Testbericht: Kobo Aura Edition 2

  • 16. Oktober 2016 - Aktualsiert am 13. Dezember 2016
  • von Michael
  • 4 Antworten

Mitte August gab Kobo bekannt, zwei neue Geräte in der Aura-Reihe zu veröffentlichen. Einmal den Aura One, über den ich bereits geschrieben habe und den Aura Edition 2, der mir jetzt hier vorliegt.

Kobo Aura Edition 2

Kobo Aura Edition 2

Obwohl viele davon sprechen, dass der Aura Edition 2 der Nachfolger des Glo HD sei, glaube ich eher, dass er langfristig das Kobo-Angebot nach unten abrunden wird. Denn historisch gesehen, sind die Auras immer eine andere Linie gewesen, als die als Glo bezeichneten Geräte. Deswegen ist der Aura Edition 2 auch der direkte Nachfolger des bereits drei Jahre alten Aura.

Hinweis: Das hier getestete Gerät habe ich im Handel erworben, es wurde mir nicht vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

Gehäuse, Design und Verarbeitung

Wie schon beim Aura One ist der blaue Einschalter des 180 g leichten Aura Edition 2 auf die Rückseite gewandert. Außer dieser Taste gibt es beim Aura Edition 2 keine andere Hardwaretasten. Die an den Seiten abgerundete Rückseite besteht aus strukturiertem aber glatten Plastik. Dadurch liegt der Reader nicht ganz so sicher in der Hand und sie verleiht ihm außerdem nicht mehr die Wertigkeit der anderen Geräte von Kobo. Die Struktur in der Rückseite ist zwar außergewöhnlich, in den kleinen “Waben” sammelt sich aber schnell sichtbarer Staub, der sich meist nur feucht rauswischen lässt.

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Kobo Aura Edition 2 - Rückseite mit Powerknopf und vielen Mikrofusseln

Kobo Aura Edition 2 – Rückseite mit Powerknopf und vielen Mikrofusseln

An der Unterseite des Gerätes befindet sich der Micro-USB-Anschluss über den der Aura 2 geladen und mit eBooks bestückt werden kann. Der interne freie Speicher beträgt 3 GB, leider kann er nicht erweitert werden, weil das Gerät keinen Einschub für eine Micro-SD-Karte besitzt.

Kobo Aura Edition 2 - Nach innen versetztes Display und Status-LED

Kobo Aura Edition 2 – Nach innen versetztes Display und Status-LED

Auf der Vorderseite befindet sich das 6″ große Display, das leicht in das Gehäuse versenkt wurde. Oberhalb des Bildschirms befindet sich noch die weiße Status-LED, die nur leuchtet, wenn der Reader neugestartet wird. Beim Laden bleibt sie aus. Die Vorderseite des Gerätes zieht zwar keine Fingerabdrücke an, sie scheint aber relativ anfällig für leichte Kratzer zu sein, die dann im Gegenlicht sichtbar werden (auf dem Bild oben links unterhalb der leicht LED zu sehen).

Bis auf die Kratzeranfälligkeit meines im Fachhandel gekauften Gerätes ist die Verarbeitungsqualität sehr gut. Anders als beim Aura One gibts hier keine unterschiedlichen Spaltmaße.

Bildschirm und Beleuchtung

Kobo hat beim Aura Edition 2 einen 6″-Bildschirm mit E-Ink-Carta-Technologie eingebaut. Der Bildschirm hat eine Auflösung von 212 pp, ist also hier auf dem gleichen Niveau wie sein Vorgänger, bietet aber weniger Auflösung als der Aura One oder die älteren Aura H2O oder Glo HD. Das ist etwas befremdlich, da neue Geräte mittlerweile mit 300-pp-Displays erscheinen. Nun, vielleicht verfolgt Kobo tatsächlich hier das Ziel, eines preiswerten Einstiegsreaders. Wir werden sehen. Die 212 ppi des Bildschirms reichen beim Lesen jedenfalls völlig aus.

Die Beleuchtung ist recht gleichmäßig, wobei ein leichter Helligkeitsverlauf von unten (dunkler) nach oben (heller) sichtbar ist. Beim Lesen stört er nicht, da der Reader nur das Lesen im Hochformat unterstützt. Im Querformat wäre der Helligkeitsverlauf störender. Die Lichtfarbe ist gelblicher Natur und die Maximalhelligkeit im Vergleich zu anderen Geräten nicht besonders hoch. Dennoch ist sie ausreichend, um den Hintergrund auch in helleren Räumen angenehm aufzuhellen. Draußen kann sie generell heruntergelregelt werden, was per Wischgeste am linken Bildschirmrand oder übers Menü funktioniert.

Software und Bedienung

Die Software auf dem Aura Edition 2 bietet die gleichen Dinge, wie sie auch auf den anderen Geräten von Kobo zu finden ist. So zeigt die Startseite einen Mix aus den zuletzt gelesenen bzw. hinzugefügten Büchern an, eine Lesestatistik und Empfehlungen zu neuen Büchern. Dieser Mix wird auf einzelnen Kacheln präsentiert, die sich ausblenden lassen. Wer also keine Buchempfehlungen möchte, kann diese einfach entfernen. Solbald einmal der Webbrowser aufgerufen wurde, erscheint auch eine Verknüpfung zu diesem auf der Startseite.

Bibliothek

In der Bibliothek lassen sich die eBooks nach letzter Lesezeit, Titel, Autor, Dateigröße und -typ sortieren und nach gelesenen oder gerade lesenden, heruntergeladenen, im Koboshop gekauften oder importierten Inhalten filtern. Natürlich können die Bücher als reine Cover oder als Liste angezeigt werden. Wer mag, kann eBooks in Sammlungen einsortieren, was gerade bei vielen Büchern die Übersicht erhöht.

Wird Calibre zur eBookverwaltung eingesetzt, werden beim Übertragen der Bücher automatisch Sammlungen angelegt, die den Schlagwörtern entsprechen. Alternativ funktioniert das auch mit Serien.

Wer gern längere Texte aus dem Internet auf dem Gerät lesen möchte, kann die eingebaute Pocketfunktion nutzen. Dazu ist eine kostenlose Mitgliedschaft bei Pocket notwendig, die alle dort gespeicherten Texte auf den Kobo herunterladen kann. Das funktioniert sogar mit Zeitungsartikeln, die von Blendle zu Pocket übertragen werden können.

eBooks können über den intergierten Shop gekauft werden, sie werden in jedem Fall auf das Gerät heruntergeladen. Bücher aus dem Koboshop landen im KEPUB-Format auf dem Gerät, das ein auf dem EPUB-Standard basierendes eBookformat ist, das unter anderem den koboeigenen Kopierschutz unterstützt und von den Koboreadern besser als das normale EPUB-Format unterstützt wird. So lassen sich nur hiermit Lesestatistiken führen und der Buchtitel in der Kopfzeile anzeigen.

Wer Bücher aus anderen Shops auf den Aura Edition 2 laden möchte, sollte sie per Calibre verwalten. Dann werden sie – sofern sie nicht per DRM geschützt sind – bei der Übertragung an den Reader ins KEPUB-Format gewandelt.

eBooks lesen

Zusammen mit dem Bildschirm ist die eBookanzeigesoftware der Teil eines eReaders, der zu den wichtigsten Dingen gehört. Einerseits nützt die beste Software nichts, wenn der Bildschirm schlecht ist, aber auch der beste Bildschirm unbrauchbar, wenn die eBooks nicht ordentlich angezeigt werden.

Kobo macht hier (und auch auf allen anderen Koboreadern) vieles richtig. So sind elf unterschiedliche Schriften vorinstalliert, die auch auf die Eigenheiten eines eReaderbildschirms abgestimmt sind. Die Schriftgröße ist einstellbar, leider nur übers Menü und nicht per Geste. Für sieben Schriften lässt sich zusätzlich die Stärke einstellen. Wer mit den vorinstallierten Schriften nicht auskommt, kann eigene nachinstallieren. Zeilen- und Randabstand lassen sich ebenso einstellen, wie die Ausrichtung (linkbündig und Blocksatz).

Wörterbücher, Notizen und Markierungen

Standardmäßig sind auf dem Aura Edition 2 zweiundzwanzig Wörterbücher vorinstalliert. Wer sie nicht alle braucht, kann die nicht benötigten in den Einstellungen unter “Sprache und Wörterbücher” entfernen. Um ein Wort im Buch nachzuschlagen oder zu übersetzen, rteicht es aus, das gewünschte Wort einmal kurz anzutippen. Es öffnet sich ein Fenster, in dem sich die Erklärung befindet. Ein weiterer Tipp auf die Erläuterung öffnet ein größeres Fenster, in dem nun auch ein anderes Wörterbuch ausgewählt werden kann.

Längere Passagen lassen sich einfach markieren oder mit einer Notiz versehen. Diese können später über die drei Punkte im Buchmenü und Anmerkungen angeschaut werden.

Wer Markierungen und Anmerkungen in eine Textdatei exportieren möchte, muss in der Datei “Kobo eReader.conf”, die sich auf dem Gerät im Verzeichnis “.kobo\Kobo\” befindet, folgende Zeile im Abschnitt [FeatureSettings] hinzufügen:

ExportHighlights=true

Falls der Abschnitt nicht existiert, kann er einfach in die Datei geschrieben werden.

PDF lesen

Auch der Aura Edition unterstützt die Anzeige von PDF-Dokumenten. Allerdings ist diese Funktion nur sehr rudimentär vorhanden. So lassen sich die Dokumente lediglich auf Seitenbreite oder -höhe vergrößern oder im Querformat lesen. Eine Reflowfunktion, die den Text aus dem Dokument herauslöst und formatiert anzeigt, gibt es nicht. Nur damit wäre das lineare Lesen möglich, sowie die Möglichkeit, die Schriftgröße zu ändern oder Abschnitte zu markieren oder mit Notizen zu versehen. Geht leider nicht, daher ist der Aura Edition 2 nur eingeschränkt für PDF-Dokumente nutzbar.

Fehlerchen

Wie auch sein großerer Bruder, der neue Aura One ist der Aura Edition 2 nicht ganz fehlerfrei. Obwohl mit der aktuellsten Firmware 4.1 ausgestattet, reagiert das Gerät ab und zu nicht auf Eingaben. Ich habe den leisen Verdacht, dass das Gerät mit schnellen Eingaben nicht ganz mit kommt. Im Alltag fällt dies wahrscheinlich weniger auf, als im Testbetrieb. Und auch die Tastatur lässt sich genauso schwer bedienen, wie die des Aura One. Man muss wirklich ganz genau die Buchstaben und Ziffern treffen und nicht ein paar Millimeter daneben drücken, damit das Gerät die Eingabe wertet. Das ist insbesondere dann nervig, wenn wichtige Eingaben, wie Zugangsdaten getätigt werden müssen. Kommt im Alltagsbetrieb zum Glück nicht so oft vor.

Zusammenfassung

Das könnte für den Kobo Aura - Edition 2 sprechen

  • Beleuchtung
  • Bedienung per Touch
  • Geringes Gewicht
  • Unterstützt die Onleihe (jedoch nur über Adobe Digital Editions)
  • Wörterbücher vorhanden
  • Webartikel per Pocket-Dienst importierbar
  • Eigene Schriften können installiert werden

Das könnte gegen den Kobo Aura - Edition 2 sprechen

  • Zwangsanmeldung des Gerätes bei Kobo
  • Querformat nur bei PDFs möglich

Preise und Bezugsquellen

Fazit

Im direkten Vergleich zu seinem drei Jahre alten Vorgänger ist der Aura Edition 2 schlechter ausgestattet, fehlen ihm doch die gummierte Rückseite, die plane Front, der Micro-SD-Slot und der Lichtschalter. Im Gegensatz zum Glo HD hat er zudem ein schlechteres Display das weniger hochauflösend und kontrastreich ist. Softwareseitig unterscheiden sich die Kobogeräte nicht, aber der Umstieg sowohl vom Kobo Aura, als auch vom Glo HD auf den Aura Edition 2 ist aufgrund der Hardwareeinschränkungen immer ein Abstieg.

Wer aber einfach einen beleuchteten, relativ preiswerten Reader für das Kobo-Ökosystem sucht oder wer von der Software der Kobos angetan ist, bekommt mit dem Aura Edition 2 einen soliden Mittelklassereader, mit dem sich eBooks angenehm nacheinander weglesen lassen (ich habe für den Test wieder mehrere Baumeisterkrimis gelesen).

Datenblatt anschauen


Alternativen zum Kobo Aura - Edition 2

 


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Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
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4 Kommentare

Trackback  •  Kommentarfeed

  1. Susanne sagt:

    Vielen Dank für den Testbericht, der meine Vermutungen bestätigt hat. Schon als ich die ersten Spezifikationen las und die ersten Bilder sah, habe ich mich dazu entschieden mir (wieder, nachdem das Display meines letzten aufgegeben hat…) den 3 Jahre alten Kobo Aura zuzulegen. Das ging zwar nur noch über USA Import, aber immerhin.

    Ich liebe den Kobo Aura (bis auf eine Einschränkung), da er so ziemlich alles vereint, was ich an einem Ebook Reader möchte: plane Oberfläche, gute Beleuchtung, wirklich schön gestaltete Software, Lesestatistiken (obwohl, früher als es noch mit epub Format ging war die mMn besser), eigene Schriftarten, und ganz wichtig die Anbindung an Pocket! Pocket ist eine klasse Erweiterung für eBook-Reader, weshalb es mich auch wundert, warum nicht alle Reader von Kobo damit agieren bzw. auch andere Marken. Das einzige was mich wirklich stört ist der sehr helle Schwarzwert, das kann sogar der altersschwache Pyrus Mini besser. Zudem kostet er keine 150€ aufwärts. Das ist mir für eBook-Reader einfach zu teuer, da mir die Displays verhältnismäßig oft zu Bruch gehen, obwohl ich sie in den besten Hüllen transportiere und wie ein rohes Ei behandle.

    Vom Nachfolger hatte ich mir ein E-Ink-Display der neuesten Generation mit 300ppi ERWARTET. Und natürlich eine plane Oberfläche sowie einen ein dunkleres Schwarz. Der Aura 2 ist ein Downgrade in jeder Hinsicht, was mir unbegreiflich ist. Es ist kein Aura, es ist auch kein Glo Nachfolger. Eigentlich eine eigene Low-Budget-Reihe, die daher noch weniger kosten sollte.

  2. Susanne sagt:

    Kobo hat da irgendwie einen Denkfehler in der Namensgebung der neuesten Generation gemacht… Wenn ich das mal mit Apple, zur Veranschaulichung, gleichsetzen darf…

    Die Denke von Kobo:

    Kobo Aura One = iPhone X Plus
    Kobo Aura Edition 2 = iPhone X

    Aber so sieht es eigentlich aus:

    Kobo Aura One = iPhone X Plus
    fehlt = iPhone X
    Kobo Aura Edition 2 = iPhone SE

    Der Aura 2 ist eben kein richtiger Aura. Ich hätte mir einen kleinen 6″ Aura One gewünscht (bei “fehlt”), der der wirkliche Nachfolger des Aura hätte werden können.

    • Michael sagt:

      Ja, ich finde das auch verwirrend, da der Aura One mitnichten der erste Aura ist. Und der hier getestete auch nicht der Zweite, sondern der Fünfte in der Aurareihe:

      1. Aura
      2. Aura HD
      3. Aura H2O
      4. Aura One
      5. Aura Edition 2

      Aber andere Hersteller machens auch nicht besser, siehe PocketBook. Dort ist auch weder von der internen Gerätenummer, noch vom Namen eindeutig klar, welches Gerät der Nachfolger von welchem ist.

  3. Sil sagt:

    Danke für den Testbericht.

    Mal ehrlich, man könnte meinen die Namen wurden willkürlich in einer geselligen Runde vergeben.

    Das Gerät mit den Spezifikationen müsste (deutlich !) günstiger angeboten werden, wer sollte es sonst kaufen ?

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