Der neue Kindle Paperwhite im Test

  • von Michael
  • Lesedauer: ~ 7 min
  • 6 Antworten




Ende Oktober hat Amazon den langerwarteten neuen Kindle Paperwhite vorgestellt. Nach erneut drei Jahren war es an der Zeit, das beliebte eReadermodell aufzufrischen. Und anders als in den Jahren zuvor gibt’s diesmal auch ein neues Gehäuse.

Kindle Paperwhite (10. Generation)

Hinweis: Das hier getestete Gerät (und die Hüllen) habe ich ganz normal bei Amazon gekauft.

Gehäuse und Bildschirm

Obwohl der Paperwhite von 2018 auf den ersten Blick genauso ausschaut, wie sein Vorgänger, handelt es sich doch um ein völlig neu entwickeltes Gerät. Mit 183 g ist das 2018er Modell, das intern der 10. Generation entspricht, rund 20 g leichter als sein Vorgänger. Das Gehäuse ist um zwei Millimeter in der Höhe und einen Millimeter in der Breite geschrumpft. Und es ist einen Millimeter dünner. Damit passt der Neue nicht mehr in den Slimhüllen des Vorgängers. Und weil sich der Hallsensor, der dafür zuständig ist, dass der Reader durch die Hülle ein- und ausgeschaltet werden kann, an einer anderen Stelle im Gerät befindet, funktionieren auch die Einschubhüllen des Vorgängers nicht mehr richtig.

Rückseite und Anschlüsse

Kindle Paperwhite (10. Generation): Abgerundetes Gehäuse, Rückseite und Anschlüsse

Das Gehäuse ist insgesamt runder geworden, die Kanten des Gerätes sind nun nicht mehr eckig. Und auch die Aussparung auf der Unterseite der Rückseite, in der Micro-USB-Anschluss, LED und Powerknopf sitzen, wurden nahtlos ins Gerät eingepasst. Wie beim Vorgänger ist die Rückseite wieder gummiert, wodurch de Reader auch ohne Hülle sicher in der Hand liegt. Amazon stattet den Paperwhite nun auch mit einem Wasserschutz nach Spezifikation IPX8 aus. Dadurch kann er bis zu einer Stunde in zwei Meter tiefem Süßwasser liegen, ohne dass er Schaden nimmt. Beim Versinken im salzigen Meer gilt dieser Schutz also nicht.

Technische Neuerungen

Zum verwendeten Prozessor und Arbeitsspeicher ist bislang nichts bekannt, ich gehe aber davon aus, dass der Neue wieder einen Prozessor mit mindestens 800 MHz hat, wenn nicht — wie mittlerweile bei allen anderen Herstellern üblichen, einen, der mit 1 GHz taktet. Und der Arbeitsspeicher ist sicher nicht weniger als 512 MB, die auch dem Vorgänger zur Verfügung standen. Erstmals hat der Paperwhite eine Bluetoothschnittstelle eingebaut, um Töne über entsprechende Lautsprecher oder Kopfhörer wiedergeben zu können. Leider unterstützt der Paperwhite dabei nur Hörbücher von Audible. Andere Audioformate (z.B. aac, flac, mp3, ogg, oder wav) spielt er nicht ab.

Bildschirm

Amazon bietet den Paperwhite wahlweise mit 8 oder 32 GB internen Speicher an. Beim 32-GB-Gerät stehen dem Nutzer rund 30,2 GB zur Verfügung, beim Speicherausbau mit 8 GB sollten es noch 6,2 GB sein. Der kleinere Speicher ist groß genug für tausende eBooks, wer mit dem Paperwhite Hörbücher hören möchte, sollte zum 32-GB-Modell greifen.

Kindle Paperwhite (10. Generation): Ausleuchtung des Bildschirms

Kindle Paperwhite (10. Generation): Ausleuchtung des Bildschirms

Amazon setzt beim neuen Paperwhite wieder auf einen Carta-Bildschirm mit 300 ppi Auflösung. Damit lässt sich besonders kleine Schrift gut ablesen. Die Ausleuchtung des Bildschirms ist ausgesprochen gleichmäßig, sie ist noch etwas besser als beim Vorgänger. In der geringsten Lichteinstellung wird die Beleuchtung nun komplett abgeschaltet und glimmt nicht mehr, wie beim Vorgänger.

Der Schwarzwert der Schrift entspricht dem des Vorgängers, an den sehr guten des Voyage kommt er allerdings nicht heran. Ich kenne aber auch keinen anderen aktuellen eReader, der dem Voyage beim Schwarzwert das Wasser reichen kann. Neu ist auch, dass der Reader nicht mehr alle sechs Blättervorgänge die Seite auffrischt, sondern nur noch einmal pro Kapitel, wenn es Bilder gibt oder wenn aus dem Menü zurück ins Buch gewechselt wird.

Der Bildschirm schließt nun bündig mit der Front ab, lediglich der Rahmen des Gerätes ragt minimal (unter einen Millimeter) über den Bildschirm hinaus. Damit wird das Display geschützt, wenn der Reader aufs “Gesicht” gelegt wird.

An der Verarbeitung gibt’s — wie von Amazon gewohnt — nichts zu meckern. Alles passt hervorragend zusammen, unterschiedliche Spaltmaße gibt es nicht und auch beim Zusammendrücken des Gehäuses macht es keine Geräusche.

Im täglichen Einsatz

Die 20 g Gewichtsunterschied zum Vorgänger nehme ich nicht wirklich wahr, dafür aber die abgerundeten Gehäusekanten. Dadurch fühlt sich der Neue etwas weicher in der Hand an, wenn er ohne Hülle gehalten wird. Noch besser liegt er mit Hülle in der Hand, von deren Amazon direkt zum Verkaufsstart des Readers drei verschiedene im Angebot hat (dazu weiter unten mehr).

Der Kindle-Schriftzug prangt nun prominent auf der Vorderseite. Dort saß er auch schon beim Vorgänger, aber beim schwarzen Gerät war auch der Schriftzug glänzend schwarz, was ihn zwar sichtbar machte, ihn aber nicht so in den Vordergrund drängelte. Wahrscheinlich ist es Amazon wichtig, dass jeder sehen kann, dass es sich um einen Kindle handelt. Wer den Schriftzug nicht möchte, muss zum Oasis greifen, wo er gar nicht zu sehen ist.

Schriftzug auf der Vorderseite

Schriftzug auf der Vorderseite

Mit der planen Front schlägt der Paperwhite jetzt einen Bogen zum Voyage. Dadurch wirkt der Paperwhite moderner und Wischgesten lassen sich ohne die Kante zum Bildschirm vielleicht einen Ticken präziser ausführen. Allerdings trägt die durchgängige Fläche auch dazu bei, dass nun nicht mehr nur der Bildschirm selbst reflektiert, sondern auch der Rand ringsherum. Eine eingeschalteter Beleuchtung nimmt dem Bildschirm natürlich etwas das Spiegelnde, dafür ist es umso mehr am Rand zu sehen. Das ist der Hauptgrund, warum ich plane Fronten bei eReadern nicht so gern mag. Außerdem sind auf den Bereichen rund um den Bildschirm Fingerabdrücke stark zu sehen.

Auf dem Paperwhite die bereits die brandneue Firmware in Versionsnummer 5.10.1.2 installiert, die neben den in der letzten Version (5.10.1.1) eingeführten “Themen” genannten Voreinstellungen für Schrift- und Seiteneinstellung auch die Möglichkeit enthält, das Touchdisplay beim Lesen abzuschalten. Das soll versehentlichen Blättern vermeiden (z.B. beim Herumtragen), ist aber noch verbesserungswürdig. Statt per kurzer Wischbewegung zu Blättern, muss man nach dem Aktivieren der Funktion plötzlich doppelt so weit über den Bildschirm wischen.

Hörbücher hören

Mit dem Paperwhite lassen sich neuerdings auch Hörbücher von Audible (Cybermondayaktion: 6 Monate zum halben Preis) anhören. Dazu kann das Gerät per Bluetooth mit einem Kopfhörer, Lautsprecher oder anderen Geräten gekoppelt werden. Anfangs hakelt die Verbindung zu meiner Stereoanlage etwas, das gab sich mit der Zeit allerdings.

Ein praktisches Feature ist, dass man ein Hörbuch an der gleichen Stelle weiterhören kann, an der man es im Buch aufgehört hat. Voraussetzung ist natürlich, dass eBook und Hörbuch über den Kindle Shop bzw. Audible gekauft wurden und in der Bibliothek liegen. Leider ist es nicht möglich, das Hörbuch anzuhören und gleichzeitig das Buch mitzulesen. Das wäre besonders bei fremdsprachigen Büchern eine schöne Möglichkeit, die Sprache zu lernen. Wer sowas möchte, muss zu einem Reader greifen, der eBooks vorlesen kann. Umgekehrt funktioniert es genauso. Aus einem Hörbuch heraus kann an der gleichen Stelle im Buch weitergelesen werden. Die entsprechende Stelle ist im Buch leider nicht markiert, sodass man nach dem Wechselt zunächst den passenden Anfang auf der aufgeschlagenen Seite suchen muss. Es gibt hier also noch Verbesserungsbedarf. Genau wie bei der Geschwindigkeitseinstellung: Hörbücher lassen sich nämlich auch beschleunigt vorlesen, allerdings fängt die Audioausgabe dann an zu schnarren.

Eine weitere Neuerung ist der neue Stromsparmodus, der den Paperwhite in den Tiefschlaf versetzt. Nach dem Aufklappen der Hülle dauert es etwa 3 s bis der Paperwhite lesebereit ist. In den Einstellungen unter “Geräteoptionen > Erweiterte Optionen > Energiesparen” lässt sich aber auch das alte Verhalten wiederherstellen, bei dem der Reader sofort aufwacht.

Die Hüllen des neuen Paperwhites

Bot Amazon beim Vorgänger erst eine Hüllenart an, gibt es nun gleich drei Hüllen mit verschiedenen Materialen. Bei allen dreien handelt es sich um Slimhüllen, bei denen der Reader in einer Plastikschale gehalten wird. An dieser Schale ist der Deckel befestigt, der bei allen drei Hüllen aus Plastik besteht, welches mit dem jeweiligen Obermaterial beklebt ist. Plastik für den Deckel ist sehr ungewöhnlich, alle anderen Hüllenhersteller verwenden Pappe. Plastik hingegen ist wasserfest und stabiler, klingt aber beim leichten entlangstreifen mit dem Finger an den Kanten, wie ein Schullineal. Im Deckel eingearbeitet ist ein Magnet, der auf der Vorderseite des Paperwhites haftet, das Gerät ein- und ausschaltet und auch auf der Rückseite hält.

Allen drei Hüllen gleich ist zudem der prominente Amazon-Schriftzug auf der Vorderseite, der sich bisweilen stark in den Vordergrund drängelt. Alle sind einwandfrei verarbeitet, stabil und der Paperwhite ist gut geschützt.

Die preiswerteste ist die Hülle aus wassergeeignetem Stoff, die es in blau, gelb und schwarz gibt. Das Obermaterial sieht aus wie Stoff und fühlt sich auch so an. Die Halteschale und die Innenseite des Deckels sind in den jedeweiligen Farben der Hülle gehalten. Preis: 29,99 €

Einen Zehner mehr kostet die Lederhülle, die in dunkelrot (hier Bordeaux genannt), violett (Indigo), rot und schwarz erhältlich ist. Sie hat das typische Muster von Glattleder, das auch schon Lederhüllen früherer Paperwhites hatten. Laut Amazon handelt es sich um Echtleder, auch wenn ein Geruchstest hier keinen Aufschluss darüber gibt. Auch hier ist die Innenseite des Deckels mit farblich passendem Vlies beflockt und auch die Halteschale entspricht dem Farbton des Leders. Preis: 39,99 €

Die teuerste Hülle besteht ebenfalls aus Leder, das Amazon als Premiumleder bezeichnet und eine Art Wildleder ist. Der olfaktorische Test bestätigt, dass es sich um echtes Leder handelt. Das Leder ist in Natura erheblich dunkler, als auf den Produktfotos. Wie bei Wildleder üblich, ist die Hülle sehr empfindlich Kratzern gegenüber, was aber durchaus gewollt ist, da die Hülle mit der Zeit ihr individuelles Aussehen entwickelt. Diese Hülle kostet 49,99 €.

Übrigens gibts bis zum 2. Dezember 30% Rabatt auf das Kindlezubehör. Damit kostet die Premiumlederhülle 35 €, die Lederhülle knapp 28 € und die Stoffhülle nur noch 21 €.

Zusammenfassung

Das könnte für den Amazon Kindle Paperwhite sprechen

  • Wasserdicht
  • Sehr gleichmäßig ausgeleuchteter Bildschirm
  • Pageflip-Funktion zum schnellen Vor- oder Zurückblättern ohne die aktuelle Seite aus dem Fokus zu verlieren
  • Wörterbücher enthalten
  • Kann Hörbücher von Audible per Bluetooth abspielen
  • Gerät kann gegen fremden Zugriff gesperrt werden
  • eBooks landen per WLAN (aus dem Shop oder per E-Mail) auf dem Gerät
  • einfache Shopanbindung
  • Gibts auch mit 3G, um unterwegs eBooks zu kaufen, auch wenn kein WLAN zur Verfügung steht

Das könnte gegen den Amazon Kindle Paperwhite sprechen

  • Keine Farbtemperatureinstellung (Nachtlicht-/Smartlightfunktion)
  • Enge Bindung am Amazon
  • eBooks im EPUB-Format können ohne Hilfsmittel nicht dargestellt werden
  • Keine Unterstützung der eBooks aus der Onleihe

Preise und Bezugsquelle

Fazit

Obwohl der neue Paperwhite dem alten auf dem ersten Blick zum verwechseln ähnlich sieht, ist er doch in der Summe aller Teile mehr als nur ein behutsames Update. Mit seinem hochauflösenden und sehr gut ausgeleuchteten Bildschirm macht das Lesen mit dem Neuen weiterhin sehr viel Spaß. Schade finde ich nur, dass sich Amazon wieder gegen die Nachtlichtfunktion entschieden hat. Wahrscheinlich gab es neben Wasserschutz und Bluetoothfunktion keine Möglichkeit mehr, die augenschonende Option zum gleichen Preis des Vorgängers unterzubringen.

Dennoch ist der Paperwhite der neuen Generation die beste Möglichkeit, preiswert und beleuchtet E- und Audiobooks von Amazon zu genießen. Wer allerdings nur lesen möchte, kann bedenkenlos zum kleineren 8-GB-Modell greifen. Und wer nochmals 20 € sparen will, nimmt das Gerät mit eingeblendeten Werbeangeboten, die sich sehr einfach — und oft auch kostenlos — entfernen lässt.

Datenblatt anschauen


Wirst du dir den neuen Paperwhite zulegen?






Einsortiert unter: eBook Reader News , ,

Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
Unterstützen und weitersagen:
Wenn dir gefallen/geholfen hat, was du hier gelesen hast und du mich unterstützen möchtest, dann bestelle über die mit dem Stern (*) gekennzeichneten Partnerlinks. Du zahlst nicht mehr als sonst und ich bekomme vom entsprechenden Shop eine kleine Provision. Vielen Dank dafür!
Facebook | Google+ | Twitter

6 Kommentare

Zum Eingabefeld springen  •  Trackback  •  Kommentarfeed

  1. Harry sagt:

    Danke für die Rezension – und v.a. für den Link auf die 30% Rabattaktion auf die Hüllen! Gleich mal die Premiumlederhülle geklickt.
    Ist mit “Nachtlichtfunktion” eine Anpassung der Farbtemperatur am Abend gemeint?

    • Michael sagt:

      Ist mit “Nachtlichtfunktion” eine Anpassung der Farbtemperatur am Abend gemeint?

      Ja genau. Blaulichtfilter triffts nicht so ganz, da das blaue Licht nicht rausgefiltert, sondern rotes Licht zugegeben wird. Aber nachdem du bereits der zweite bist, der mich gefragt hat, hab ich mal versucht, es etwas umzuformulieren.

  2. noch ein_micha sagt:

    Auch wenn ich lieber Pocketbook (aktuell Touch HD) mag (meine Abneigung gegen Kindle hat etwas mit Amazon als Ökosystem zu tun), so habe ich den Bericht gern gelesen. Wie immer informativ und an den richtigen Stellen mit den richtigen Bewertungen und Hinweisen. Danke dafür wie auch für Deinen übrigen Einsatz hier auf der Seite.

    Ein kleiner Fehler ist mir aufgefallen: Bei Bildschirm ziemlich weit unten heisst es: “Damit wird das Display geschützt, denn der Reader aufs “Gesicht” gelegt wird.! – wahrscheinlich sollte es heissen: geschützt, W enn der Reader… ;)

  3. Haferflöckchen sagt:

    “Obwohl der Paperwhite von 2018 auf den ersten Blick genauso ausschaut, wie sein Vorgänger”… Diese Aussage stimmt nicht. Leider. Beim neuen Paperwhite prangt wieder der hässliche weiße, strahlend helle “Amazon”-Schriftzug am unteren Rand, was beim direkten Vorgänger vermieden wurde. Dort wurde, ähnlich dem Kobo-H2O, der Schriftzug dezent in einem dunklen Grau gehalten – was zu deutlich besserem Leseverhalten führt. Durch das neuerliche Branding an der unteren Geräteseite wird man beim lesen einer Seite immer wieder durch diesen Schriftzug gestört – man liest ihn einfach mit. Schon dies ist bei einigen Käufern ein No-Go. Abkleben hilft zwar, verunschönert aber das Gerät. Für mich war dies einer der Hauptgründe 2014 zum Kauf eines Kobo H2O!

  4. lesefreund sagt:

    Gibt es für den neuen Paperwhite schon (nette) Sleeve-Hüllen?, auf die Schnelle habe ich keine gefunden……

Antworten

Alle eingegebenen Daten werden verschlüsselt übertragen. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Hoch