Einfach lesen: PocketBook Basic 3 und Basic Lux im Test

Manchmal sind die Wege von PocketBook unergründlich. Nachdem der Einstiegsreader Basic 2 seit drei Jahren nicht aktualisiert wurde, hatte ich schon gar nicht mehr mit einem Nachfolger des touchlosen eReaders gerechnet. Heutzutage nutzt ja jeder Smartphones und so erscheint ein eReader ohne berührungsempfindlichen Bildschirm schon ein wenig anachronistisch.

Und dann bringt PocketBook gleich zwei berührungslose Reader. Einen unbeleuchteten Basic 3 und einen mit Licht, namens Basic Lux. Drei Wochen lang konnte ich beide Geräte ausprobieren und sie auf Herz und Nieren testen (und gleichzeitig die sieben Bände der „Septimus Heap“-Reihe auf beiden lesen).

links: PocketBook Basic 3; rechts: PocketBook Basic Lux

links: PocketBook Basic 3; rechts: PocketBook Basic Lux

Hinweis: Die in diesem Test verwendeten Geräte wurden mir von PocketBook zum Testen zur Verfügung gestellt. Sie könnten also handverlesen sein.

Gehäuse, Design und Anschlüsse

Beim Design beider Geräte ist sich PocketBook treu geblieben, Basic 3 und Basic Lux basieren auf dem gleichen Gehäuse wie ihr Vorgänger. Wie dieser haben sie auf der Rückseite den typischen Buckel, der ein wenig an den Wulst bei Digitalkameras erinnert. Damit passen beide Geräte in bereits vorhandene Hüllen für den Basic 2 oder Touch Lux 3. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger sind beide Geräte ringsum gummiert. Das sorgt für ein angenehmes Haltegefühl.

Die Blättertasten, die alle Reader von PocketBook haben, sind unterhalb des Bildschirms im Gehäuse integriert. Lediglich zwei erhöhte Pfeile zeigen an, wo sich die Druckpunkte zum Blättern befinden. Dadurch wirken die Vorderseiten der Geräte zweifellos elegant, allerdings zum Preis der etwas schwereren Drückbarkeit der Blättertasten. Leichter lassen sich die Tasten des Steuerkreuzes drücken, das sich hinter dem mittleren Ring verbirgt. Der Bereich in der Mitte des Rings enthält eine Bestätigungstaste.

Rückseite und Anschlüsse

An der Unterseite der Reader befindet sich der Micro-USB-Anschluss über den die Geräte geladen oder mit neuem Lesestoff versorgt werden können. Ein Einschub für eine Micro-SD-Karte kann den großen (knapp sieben Gigabyte) internen Speicher um weitere 32 GB erweitern. Rechts unten sitzt schließlich auch der Powerknopf, mit dem die Geräte ein- und ausgeschaltet werden können. Die Schalter sind abgerundet und ragen etwas aus dem Gehäuse heraus. Dadurch lassen sie sich einfach ertasten und durch den definierten Druckpunkt auch leicht drücken. Wie alle auf dem schon älteren Design basierenden eReader von PocketBook haben auch die Geräte der Basic-Linie keinen Hallsensor, über den die Geräte über Hüllen ein- und ausgeschaltet werden können.

Bildschirm

Der Hauptunterschied zwischen Basic 3 und Basic Lux ist zweifellos der Bildschirm. Im Basic 3 steckt ein mit 167 ppi auflösender E-Ink-Carta-Bildschirm, mit dem man gut in helleren Umgebungen lesen kann. Der Kontrast ist aufgrund des verhältnismäßig hellen Hintergrundes sehr gut. Die Schrift wird bei gleicher Schriftgröße im Vergleich zum Basic minimal fetter dargestellt. Das liegt einfach an der etwas geringeren Auflösung und tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

unbeleuchtete Bildschirme (links: Basic 3; rechts: Basic Lux)

Im Basic Lux hingegen steckt ein mit 212 ppi auflösendes, beleuchtetes Display, das ebenfalls eins der Carta-Reihe von E-Ink ist. Dieses ist wegen der LEDs etwas schwerer, weswegen der Basic Lux rund 10 g mehr auf die Waage bringt. Die Ausleuchtung des Bildschirms ist allerdings nicht perfekt, er zeigt einen deutlichen Helligkeitsverlauf in Richtung Unterseite, der mich beim Lesen in der Tat hin- und wieder etwas störte. Die acht LEDs, die den Bildschirm beleuchten, sitzen übrigens untypischerweise am oberen Rand.

Helligkeitsverlauf bei der Displaybeleuchtung des Basic Lux

Leider lässt sich die Beleuchtung nicht per Tastendruck ein- und ausschalten oder per Tastendruck erhöhen oder verringern, die entsprechenden Einstellmöglichkeiten fehlen in der Tastaturkonfiguration. Möglicherweise ringt sich PocketBook aber durch, die entsprechende Einstellungsmöglichkeit nachzurüsten. Das wäre ein großer Komfortgewinn, denn beim Lesen in unterschiedlich hellen Umgebungen schaltet man das Licht auch gern mal aus oder ändert die Helligkeit.

Software

Wer nur einen ersten, flüchtigen Blick auf die Oberfläche der neuen Einstiegsreader wirft, wird kaum Neuigkeiten entdecken. Die Startseite ähnelt dem Vorgänger, nur die Symbole sind neu und moderner. Coverdarstellungen der zuletzt hinzugefügten oder gelesenen eBooks sucht man auf der Startseite weiterhin vergebens.

Bibliothek mit Filter- und Sortiermöglichkeiten

Auf den zweiten Blick aber hat PocketBook aber sehr an der Software geschraubt. Die Bibliothek bietet nun nahezu den gleichen Funktionsumfang wie die teureren Geräte, nämlich eine Darstellung der eBooks als Cover oder Liste, die Anzeige der eBooks nach Autoren, Genres, Sammlungen, Favoriten, Ordnerstruktur, Dateiformate oder Serien. Auch die vielen Sortiermöglichkeiten, teilweise in Abhängigkeit der Anzeigemöglichkeiten sind vorhanden. eBooks lassen sich in Sammlungen stecken, als Favorit markieren oder löschen. Werden eBooks in der Ordnerstruktur angezeigt, lassen sie sich zusätzlich auch in andere Ordner kopieren oder verschieben. Leider lassen sich nicht mehrere eBooks markieren, was die obigen Aktionen etwas mühsam macht. Neu hingegen ist die Anzeige der Bildinformationen, die nun auch den Klappentext zeigt.

Trotz vorhandenem WiFi hat PocketBook auf die Anbindung an die hauseigene Cloud verzichtet, die Zugriff über alle dort hochgeladenen Bücher bietet und über die auch der Lesefortschritt zwischen mehreren Geräten synchronisiert werden kann. Immerhin hat PocketBook die Dropbox-Synchronisierung beibehalten. Wer seinen Reader drahtlos befüllen möchte, hat also durchaus Möglichkeiten.

Ein Browser ist nicht dabei, was letztlich kein wirklicher Verlust ist, denn ohne Touchbildschirm ließe er sich nicht besonders bequem bedienen.

Kontextmenü im Buch (rechts mit Helligkeitsregler beim Basic Lux)

Auch die hauseigene Lesesoftware hat einen Schritt nach vorn getan. Sie wurde auf die Software aktualisiert, die erstmals auf dem Touch HD Einzug in PocketBook-Reader gehalten hat. Das heißt, der lästige Absatzbug, der manche Absätze am Ende der Seite nicht mehr angezeigt hat, gehört nun auch auf den Einsteigergeräten der Vergangenheit an. Die Statusleiste am unteren Bildschirmrand lässt sich nun während des Lesens abschalten, um die maximale Fläche des Bildschirms für den Text zu nutzen. Auch die neue Seitennummerierung, die nun die echte Seitenzahl in Abhängigkeit von Bildschirm- und Schriftgröße errechnet, hat Einzug in die Software gefunden. Wer lieber traditionelle Seitenzahlen möchte, kann sie natürlich umstellen.

Neu ist auch, dass sich Textstellen nun auf herkömmliche Art markieren lassen und nicht mehr als Bildschirmfoto gespeichert werden. Über einen Umweg lassen sie sich sogar mit Notizen versehen. Der Export der Notizen funktioniert leider auch hier nicht.

Bedienung per Steuerkreuz

Die Steuerung der Basic-Geräte über das Steuerkreuz klappt sehr gut, ich habe den Touchbildschirm — außer für Texteingaben — kein einziges Mal vermisst. Texteingaben wären auf den Pocketbookgeräten einfacher, wenn die Tastatur nicht so umständlich nach jedem eingegebene Zeichen immer wieder auf den mittleren Block zurückspringen würde. Aber ich messe dem nicht viel Bedeutung bei, da ich die Tastatur, außer zur Eingabe des WLAN-Passwortes, nicht gebraucht habe.

Die Menüs werden in der Regel recht schnell aufgerufen. Probleme mit verzögernd aufklappenden Menüs hatte ich selten, aber wenn, dann war die Verzögerung recht stark bzw. arbeitete das Gerät erstmal alle Eingaben ab, ohne sie unterbrechen zu können. Hier half dann auch nicht das gleichzeitige Drücken der Blättertasten, mit dem solche Aktionen eigentlich abgebrochen werden sollten (zumindest war das bei den Vorgängern so). Beim Blättern im Buch gaben sich die Geräte unauffällig, aber weil sich die Blättertasten etwas schwerer drücken ließen als das Steuerkreuz, habe ich die meiste Zeit im Querformat gelesen und über den Ring vor- und zurückgeblättert, nachdem ich die Tastenbelegung angepasst hatte. Durch den Buckel auf der Rückseite liegen die Geräte im Querformat  sehr griffig in der Hand

Fehler in der Software?

Noch im letzten Test zum PocketBook Aqua habe ich mich darüber ausgelassen, dass PocketBook es nicht schafft, fehlerfreie Geräte auszuliefern. Und nun muss ich das wieder revidieren, denn außer ein paar wirklich kleinen Ungereimtheiten, sind mir bei beiden Basics keine gravierenden Fehler aufgefallen.

Eher kosmetischer Natur sind die über andere Bedienelemente herausragende Texte beispielsweise im Kontextmenü oder den Texteinstellungen des Buches (siehe die Bilder oben). Etwas nervig sind bisweilen auch die Hänger in den Einstellungen, wenn die Geräte nicht so schnell auf Eingaben reagieren, wie sie sollen. Aber im Großen und Ganzen funktionieren beide Geräte einwandfrei. Ich bin mir sicher, dass PocketBook noch nachbessert, wie sie das in der Vergangenheit auch oft gemacht haben.

Funktioniert der Cool Reader?

Auch auf den Einsteigergeräten funktioniert die alternative Leseapp Cool Reader. Anders als auf ihren Vorgängergeräten kommt hier sogar die aktuelle Version zum Einsatz, die nicht mehr extra an die Tastenbedienung angepasst werden muss. Einfach herunterladen, und auf das Gerät kopieren. Dann ebenfalls die passende „extensions.cfg“ herunterladen und installieren, damit der „Öffnen mit“-Eintrag in der Bibliothek erscheint. Damit lässt sich bequem zwischen den Leseanwendungen wechseln. Und wer mag, kann auch meine Voreinstellungen für das 212-ppi-Display herunterladen. Die Infos und Downloads gibt`s auf meiner Cool-Reader-Seite.


Zusammenfassung

Das könnte für den PocketBook Basic Lux sprechen

  • Lesen ist im Querformat möglich
  • eBooks können in Ordnern verwaltet werden
  • Zeigt Serieninfos von eBooks an
  • Eigene Schriften können installiert werden
  • Onleihe kann benutzt werden
  • Wörterbücher vorhanden
  • Dropboxunterstützung
  • Tasten können umbelegt werden

Das könnte gegen den PocketBook Basic Lux sprechen

  • Sichtbarer Helligkeitsverlauf in der Beleuchtung
  • Ab- und zu Verzögerungen beim Navigieren
  • Gewöhnungsbedürftige Softwaretastatur
Basic 3 Basic Lux
Prozessor 1 GHz
Arbeitsspeicher 256 MB
Speicher 6,9 GB nutzbar
ext. Speicher ja, bis 32 GB
Display 6″ E-Ink Carta
Auflösung 167 ppi 212 ppi
Beleuchtung nein ja
Gewicht 153 g 163 g
Farbe schwarz, weiß braun
Preis 75 € 85 €
Datenblatt anschauen Datenblatt anschauen

Fazit

Mehr als alle eReader mit Touchbildschirm repräsentieren die beiden PocketBook-Einstiegsreader Basic 3 und Basic Lux für mich die Einfachheit des Lesens. Einschalten, Buch öffnen und loslesen. Ohne Schnickschnack, nur mit den wichtigsten Dingen. Obwohl das auch nicht wirklich stimmt, denn der Funktionsumfang dieser Einsteigergeräte ist schon beachtlich.

Für mich jedenfalls ist der Basic Lux der legitime Nachfolger des Basic 2, denn er bietet dessen Einfachheit zusammen mit einem beleuchteten Bildschirm. Mehr brauche ich zum Lesen nicht. Na gut, vielleicht einen besser ausgeleuchteten Bildschirm ohne Verlauf. Aber für 85 € kann ich da locker drüber hinwegsehen. Und auch über die kleineren Softwaremängel. Ist halt ein PocketBook. ;)

Wer niedrige Ansprüche an einen eReader stellt oder einfach mal in die Welt der eReader reinschnuppern möchte ohne viel auszugeben, macht mit dem Basic Lux nichts verkehrt. Der Basic 3 ist prinzipiell genauso gut wie der Basic Lux, fühlt sich allerdings durch das geringere Gewicht etwas billiger an (und die Tasten sind lauter). Ich würde den Basic 3 wirklich nur jenen empfehlen, die eine Aversion gegen beleuchtete eReader haben. Für alle anderen sind die zehn Euro Aufpreis in die Beleuchtung und das etwas höher auflösende Display sehr gut investiert.


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Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
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6 Kommentare

Trackback  •  Kommentarfeed

  1. alan sagt:

    How to install coolreader on PB basic lux?
    The pb basic lux reader program is pbreader? Not fbreader or adobeviewer!

    I have downloaded these scripts,but not to run!
    Thanks

    • Michael sagt:

      The pb basic lux reader program is pbreader? Not fbreader or adobeviewer!

      PocketBook has built in the new app in the Basic Lux, which is included in the newer devices. It is a mixture of AdobeViewer and fbreader, but has nothing to do with both of them.

      For the Cool Reader on the Basic Lux you need this Cool-Reader-Version for the Basic Lux and this extension.cfg. With the latter, the Cool Reader appears in the „Open with“-menu, where you can select either the Cool Reader or the PocketBook app.

      • ALAN sagt:

        Thanks,
        But i unzip these files, and copy „system“ contents into the device directory /system .
        and copy the extension.cfg into /system/config .
        So power off and on , but in library , no „open with“ for epub,txt etc. file formats.
        But read PDF, has „open with“ menu, only PB Reader(quick) and PB Reader(universal) .
        So i don’t know how to do other.

      • Alan sagt:

        Sorry Michael,
        The Basic lux runs CoolReader all right according your step, .

        thanks a lot, this menu „Open With“ displays 1–coolreader 2–adobe viewer 3–fbreader

        Gooooooooooooooood!

        • Alan sagt:

          AFTER reset device to factory.

        • Alan sagt:

          And update your cfg file, open with inlcudes CoolReader and PB Reader.

          So i get another problem, How to setup (change ) encoding character for CHM files?
          for example Encoding Chinese Characters in some CHM files, it displays wrong character.

          thanks

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