Der brandneue Tolino Shine 3 im Praxistest

  • von Michael
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Nach rund drei Jahren hat Tolino heute einen neuen eReader herausgebracht, der auf den simplen Namen Tolino Shine 3 hört. Er stellt die 3. Generation der erstmalig vor fünf Jahren vorgestellten Modellreihe dar.

Tolino Shine 3

Hinweis: Falls sich jemand fragt, warum ich bereits zum Start schon einen Praxistest habe: Thalia hat mir das Gerät gut zwei Wochen vor dem Release geschickt, sodass ich ausreichend Zeit zum Testen hatte. Da die Verpackung verschweißt und zugeklebt war, gehe ich nicht davon aus, dass das Gerät handverlesen ist.

Gehäuse und Design

Seit Tolino Anfang 2017 von RakutenKobo übernommen wurde und letztere ihre Kobos vom deutschen Markt abgezogen hatten, wurde immer erwartet, dass ein Koboreader als Tolino erscheint. Nun, mit dem Shine 3 ist das jetzt erstmals der Fall. Denn der neue Tolino entspricht technisch dem im Mai vorgestellten Kobo Clara HD. Das heißt, Kobo Clara HD und Shine 3 gleichen sich äußerlich wie ein Ei dem anderen. Bis auf den Schriftzug auf der Vorderseite und dem anderen Muster auf der Rückseite. Das hat natürlich den Vorteil, dass dem Shine 3 auch die Hüllen des Clara HD passen. Ich habe gleich mal ein paar passende besorgt und sie verglichen, zumal die Originalhüllen derzeit noch rar sind.

Der Tolino Shine 3 läuft auf einem angepassten, aber geschlossenen Android 4.4.2, hat einen 1 GHz-Prozessor mit 512 MB Arbeitsspeicher, 8 GB internen Speicher, von dem rund 5,8 GB für Bücher bereitstehen und einen Akku mit einer Kapazität von 1500 mAh. Mit 166 g ist er sehr leicht und fast so komapkt wie sein Vorgänger.

Das Gerät besteht vorn und hinten aus glattem Plastik und liegt deswegen nicht ganz so sicher in der Hand, wie sein gummierter Vorgänger. Auch sind auf dem Material relativ schnell Fingerabdrücke zu sehen. Die Rückseite besteht vollflächig aus einem geschwungenen Muster, das zwar elegant ausschaut, aber genau wie beim Clara HD dazu neigt, Staubkörner einzuschließen und sie nur schwer wieder freizugeben.

Der Powerknopf ist von der Oberseite auf die Unterseite des Gerätes gewandert, den Lichtschalter und auch den Homebutton gibt es nicht mehr. An der Unterseite befindet sich — wie bei nahezu allen eReadern — die Micro-USB-Buchse.

Rück- und Unterseite des Tolino Shine 3

Der Shine 3 ist ausgezeichnet verarbeitet, nichts knarzt oder knackt, wenn er etwas härter angefasst wird. Treibermäßig hat sich nichts geändert, Calibre erkennt den Shine 3 von Anfang an als “tolino shine”.

Bildschirm

Im Shine 3 steckt ein 6-Zoll-Bildschirm, der mit 300 ppi auflöst, der etwas im Gehäuse versenkt ist. Im Gegensatz zum Display seines Vorgängers reagiert der Bildschirm nun kapazitiv auf Eingaben und nicht mehr über Infrarot-LEDs an den Rändern. Deswegen sitzt der Bildschirm auch nicht mehr ganz so tief im Gehäuse.

Für die Beleuchtung des Bildschirms sorgen sieben weiße und sechs orangene LEDs, die im unteren Bildschirmrand stecken. Wie aus den letzten Tolino-Vision-Modellen bekannt, wird die Maximalhelligkeit künstlich beschnitten. Tolino argumentiert mit einer längeren Akkulaufzeit und damit, dass man die hellere Beleuchtung in heller Umgebung nicht wirklich wahrnehmbar ist. Grundsätzlich stimmt das, ich bevorzuge tagsüber in Räumen gern die maximale Helligkeit, weil ich nur dann das Gefühl einer hellen Seite habe. Glücklicherweise lässt sich die Maximalhelligkeit beim Shine 3 erhöhen. Dazu tippt man länger auf den Schriftzug “Hell” in den Beleuchtungseinstellungen. Danach entspricht die Helligkeit der anderer beleuchteter eReader.

Ausleuchtung bei maximaler Helligkeit

Die Ausleuchtung des Bildschirms ist sehr gleichmäßig, Lichthöfe durch Verarbeitungsmängel wie beim Kobo Clara HD gibt es bei meinem Testexemplar nicht. Auf dem Bild sind unten leichte Schatten zu sehen, aber hier sieht die Kamera wieder mehr als das menschliche Auge. In Natura ist die schattigen Stellen fast nicht zu sehen.

Maximale Einstellung des Nachtlichtes

Software und Bedienung

Wie bei eReadern eines Herstellers üblich, unterscheidet sich die Software auf den einzelnen Geräten nur durch Nuancen. Das ist beim neuen Shine 3 auch der Fall. Auf dem Gerät läuft die Firmwareversion 12.1.0, die es auf anderen Tolinos noch nicht gibt und die einige interessante Neuigkeiten mitbringt. Doch zunächst ein grober Überblick über die Standardfunktionen.

Die Bibliothek bietet Standardkost, d.h. Bücher lassen sich zwar nach Titel oder Autor sortiert anzeigen, das Auswerten von Genre oder Serieninformationen ist nach wie vor nur über Umwege möglich. Sammlungen lassen sich am Gerät oder in der Cloud anlegen, Letztere werden auch auf den Reader synchronisiert. E-Books, die sich nur in der Tolinocloud befinden, werden mit einem Wolkensymbol gekennzeichnet. Eine Trennung aller ausschließlich lokal oder in der Cloud vorhandenen Bücher ist nicht möglich, es werden immer alle Bücher angezeigt. Darunter leidet die Übersicht besonders bei vielen Büchern in Cloud oder auf dem Reader.

eBooks und PDF lesen

In der Lesesoftware für EPUB-Dateien lassen sich Schriftart, -größe, Zeilenabstand und Randabstand einstellen. Eigene Schriften können nachinstalliert werden. Wie das genau geht, habe ich in diesem Artikel beschrieben. Dort habe ich auch ein paar Schriften (inkl. Beispiele) verlinkt.

PDF-Dokumente kann der Shine 3 zwar auch anzeigen, für die Darstellung der kompletten Seite ist der Bildschirm aber zu klein. Alternativ dazu kann die Seite herangezoomt werden, was sehr langsam ist und flüssiges Lesen eher verhindert. Der Shine 3 hat auch einen Reflowmodus, der — wie bei allen Tolinos — nicht zu gebrauchen ist, da er zwar den Text aus dem PDF herauslöst, aber keinerlei Formatierungen oder Bilder übernimmt. Das können andere Reader, z.B. die von PocketBook oder die freien Androiden besser.

Wörterbücher, Markierungen und Notizen

Wörter aus englischen, französischen, italienischen, niederländischen und spanischen Büchern lassen sich ins Deutsche übersetzen. Zum Nachschlagen gibts auch ein passendes Wörterbuch in Deutsch und den wichtigsten europäischen Sprachen. Wer mehr sucht, findet sie in diesem Artikel. Passagen lassen sich markieren und/oder mit Notizen versehen, was sehr flüssig geht. Die Notizen werden in der Datei “notes.txt” auf dem Reader gespeichert, aber nicht mit der Cloud synchronisert. Diese landen in einer eigenen Textdatei, die sich auf dem Reader befindet. Mit der Cloud wird diese Datei nicht synchronisiert.

Neuerungen in der Software

Weil der Shine 3 keinen eigenen Lichtschalter mehr hat, über den jederzeit die Beleuchtung ein- und ausgeschaltet werden kann, reagiert der Reader nun auf Wischgesten. So kann die Lichtsteuerung jederzeit durch ein Wischen vom oberen Bildschirmrand nach unten eingeblendet werden. Das funktioniert nicht nur im Buch, sondern auch auf der Startseite, in der Bibliothek, im Shop oder in den Einstellungen. Gleiches gilt für die Wischgeste vom unteren Bildschirmrand ausgehend nach oben, um auf zur Startseite zu wechseln, denn der Homebutton existiert ja auch nicht mehr.

Für Linkshänder gibt es Neuigkeiten, denn erstmals lassen sich die Touchzonen zum Weiterblättern umkehren. Bisher mussten Linkshänder zum Blättern die Wischgesten nutzen, nun dürfen sie auch tippen.

Eine gute Neuigkeit gibts auch für alle, die einen eigenen Bildschirmschoner verwenden. Wie versprochen, gibt es jetzt die Möglichkeit, ein eigenes Bild vom Reader auszuwählen. Das Bild muss nur in den Abmessungen des Bildschirms (1072 x 1440 px) als PNG-Datei vorliegen und im Ordner „DCIM“ stecken, damit es ausgewählt werden kann. Der Dateiname ist dabei nicht wichtig, sodass sich auch mehrere Bilder unterbringen lassen, die jederzeit geändert werden können. Und damit noch nicht genug. Außer den eigenen Bildern lässt sich nun auch das Cover des zuletzt gelesenen Buches anzeigen.

Und zu guter Letzt wird nun auch wieder das Passwort der Onleihe im Browser nach Rückfrage gespeichert.

Zusammenfassung

Das könnte für den Tolino Shine 3 sprechen

  • Sehr gut ausgeleuchtetes Display
  • Nachtlichtfunktion
  • Lesen im Querformat möglich
  • Im angebundenen Shop gekaufte eBooks landen per WLAN auf dem Gerät
  • Wörterbücher vorhanden
  • Verwaltung der eBooks in Sammlungen
  • Onleihe kann benutzt werden
  • eBooks aus anderen Shops des Tolinoverbundes können per WLAN aufs Gerät geladen werden
  • Kostenloser WLAN-Zugang bundesweit über alle Telekom Hotspots

Das könnte gegen den Tolino Shine 3 sprechen

  • Etwas glattes Gehäusematerial
  • PDF-Reflow stellt jeglichen Text unformatiert dar
  • Unterstützt keine Serieninfos, Genres und Klappentexte

Preise und Bezugsquelle

Fazit

Mit dem Kobo Clara HD, der ja die technische Basis des Tolino Shine 3 stellt, bin ich nicht so richtig warm geworden. 139 € empfand ich für “nur ein neues Display mit Nachtlicht” als zu teuer. Anders sieht es beim Tolino Shine 3 aus, der einen anderen Vorgänger hat und mit knapp 120 € auch etwas preiswerter als der Kobo Clara HD ist.

Ergonomisch verbessert hat sich der Shine 3 für mich nicht wirklich, denn das glatte Gehäuse rutscht hüllenlos leicht aus der Hand, die Rückseite ist der reinste Krümelfänger und eine richtige Taste als Lichtschalter lässt sich eben durch nichts zu ersetzen (Update: außer vielleicht durch eine feste Position auf dem Display, siehe hier). Beim Powerknopf sehe ich das nicht so kritisch, das er selten benutzt wird, wenn der Reader in der Hülle steckt. Ohne Hülle natürlich ist er unten nicht so gut erreichbar, wie oben.

Positiv finde ich das exzellent ausgeleuchtete Display mit seinem orangefarbenen Nachtlicht und das geringen Gewicht des Readers. Klasse finde ich auch, dass sich der Bildschirmschoner jetzt einstellen lässt und dass die Entwickler an die Linkshänder gedacht haben. Weniger gut hingegen, dass er noch immer keine Klappentexte, Serien und Genres unterstützt. So muss man sich mit der halboffiziellen Sammlungsautomatik begnügen. Die Geschwister von Kobo können dererlei Infos übrigens schon lange anzeigen und auswerten.

Dennoch kann ich den Tolino Shine 3 all jenen empfehlen, die einen verhältnismäßig preiswerten Reader mit Nachtlichtfunktion suchen und bereits im Tolinosystem zuhause sind oder denen es nicht so wichtig ist, dass die Bibliothek nicht alle möglichen Metadaten unterstützt. Aber auch als Zweitreader für Bücher aus der Onleihe macht der Shine 3 eine gute Figur.

Datenblatt anschauen


Wirst du dir den Tolino Shine 3 zulegen?






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Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
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17 Kommentare

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  1. Andreas sagt:

    Ob sich die Tolino Software wohl auf dem Kobo Clara HD installieren lässt?
    Ich habe mir vor einiger Zeit den Clara HD geholt da mir das Gerät sehr gut gefällt. :-)

    • Michael sagt:

      Wahrscheinlich nur, indem das Gerät geöffnet wird. Featuremäßig erhältst du aber keinen wirklichen Vorteil, da die Kobosoftware umfangreicher als die von Tolino ist.

      • Andreas sagt:

        Da gebe ich dir recht.
        Ich habe hier mehr die allfällige Unterstützung von Skoobe im Blick ;-)

        Diese Flatrate wäre für mich als Vielleser ideal. (Auf Tablets und Smartphones lese ich nicht gerne)

  2. Martin sagt:

    Im Datenblatt (https://mytolino.de/tolino-shine-3/daten/) steht bei der Akkukapazität 1.200 mAh. Also doch merklich weniger. Welche Zahl wohl stimmt?

  3. Norbert Bartalsky sagt:

    Hallo Michael,

    Bist Du sicher dass Shine 3 mit FW 12.1.0 unter Android 4.2.2 läuft ?
    Im AllesEBook Forum wird nämlich behauptet, dass die FW 11.2.3 für z.B. Shine 2 oder Vision 4
    unter Android 4.4.2 läuft, und das wäre irgendwie unlogisch für mich
    Danke für den Bericht !

  4. Christian sagt:

    Den Wegfall des Lichtschalters finde ich keine gute Idee. Wenn ich das Licht tagsüber ausschalte und dann den Reader im Dunkeln zur Hand nehme, kann ich das Licht nicht mehr einschalten, weil man das Display im Dunkel ja nicht ablesen kann und ich so den Button auf dem Display nachd der Wischgeste blind nicht finde. Ich müsste also erst im Zimmer Licht an machen um am Reader das Licht anmachen zu können? Klingt nicht so clever.

    Abgesehen davon finde ich die Wischgesten (zusätzlich zum Button) aber gut und hoffe, dass das Update für den Vision 4 HD auch kommt. Besonders, dass man die Hintergrundbilder jetzt über einen offiziellen Weg und über die Oberfläche wählen kann statt durch einen Hack, finde ich klasse.

    • Martin sagt:

      Wenn man ganz am oberen Rand in die Mitte tippt, wir das Licht ebenfalls an/aus geschaltet. Das lässt sich im Dunkeln recht gut ertasten.

      • Michael sagt:

        In der Tat! Wer kommt denn auf sowas, ein simples Symbol als Knopf zu verwenden? ;)
        Steht sogar im Handbuch, verwirrt aber etwas, da überall das Wischen von oben herab als Aufruf der Lichteinstellungen propagiert wird.

        • Martin sagt:

          Das geht übrigens auch bei geöffnetem Buch – also ohne dass da ein Symbol sichtbar wäre.

          Apropos Wischgeste. Für die von-unten-nach-oben Wischgeste, also um auf die Startseite zu kommen, scheine ich zu doof zu sein. Die klappt bei mir vielleicht in 1 von 10 Versuchen. :)

        • Michael sagt:

          Versuch mal so zu wischen, als würdest du einen Krümel von unten nach oben über den Bildschirm schnippen. Also eine schnelle Wischbewegung. So klappts bei mir jedesmal.

  5. Christian Schenk sagt:

    Ich habe Mea berechtigten Zweifel daran, dass alle anderen Tolino Nutzer die Firmware 12.0 noch dieses Jahr bekommen werden, da laut Medienberichten Libri erst ab 1.1.2019 der Technikpartner der Tolino Gruppe ist. Es wäre eigentlich ungewöhnlich wenn Libri der Firma Longshine die Firmware überlässt.

  6. Dirk sagt:

    Von der Hardware sieht es wie ein Kobo aus. Das neue Design gefällt mir besser als das alte Tolino-Design mit diesem Sensorbutton.

    Was nicht so schön ist, ist der Tolino-Schriftzug. Den hätte man auch dezenter gestalten können, sodass es nicht so ins Auge sticht.

    Aber die Software von Kobo gefällt mir besser.

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