine Bildschirmdiagonale von rund 20 cm besitzt. Das entspricht 8″ und damit ist der Illumnia HD ein direkter Konkurrent zum Inkpad von PocketBook. Im Unterschied zu diesem verbaut Icarus allerdings ein technisch schlechteres Display mit einer geringeren Auflösung. Nun bin ich generell der Meinung, dass eine Auflösung von 160 ppi (Punkte pro Inch) beim Lesen völlig ausreicht, wenn der Kontrast der Schrift zum Hintergrund hoch genug ist. Und dieser auch bei eingeschalteter Beleuchtung beibehalten wird.

Und hier patzt das Display auf zweierlei Weise: Zum einen ist der Schwarzwert der Schrift schon im unbeleuchteten Zustand etwas geringer, als bei anderen aktuellen Bildschirmen. Anders als bei anderen Geräten vermag es die Beleuchtung zudem auch nicht heraus reißen, denn sie beleuchtet den Bildschirm unregelmäßig und hat eine zu geringe Maximalhelligkeit. So macht das Lesen auf dem Illumina XL nur unbeleuchtet wirklich Spaß, bei Beleuchtung verfliegt dieser schnell. Etwas besser wird es, wenn man auf nachinstallierte Schriften zurückgreift.

Auf den folgenden Bildern illustriere ich die Unterschiede mit und ohne Beleuchtung einerseits mit einer vorinstallierten Serifenschrift und dann nochmal mit nachinstallierter Bookerly:

Schriftbild verbessern
Um die Lesbarkeit zu verbessern, können auf dem Illumina XL zusätzliche Schriften installiert werden. Diese werden dabei einfach ins Verzeichnis „fonts“ auf dem internen Speicher kopiert und stehen dann an vorderster Stelle in der Schriftauswahl zur Verfügung. Alternative Leseapps verwenden die so installierten Schriften auch. Angenehm lesen lässt es sich beispielsweise mit der Amaranth oder auch mit der Bookerly.

Software

Der Illumina HD wird mit Android 4.2.2 ausgeliefert, mit dem es möglich ist, herkömmliche Androidapps ohne Root zu installieren. Der Playstore von Google ist allerdings nicht vorinstalliert und ich habe ihn auch nicht zum Laufen bekommen, ebensowenig wie die aktuelle Version der Kindleapp. Allerdings lässt sich der alternative Appstore „F-Droid“ installieren oder die Apps per sogenanntem „Sideloading“ über beispielsweise Raccoon installieren.

eBooks lesen

Als Lesesoftware für eBooks wird auch auf dem Illumina XL standardmäßig der AdobeViewer verwendet. Alternativ lässt sich in den Einstellungen der FBReader auswählen. Leider unterstützt das Gerät nicht die Wahl von zusätzlich installierten eReaderapps wie CoolReader, PocketBook oder anderen. Diese lassen sich allerdings jederzeit über das Appmenü starten.

Der AdobeViewer unterstützt gängige Funktionen, wie das Ändern der Schriftart und -größe, des Zeilen- und Randabstandes und der Einstellung wie groß die Fortschrittsleiste am unteren Bildschirmrand angezeigt wird. Die Schriftliste ist zwar ziemlich lang, umfasst allerdings insgesamt nur eine Handvoll Schriftarten in unterschiedlicher Auprägung.

Hin- und wieder hatte die Software allerdings Probleme, eBooks mit dem AdobeViewer zu öffnen. Nach dem zweiten oder dritten Versuch gings manchmal, aber nicht immer. Durch die Möglichkeit der alternativen Leseapps fand ich das aber nicht wirklich ärgerlich.

Markieren und Nachschlagen

Einzelne Wörter oder Textpassagen lassen sich markieren und mit Anmerkungen versehen. Außerdem können sie auch über die Zwischenablage in andere Apps kopiert werden. Das Auswählen des gewünschten Wortes klappt allerdings nicht immer gleich gut. Während der Auswahl in einem PDF kein Problem darstellte, gelang sie im EPUB-Dokument fast nie. Der Illumnia XL wird ohne Wörterbücher ausgeliefert. Er unterstützt allerdings welche im Stardict-Format. Die deutschen Wörterbücher können hier heruntergeladen werden, Übersetzungswörterbücher aus anderen Sprachen ins Deutsche gibt es hier. Nach dem Entpacken müssen sie ins Verzeichnis „Dict“ im Hauptverzeichnis des internen Speichers kopiert werden. Falls das nicht extiert, einfach anlegen. Danach stehen sie in EPUB- und PDF-Dokumenten zur Verfügung.

Sonstiges

Als einer der wenigen Geräte kann der Illumina XL auch Musik abspielen. In Ermangelung von Lautstärketasten am Gerät selber brüllt sie allerdings immer mit Maximallautstärke in den angeschlossenen Kopfhörer. Bücher lassen sich in der Bibliothek nur in Ordner sortieren, weitergehende Sortiermöglichkeiten nach Genres, Sammlungen, etc. fehlen aber. Wer seine eBooks gut sortieren möchte, weicht am besten auf eine externe Leseapp mit angeschlossener Bibliothek aus.

Zusammenfassung

Das könnte für den Icarus Illumina XL sprechen

  • Einschub für Micro-SD-Karte
  • Bedienung per Berührung
  • Unterstützt eBooks aus der Onleihe
  • Verwendung eigener Schriften möglich
  • Lesen ist im Querformat möglich
  • Spielt Musik und Hörbücher ab
  • eBooks können in Ordnern verwaltet werden

Das könnte gegen den Icarus Illumina XL sprechen

  • Beleuchtung wolkig
  • Blasses Schriftbild mit den vorinstallierten Schriften
  • Keine Lautstärketasten

Preise & Bezugsquellen

Fazit

Der Icarus Illumina hat bei mir gemischte Gefühle hinterlassen. Einerseits ist das Gerät wirklich hübsch, liegt sehr angenehm in der Hand und der große Bildschirm kommt einem Buch von der Größe und der dargestellten Textmenge wirklich entgegen. Die Software ist grundlegend ok, nicht überragend, aber auch nicht wirklich schlecht. Schön ist, dass man Androidapps installieren kann, um damit die Mankos der Bibliothek- und Lesesoftware auszugleichen.

Der Bildschirm hat mich allerdings nicht wirklich überzeugt. Ohne Beleuchtung ist das Lesen noch ok, bei eingeschalteter Beleuchtung aber zu blass. Etwas ausgleichen kann man das, indem man fettere Schriften installiert und die Schriftgröße erhöht.

Wer generell größere Schriften bevorzugt, könnte mit dem Illumina XL dennoch glücklich werden.

Datenblatt anschauen


Alternativen zum Icarus Illumina XL

 


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Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
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