Testbericht: Kindle Fire (1.Gen)

  • - Aktualsiert am
  • von Michael Sonntag
  • 4 Antworten

Ansich liebäugele ich schon länger mit einem Tablet. Allerdings waren mir die preiswerteren Tablets bisher zu leistungsschwach. Als Amazon letzten Herbst die Kindle Fires auch für Deutschland angekündigt hatte, war ich gleich davon begeistert.

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Endlich hat ein Kindle Fire (ohne HD) den Weg zu mir gefunden. Meine Erfahrungen habe ich in diesem Bericht aufgeschrieben.

Ein paar technische Details

Der Kindle Fire ist mit rund 12 cm etwa so breit wie der Kindle Paperwhite, aber rund zweieinhalb Zentimeter länger. Das quaderförmige Gerät ist einen Zentimeter hoch und wiegt mit seinen fast 400 g grob das Doppelte des Paperwhites. Die Rückseite ist durchgängig gummiert, dadurch kann das Gerät nicht so leicht aus der Hand rutschen.

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Außer dem Powerknopf, der sich wie auch bei den anderen eReadern an der Unterseite des Gerätes befindet, kommt der Fire nur noch mit einem 3,5“-Klinkenstecker für Kopfhörer oder Stereoanlage und dem obligatorischen Micro-USB-Anschluss aus.

Der Bildschirm des Kindle Fire ist mit 7“ etwas größer als die Bildschirme der herkömmlichen eReader. Umgerechnet in Zentimetern bietet der Fire 2,3 cm mehr Bildschirmdiagonale als die üblichen 6“-Bildschirme der eReader. Die Auflösung des Bildschirms beträgt 1024x600px.

In die Oberseite des Gerätes sind die Stereolautsprecher eingebaut, die recht gut klingen. Zumindest besser als die üblichen Lautsprecher in Handys. Ob es jetzt allerdings unbedingt Stereolautsprecher sein mussten, bezweifele ich stark. Zudem beim Filme im Querformat schauen die Töne nur von links oder nur von rechts kommen.

Wie immer liegt dem Gerät nur ein 1,80 m langes USB-Kabel bei. Das Ladegerät muss extra gekauft werden. Ich empfehle das originale Ladegerät, da Billiglader bei den hohen Ladeströmen leicht aussteigen können.

Meine Erfahrungen

Ich möchte vorausschicken, dass ich durch mein Smartphone in der Androidwelt heimisch bin und die dort benutzten Programme nicht missen möchte. Damit ich mich auf einem Tablet heimisch fühle, brauche ich Apps für E-Mail, Kalender, Twitter und Google+. Ebenso einen Feedreader, ein Podcastprogramm, einen Videoplayer, der auch ausgefallene Formate abspielt und noch ein paar andere Tools.

Der Kindle Fire ist ein reines Konsumgerät. Er dient in erster Linie dazu, die bei Amazon gekauften bzw. geliehenen Inhalte (eBooks, Musik, Apps, Spiele und Videos) wiederzugeben. Durch die enge Verbandelung des Gerätes mit Amazon soll es für den Kunden ganz leicht sein, neue Inhalte zu kaufen.

Softwareangebot

Wie eingebunden ins Ökosystem das Gerät ist, merke ich schon nach der ersten Anmeldung mit dem Gerät bei Amazon. Sofort stehen meine gekauften Alben und eBooks zur Verfügung. eBooks muss ich aus der Cloud herunterladen, um sie lesen zu können, meine gekaufte Musik kann ich auch streamen.

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Für Apps und Spiele gibt es einen eigenen, eingebundenen Shop bei Amazon, der bei weitem nicht die Vielfalt bietet, wie man sie im offiziellen Playstore (dem Appstore von Google) findet. Und das ist auch schon der große Haken am Gerät.

Kommunikation

E-Mails, Kontakte und Kalender unterstützt der Fire direkt. Allerdings lassen sich Kontakte und Kalender via Google nur dann auswählen, wenn man beim Login den Usernamen mit „…@gmail.com“ angibt. Dazu muss man allerdings in den Einstellungen des Gmailkontos das Konto selbst von Googlemail auf Gmail umstellen. Dennoch ist auch das kein Garant dafür, dass die Kalendersynchronisation funktioniert. Bei mir wurde nur der persönliche, nicht aber alle anderen eingerichteten Kalender abgeglichen.

Da sich keinerlei Google-Apps im Amazonstore befinden und die paar Apps, die man irgendwo im Netz findet, mit dem Fire auch nicht so richtig funktionieren, musste ich auf Google+ verzichten. Meinen Leib-und-Magen-Twitterclient „Twicca“ gibt es ebenfalls nicht, aber dafür Alternativen. Einen Ersatz für meinen Feedreader ist auch schnell gefunden, mit dem Podcatcher tue ich mich schwer. Also breche ich die Suche nach Apps ziemlich schnell frustriert ab und lade noch ein paar Spiele runter.

Filme gucken

Ein Grund, warum ich mir den Kindle besorgt habe ist, dass ich abends im Bett noch den einen oder anderen Film schauen möchte. Bisher habe ich sie über mein Smartphone geschaut, aber dessen Bildschirm ist mir mit seinen 4“ auf Dauer zu klein.

Also flugs mal den einen oder anderen Film auf ins „Movies“-Verzeichnis auf den Fire kopiert und festgestellt, dass er weder über den Menüpunkt „Videos“, noch über „Dokumente“ erreichbar ist. Glücklicherweise gibt es den VLC im Appstore, der zwar noch Beta ist, aber dennoch recht stabil läuft. Dieser durchsucht den internen Speicher nach Audio- und Videodateien, zeigt sie in seiner Übersicht an und spielt sie ab.

Normale Filme mit DVD-Auflösung laufen flüssig, manche HD (720) ebenso. Andere wiederum nur ruckelnd.

Full-HD funktioniert überhaupt nicht, aber das ist mangels der passenden Auflösung des Displays weder sinnvoll noch — aufgrund der großen Datenmenge und des kleinen internen Speichers von rund 5,5 GB — notwendig. Bei den oben im Video gezeigten Filmen handelt es sich um die Open Source Filme Big Buck Bunny und Tears of Steel, die sich jeder von den verlinkten Seiten herunterladen kann.

Musik hören

Seit Jahren kaufe ich Musik nur noch online, einen Teil davon habe ich bei Amazon gekauft. Durch das im September eingeführte Onlinearchiv kann ich recht schnell auf diese Titel zugreifen. Ich kann entscheiden, ob die Musik heruntergeladen oder gestreamt werden soll.

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Letzteres bietet sich an, wenn man eine WLAN-Verbindung nutzen kann, denn der interne Speicher des Kindle Fire ist doch recht begrenzt. Musik, die nicht bei Amazon gekauft wurde, kann ins Verzeichnis „Music“ kopiert werden und steht dann auch im Musikplayer zur Verfügung.

Im Web surfen

Der Fire bringt natürlich einen eigenen Browser namens „Silk“ mit. Das Surfen selbst geht damit recht gut.

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Allerdings bin ich auch hier wieder von meinem Telefon und dem dort benutzten Dolphinbrowser verwöhnt. Dieser erlaubt nämlich das Installieren von Erweiterungen, darunter die von Lastpass, mit der ich mich auf allen möglichen Websites einloggen kann. Leider bietet Amazons Appstore keine anderen Browser an, über die dieses Manko auszugleichen wäre. Ohne dies macht mir das Surfen nur halb soviel Spaß, da ich überall dort, wo ich ein Passwort eingeben muss, auf die Lastpass-App angewiesen bin. Und das Passwort von dort herauszufischeln ist mir auf die Dauer zu mühselig.

eBooks lesen

Natürlich liegt bei einem Kindle das Lesen von eBooks nahe. Das geht selbstverständlich auch mit dem Fire. Bereits gekaufte eBooks finde ich in der Cloud, aus der ich sie zum Lesen herunterladen kann. Sammlungen, die auf dem Paperwhite existieren übernimmt auch der Kindle Fire nicht. Das ist ein Ding, was auf keinem Kindlegerät funktioniert und vom Amazon scheinbar auch nicht vorgesehen ist.

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In der Leseapp lassen sich Schriftart und -größe, der Zeilenabstand und die Ränder einstellen. Außerdem die Hintergrundfarbe. Der Lesefortschritt, der beim Paperwhite und — seit der neuen Firmware — auch beim Kindle Touch angezeigt werden kann, existiert auf dem Kindle Fire nicht.

Das Lesen selbst ist für mich eher ungewohnt und wenn ich ehrlich bin, lese ich lieber auf dem Paperwhite bzw. auf e-Ink-Readern generell. Beim Lesen auf dem Fire werde ich recht schnell müde. Keine Ahnung, woran das liegt.

Sonstige Beobachtungen

Die zeitnahe Synchronisierung der E-Mails per IMAP hat trotz der entsprechenden Einstellungen nicht zuverlässig funktioniert. Ein paar Mal ist es mir passiert, dass das Gerät jeglichen Ton verloren hat nachdem ich den Klinkenstecker herausgezogen hatte. Dann half nur ein Neustart, der aber recht fix ging. Im Querformat ist es mir hin- und wieder passiert, dass die Tastatur geprellt hat bzw. Buchstaben an die Wörter gehängt hat, die da nicht hin gehörten. Das war besonders beim Eingeben von Passwörtern ärgerlich. Obwohl man in den Einstellungen des Gerätes das Installieren von Androidapps von außerhalb erlauben kann, funktionieren nicht alle frei erhältlichen Apps. Mich hat außerdem ein wenig gestört, dass er keine Hardwaretasten für die Lautstärkereglung hat.

Fazit

mediumDer Kindle Fire ist ein Kundenbindungsinstrument erster Kajüte und ein solides Gerät. Durch seine nahtlose Einbindung ins Amazonökosystem ist er das perfekte Gerät für alle, die noch nie ein anderes Androidgerät bessen haben, die ihre Medieneinkäufe überwiegend bei Amazon erledigen oder/oder einen preisgünstigen Einstieg in die Tabletwelt wagen möchten.

Durch die enge Bindung an Amazon und dem damit verbundenen Konzept, Apps nur über den Amazonstore zu beziehen, ist der Kindle Fire für meine Bedürfnisse untauglich. Ich habe, bedingt durch mein Smartphone, über Googles App-Store etliche Apps gekauft, die ich auf dem Fire nicht nutzen kann. Das und das maue Angebot an Apps verleiten mir den Spaß an diesem hardwaremäßig doch recht gutem Tablet erheblich. Da spielt es auch keine Rolle, dass er mit 159 € wirklich preiswert ist.




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Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
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4 Kommentare

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  1. Jonathan Schmölz sagt:

    In einer sache muss ich etwas korrigieren. Ich habe einen kindle fire (ich schreibe auch diesen Kommentar gerade an meinem Kindle) und ich kann sehr wohl Google+ benutzen. Ich habe auch einen YouTube-Accaunt am Kindle (deswegen Google+) und es funktioniert hervorragend (bis darauf das der kindle aus irgendeinem Grund keine Videos mehr abspielt,ich drücke auf eins es lädt und dann heisst es Video kann nicht abgespielt werden) Anja weis nicht was bei mir anders ist :/

    • Jonathan Schmölz sagt:

      *naja (Autokorrektur *hust*)

    • Danke für deine Rückmeldung. Dann geht es also mittlerweile. Bei meinem Test Anfang letzten Jahres war das noch nicht der Fall.

      • Jonathan Schmölz sagt:

        Ich habe diesen Kommentar schon fast wieder vergessen…zwei Jahre, huiuiui, wie die Zeit vergeht. Ich glaube, ich sollte mich an dieser Stelle für meine schlampige Rechtschreibung damals entschuldigen. Es ist jetzt zwar schon ein bisschen her, aber ich glaube, ich werde noch ein paar Dinge schreiben, die mir aufgefallen sind. Nach längerer Nutzung war es mir nicht mehr möglich, im Google+ Benachrichtigungsfenster auf Kommentare zu Antworten. Wenn ich auf die Glocke am oberen Bildschirmrand drücke, weil ich eine Benachrichtigung habe, kann ich ohne weiteres eine Antwort schreiben, allerdings ist der Senden-Knopf ausgegraut. Woran das liegt, weiß ich nicht. Ich kann mich auch nicht mehr an Einzelheiten erinnern, da ich zur Zeit des letzten Kommentars von mir bereits meinen Laptop hatte, und den Kindle mehr oder weniger meinem Bruder überlassen habe. Meine Mutter hat ihn dann einmal versteckt, damit mein Bruder nicht dauernd am Kindle sitzt…naja, jedenfalls hat sie ihn nun seit über einem Jahr nicht mehr gefunden. Schade um die E-Books, die ich darauf hatte. Was ich am Kindle Fire zu bemäkeln hätte wäre noch, dass das aufnehmen von Screenshots nicht möglich war (zumindest habe ich keinen Weg gefunden). Die Qualität von Youtube am Kindle sei mal dahingestellt. Ich weiß nämlich nicht, was sich in den 2 Jahren alles getan hat. Das WhatsApp nicht funktioniert erschließt sich mir ebenfalls nicht (auch hier weiß ich nicht, ob das inzwischen anders ist).

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