Papierbücher mit Calibre verwalten

  • - Aktualsiert am
  • von Michael Sonntag
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Mit Calibre können nicht nur eBooks verwaltet werden, sondern es eignet sich auch hervorragend für Papierbibliotheken. Sei es, um einfach mal zu sehen, wieviele Bücher man eigentlich hat oder auch um halb vergessene Schätze wieder neu zu entdecken. Auch wer seine Bücher gern verleiht, kann Calibre so konfigurieren, dass jederzeit klar ist, wer seit wann welches Buch hat. Wie das geht und was man dafür braucht, möchte ich in diesem Artikel zeigen.

Datenbank erstellen

Als erstes erstelle ich eine neue Datenbank, denn ich möchte meine Papierbücher von den eBooks auch räumlich trennen. Dazu rufe ich zunächst “Bibliothek | Bibliothek wechseln/neu erstellen …” auf. Im folgenden Dialog wähle ich ein passendes Verzeichnis, in dem Calibre die Metadaten der Bücher ablegen soll. Außerdem achte ich darauf, dass “Erstelle eine leere Bibliothek am neuen Ort” angewählt ist:

Calibre_neue_Bibliothek_anlegen

Nach dem Klicken auf OK ist die Bibliothek angelegt und leer und ich kann nun meine Bücher einpflegen

Bücher hinzufügen

Die einfachste Möglichkeit, Bücher der Calibrebibliothek hinzuzufügen, ist, sie über die ISBN zu erfassen. Dazu rufe ich den Menüpunkt “Bücher hinzufügen | Von ISBN hinzufügen” auf, der mir einen Dialog anzeigt, in dem ich pro Zeile eine ISBN eintragen kann.

calibre_buecher_nach_isbn

Anfangs habe ich die Bücher noch aus dem Regal geholt und sie in Zehnerpacks auf dem Schreibtisch deponiert, um die ISBN abzutippen. Später bin ich dazu übergegangen, die Nummern einzuscannen.

Um mehrere ISBNs maschinell zu erfassen, braucht man heutzutage ein Smartphone oder Tablet mit Kamera und eine passende App dazu. Mit CLZ Barry welches für Android und iOS verfügbar ist, kann man sich in kurzer Zeit durch das eigene Bücherregal scannen. Solange man in Reichweite des eigenen WLANs ist, werden die einzelnen ISBN direkt in obigen Dialog eingefügt, ansonsten können sie auch später vom Telefon heruntergeladen werden.

CLZ Barry ist mit rund 6 € für eine App nicht gerade preiswert, allerdings immer noch günstiger als ein reiner Handscanner. Gerade bei hunderten Büchern macht sich die App dann schon bezahlt.

Nach Bestätigung des Dialogs mit OK fängt Calibre jetzt an und holt sich die entsprechenden Titel, Autoren, Genres, Cover usw. aus dem Internet und hinterlegt sie jeweils als eigenen Eintrag in der Datenbank. Wird ein Buch nicht gefunden, gibt Calibre eine Meldung mit der passenden ISBN aus.

Metadaten anpassen

Nachdem die Bücher in Calibre angekommen sind, gehts ans Finetuning. Bei einigen Büchern passt vielleicht das Cover nicht, weil Calibre eine andere Version heruntergeladen hat oder andere Daten stimmen nicht. Dann muss ich die Metadaten nacharbeiten. Bevor ich aber damit anfange, muss ich noch ein paar Vorarbeiten erledigen, denn ich möchte die Metadaten pro Buch im Idealfall nur einmal anfassen.

Layout des Metdaten-Editors

Ich habe gern alle Metadaten auf einer Seite, also überprüfe ich in den Einstellungen unter “Verhalten“, ob das Layout für die Einzelansicht des Metadateneditors auf “Alles auf einem Tab” eingestellt ist:

calibre_layout_metadaten

Metadaten per Doppelklick bearbeiten

Da Calibre in einer Bibliothek, die auf Papierbüchern basiert, nichts zum Anzeigen des Buchinhaltes hat, sollte es so eingestellt werden, dass sich der Metadateneditor öffnet, wenn per Doppelklick auf ein Buch geklickt wird. In den Einstellungen unter “Kniffe” muss links bei “Verhalten der Bücherliste kontrollieren” die Zeile

doubleclick_on_library_view = 'open_viewer'

in

doubleclick_on_library_view = 'edit_metadata'

geändert werden.

Zusätzliche Spalten anlegen

Ich habe in meiner privaten Bibliothek nicht nur Romane, sondern auch Sach-, Fach- und Kochbücher. Um diese später auseinander halten zu können, brauche ich eine entsprechende Spalte. Also lege ich mir über “Einstellungen | Eigene Spalten” eine Spalte namens “booktype” an:

calibre_spalte_booktype

Eigene Spalte: “booktype” zur Unterscheidung zwischen Belletristik und Sachbüchern

Außerdem brauche ich noch eine Spalte, über die ich festlegen kann, ob ich das Buch schon gelesen habe:

calibre_spalte_gelesen

Eigene Spalte: Buch gelesen oder nicht

Und zum Schluss möchte ich noch verfolgen können, wann und an wen ich meine Bücher verliehen habe. Dazu brauche ich zwei Spalten. Eine, die das Verleihdatum enthält:

calibre_spalte_verliehen_datum

Eigene Spalte: Verleihdatum

Und eine für die Person, an die das Buch verliehen wurde:

calibre_spalte_verliehen_an

Eigene Spalte: Verliehen an

Nachdem ich die Spalten angelegt habe, verlangt Calibre einen Neustart, den ich ihm natürlich gewähre.

Metadaten bearbeiten – Buchtyp bestimmen

Als erstes möchte ich den Buchtyp bestimmen. Also markiere ich alle Bücher, die Belletristik enthalten. Mit gedrückt gehaltener [Strg]-Taste kann ich auch Bücher zwischen anderen auswählen. Danach wähle ich “Metadaten bearbeiten” um die markieren Büchern jetzt erstmal bei Belletristik einzusortieren.

Immer, wenn mehr als ein Buch markiert ist, wird der Dialog zum Bearbeiten von mehreren Dateien geöffnet, wenn man auf das Symbol für “Metadaten bearbeiten” klickt. Ist nur ein Buch gewählt, öffnet sich der andere Dialog, in dem man nur die Metadaten des gewählten Buches bearbeiten kann.

Über die Registerkarte “Benutzerdefinierte Metadaten” kann ich bei “Typ” nun “Belletristik” wählen, um die Bücher entsprechend einzuordnen. Mit OK werden die Änderungen gespeichert, was etwas dauern kann.

Ich wiederhole die Schritte auch nochmal für die anderen Buchtypen.

Generelle Metadaten bearbeiten

Jetzt bin ich soweit, um die Metadaten der einzelnen Bücher zu bearbeiten. Dazu wähle ich das erste Buch in der Liste, klicke wieder “Metadaten bearbeiten” an und schaue nun, ob ich etwas ändern muss.

calibre_einzelmetdaten

Meist beschränken sich die Änderungen auf die Korrektur der Schlagwörter, des Verlags und des Veröffentlichungsdatums.

Wenn es kein passendes Coverbild gibt oder eins, das zu schlecht ist, scanne ich es kurzerhand ein. Gute Erfahrungen habe ich mit meinem mittlerweile 3 Jahre altem Epson Perfection V30 gemacht, der mich (im Gegensatz zu verschiedenen Canon Lide-Scannern) noch nie im Stich gelassen hat. Leider gibts ihn nicht mehr, sondern nur noch dessen Nachnachfolger Epson Perfection V37, der preislich aber im gleichen Rahmen liegt.

Nachdem ich die Metadaten eines Buches fertig habe, schalte ich per “Nächste” zum nächsten Buch, mache dort meine Änderungen und klicke wieder weiter. Solange, bis ich fertig bin oder keine Lust mehr habe. ;)

Abschlussarbeiten

Nachdem ich mit allen Büchern durch bin, kann ich mich um die Feinheiten der Bibliothek kümmern.

Buchtyp als virtuelle Bibliothek anzeigen

Damit ich die verschiendenen Buchtypen auseinander halten kann, lege ich mir pro Typ eine virtuelle Bibliothek an, auf die ich per Registerkarte zugreifen kann. Wie das mit den virtuellen Bibliotheken funktioniert, habe ich in diesem Artikel schonmal beschrieben. Das Suchmuster für meine Buchtypen lautet so:

#booktype:"=Belletristik"

Das bekommt am heraus, indem man links im Schlagwortbrowser einfach mal den entsprechenden Buchtyp anklickt.

Verliehene Bücher hervorheben

Um immer gleich sehen zu können, welche Bücher verliehen sind, können sie in der Listenanzeige mit einer Farbe hervor gehoben werden. Dazu muss in den Einstellungen bei “Erscheinungsbild” auf der Registerkarte “Spaltenfarbe” eine entsprechende Regel angelegt werden. Meine Regel lautet so:

calibre_regel_verliehen

Färbe alle Spalten rot, wenn die Spalte “Verliehen am” gesetzt ist (einen Wert enthält)

Leider werden die entsprechenden Bücher nur in der Listenansicht, nicht aber in der Coverdarstellung rot angezeigt.




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Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
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13 Kommentare

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  1. Willi Winzig sagt:

    Hallo Micha,

    das ist jetzt aber wieder mal eine Ansage! Nicht, dass ich meine Papierbücher mit Calibre unbedingt verwalten muss, nein, der Tipp mit CLZ-Barry ist Gold wert! Das hilft mir sehr weiter und läuft sogar auf meinem Uralt-Smartphone mit Android 2.1 ohne Probleme. Vielen herzlichen Dank dafür! (Ich hab’s sogar ohne Hilfe zum Laufen bekommen.

  2. LiRum sagt:

    Moin,
    ich bin erst am Anfang vom eBook Thema.
    Den Hinweis zu CLZ-Barry finde ich sehr gut. Gibt es so eine App auch in Deutsch?
    Gruß LiRum

  3. LiRum sagt:

    Moin,

    ich habe eine App ScanPet gefunden. Leider bekomme ich die VNC-Verbindung nicht hin.
    Hast Du neben der App auch noch einen VNC-Clint installiert?
    Gruß LiRum

  4. Leja sagt:

    Gibt’s noch ein anderes empfehlenswertes Scan-App. 7€ sind mir nämlich zu teuer.

  5. Monika sagt:

    Hallo Michael,
    warum legst Du für Papierbücher eine neue Bibliothek an? Hat man dann nicht das Problem
    (gerade bei Serien), dass man den Überblick verliert, wenn man zum Teil ebooks und zum Teil Papierbücher hat?

    • Prinzipiell kann man natürlich Papierbücher und eBooks zusammen in eine Bibliothek packen. Mir ist es in zwei verschiedenen Datenbanken einfach übersichtlicher. Ich habe aber auch keine formübergreifenden Serien.

  6. Angelbn2008 sagt:

    Hallo,damit ich mir die Bücher nicht doppelt anschaffe, möchte ich lieber alles in einer Bibliothek haben. Deshalb habe ich mir eine Spalte angelegt mit dem Namen "Medientyp".  Hier kann ich dann eintragen, ob es sich um ein Printexemplar handelt oder ein eBook. Außerdem habe ich die Möglichkeit nun auch zu verzeichnen, ob ich einen Titel ebenfalls als Hörbuch oder Film noch besitze. So sehe ich alles auf einen Blick (Bsp.: eBook, Hörbuch, Film). Printexemplare schmeiße ich raus, sobald ich sie als eBook habe. Schafft Platz :-)

  7. Müller sagt:

    Hallo,

    wie bekomme ich eine einfache, alphabetisch sortierte Liste aller meiner in Calibre erfassten Bücher? Oder eine Synchronisation mit eine iOS App?

    Herzliche Grüße

    Michael

    • Michael sagt:

      wie bekomme ich eine einfache, alphabetisch sortierte Liste aller meiner in Calibre erfassten Bücher?

      Alle Bücher markieren, dann rechtsklick und “Bücher konvertieren > Katalog der Bücher in Ihrer Calibre-Bibliothek erstellen” wählen. Dort dann bei Katalogformat “CSV” wählen und ggf. auf der Registerkarte “CSV/XML-Optionen” die zu exportierenden Felder auswählen. Mit “OK” geht die Erstellung der Liste dann los.

      • Müller sagt:

        Danke. Das ging ja schnell. Ich habe es auch gleich ausprobiert und für einen Tipp geschrieben:

        Wie bekomme ich eine einfache, alphabetisch sortierte Liste aller meiner in Calibre erfassten Bücher?

        In Calibre alle Bücher markieren, dann rechtsklick und „Bücher konvertieren > Katalog der Bücher in Ihrer Calibre-Bibliothek erstellen“ wählen. Dort dann bei Katalogformat „CSV“ wählen und ggf. auf der Registerkarte „CSV/XML-Optionen“ die zu exportierenden Felder auswählen. Mit „OK“ geht die Erstellung der Liste dann los.

        In Excel die Spalte A kopieren, nach Word übertragen, die Word Spalte markieren und in Text konvertieren, danach alles markieren und wieder in eine Tabelle konvertieren (Trennzeichen Komma); bei Bedarf in Word oder Excel formatieren

        Also vielen Dank und noch einen schönen Sonntag.

        Michael

  8. Wolfgang Thiel sagt:

    Lieber Michael Sonntag,
    gibt es inzwischen etwas Besseres als Calibre?
    CLZ Barry wünscht eine eigene Software.
    Wie muss ich mir Calibre vorstellen ist das eine Art Maske, die dann über excel liegt?

    Wie Sie merken, stehe ich mit meinem Bibliotheksprojet ziemlich am Anfang. Ausgestattet mit iPhone SE, iPad Air 2 und Windows -Pc, könnten Sie mir vielleicht drei wichtige Tipps geben, damit ich nicht im Labyrinth stecken bleibe.

    Vielen Dank

    • Michael sagt:

      Es gibt wohl auch andere Programme, um den papiernen Bibliotheksbestand zu verwalten, aber weils hier eher um eBooks geht, habe ich da nicht so den Einblick. Calibre ist kein Aufsatz für Excel, sondern eine völlig eigenständige Software. Es gibt fürs Ipad und iPhone mit “Calibre Companion” eine Hilfsanwendung, um auf von diesen Geräten aus auf eine lokal oder in der Cloud liegende Calibredatenbank zugreifen zu können. Ansonsten können Sie natürlich auch die von CLZ Barry vorgeschlagene “Book Database Software” nutzen, die ist wohl stärker auf Papierbücher ausgerichtet als Calibre.

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