Testbericht: PocketBook Aqua

  • 19. Juli 2014 - Aktualsiert am 14. April 2018
  • von Michael
  • 4 Antworten

Mit dem im Februar angekündigten Aqua hat PocketBook den weltweit ersten eBook-Reader herausgebracht, der in einem ein staub- und wasserdichtes Gehäuse steckt. Ich habe mal versucht, mir das Gerät unter Praxisbedingungen anzuschauen.

PocketBook-Aqua(640)_unter_der_Dusche

Hardware

Im Aqua (oder 640, wie die interne Nummer lautet) steckt, wie in allen neueren PocketBooks, ein mit 1 GHz getakteter Prozessor, dem 256 MB Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Beide sorgen dafür, dass sich das Gerät sehr flüssig bedienen lässt. Ich habe sogar das Gefühl, dass er noch etwas geschmeidiger läuft, als seine Geschwister. Anders als diese hat der Aqua aber keinen Einschub für eine zusätzliche Speicherkarte, der interne Speicher mit 3,4 GB aber relativ groß.

Beim Bildschirm setzt PocketBook auf ein berührungsempfindliches Pearl-E-Ink-Display, das auch schon beim Basic Touch zum Einsatz kommt. Es löst bei 600 x 800 mit 167 ppi auf. Das reicht aus, um eBooks in ansprechender Qualität lesen zu können. Eine Beleuchtung hat der Aqua leider nicht.

Gehäuse

Mit seinen äußeren Abmessungen von rund 17 x 11 x 1 cm ist der blaue Aqua genauso groß, wie seine Geschwister, aber knapp einen Millimeter dicker. Das ist natürlich auf das spezielle Gehäuse  zurückzuführen. Er folgt der Designline der neueren Geräte und hat somit auch die Wölbung auf der Rückseite, mit der man das Gerät besser halten kann.

PocketBook Aqua: Tasten unterhalb des Bildschirm

Die üblichen vier Tasten unterhalb des Bildschirms

Wie bei PocketBook üblich, gibt es auf der Vorderseite vier Tasten: Ganz links eine, um auf die Startseite zu gelangen, zwei zum Blättern und eine fürs Menü. Die Tasten sind hier allerdings nicht einzeln ausgeführt, sondern verbergen sich unter einem schwarzen Teil des Gehäuses. Dieser Teil ist etwas nach innen gewölbt und über den Tasten sind die entsprechenden Symbole angebracht.

Der schwarze Teil des Gehäuses umrahmt auch den Bildschirm. Das sieht einerseits ganz schick aus, allerdings ist die Spalte zwischen schwarzem und blauem Gehäuse auch gut geeignet, um Krümel zu sammeln.

PocketBook Aqua: Anschlüsse (mit geöffneter Gummiklappe)

Unterseite: Micro-USB-Anschluss (links); Einschalter (rechts)

Wie bei den meisten eBook-Readern befindet sich auch beim Aqua der Micro-USB-Anschluss und der Einschalter auf der Unterseite. Der USB-Anschluss ist hinter einer Gummiklappe verborgen ist und der runde Einschalter ragt noch etwas mehr aus der Unterseite heraus, als bei den Geräten ohne wasserdichtes Gehäuse.

Apropos wasserdicht: Das Gehäuse ist nach Industrienorm IP57 staub- und wassergeschützt. Das heißt, es kann bei einer Tiefe von maximal einem Meter 30 min eingetaucht bleiben, ohne Schaden zu nehmen.

Aufgrund des dickeren Gehäuses liegt auch der Bildschirm etwas tiefer im Gehäuse als bei anderen Geräten.

Tief im Gehäuse sitzender Bildschirm des PocketBook Aquas

Tief im Gehäuse sitzender Bildschirm des PocketBook Aquas

Oberfläche & Bedienung

Der Aqua folgt ganz dem Bedienkonzept von PocketBook. Die Oberfläche ist aufgeräumt, wirkt auf den ersten Blick allerdings nicht mehr ganz modern. Die Einstellungen bieten eine überragende Fülle von Möglichkeiten, das Gerät an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Die Startseite des Readers zeigt lediglich eine Liste der neuen beziehungsweise zuletzt gelesenen eBooks sowie einige Menüpunkte an. Weitergehende Informationen, wie der Lesefortschritt oder Cover der eBooks, werden nur in der Bibliothek angezeigt. Dort können die eBooks auch sortiert, umbenannt, als Favorit markiert oder gelöscht werden.

Neuer Lesestoff landet per WLAN über den eingebauten Shop, per Download über den Browser, per Dropbox, E-Mail oder USB-Kabel auf dem Gerät.

Im Buch lassen sich neben verschiedenen Schriftarten auch die Schriftgrößen, Ränder- und Zeilenabstände einstellen. Eigene Schriften können nachinstalliert werden. Silbentrennung unterstützt nur der FBreader, der als alternative Lesesoftware auf dem Gerät installiert ist. Die Textausrichtung (linksbündig oder Blocksatz) kann nicht eingestellt werden, dafür ist das Lesen im Querformat möglich. Neu beim Aqua ist, dass die Schrift im geöffneten Buch jetzt per Zoomgeste vergrößert oder verkleinert werden kann. Vorher war das nur möglich, wenn der Finger am rechten Bildschirmrand hoch oder runtergeschoben wurde.

Unbekannte Wörter können nachgeschlagen oder übersetzt werden, eine Suche per Google ist ebenso möglich. Texte lassen sich markieren und mit Anmerkungen oder Zeichnungen versehen. Ein Export der Anmerkungen ist allerdings nicht möglich.

Neben dem reinen Lesen von eBooks bringt auch der Aqua wieder die üblichen Zusatzanwendungen mit, wie zum Beispiel Browser, Taschenrechner, Kalender oder Feedreader. Auch einige Spiele sind vorinstalliert (Sudoku, Schach, Klondike).

Praxistauglichkeit

Natürlich schaue ich bei einem Gerät, das aufgrund des wasserdichten Gehäuses rund 30 € mehr als sein undichtes Pendant kostet, ob sich diese Mehrkosten auch lohnen.

Also habe ich mich zunächst dem Gehäuse gewidmet. Mir ist aufgefallen, dass das Gerät nicht schwimmen kann. Es sinkt, ins Wasser geworfen, wie ein Stein zu Boden. Das wäre ansich nicht so tragisch, wenn man am Gerät einen Strick oder ein Band befestigen könnte. Eine entsprechende Öse gibt es nicht, also stelle ich mir vor, wie der Reader in den Tiefen des Sees oder Pools verschwindet, während ich eben noch auf der Luftmatratze liegend darauf gelesen habe. Also flugs hinterher getaucht, hoffend, dass die Wassertiefe nicht mehr als einen Meter beträgt.

Hat man das Gerät dann aus dem Wasser gefischt, fällt auf, dass sich die Schriftgröße auf dem Bildschirm verstellt hat. Ist ganz logisch, denn der Touchbildschirm reagiert auch auf Berührungen des Wasssers. Das ist nervig, besonders wenn man versucht, unter der Dusche (oder im Regen) zu lesen. Dann ist das Lesen praktisch nicht möglich. Glücklicherweise gibts kommt der Aqua von PocketBook und so lässt sich auch hier der Coolreader als alternative Leseapp installieren, bei dem es möglich ist, den Bildschirm während des Lesens von allen Berührungen zu befreien.

Mein letzter Kritikpunkt betrifft den Einschalter. Während er bei allen anderen Geräten von PocketBook oval ist, kommt hier ein halbkugelförmiger, runder Knopf zum Einsatz, der sich zudem ziemlich schwer drücken lässt. Gut, wenn man ihn mit dem Fingernagel erwischt, ist sogar der Druckpunkt fühlbar und dann lässt sich das Gerät auch leicht einschalten. Allerdings auch dann auch die Gefahr groß, am abgerundeten Kopf abzurutschen. Nicht auszudenken, was hier mit langen Fingernägeln passiert (sowohl am Fingernagel, als auch am Gerät). Ohne Fingernagel muss man dann allerdings sehr viel mehr Kraft aufwenden, um den Reader einzuschalten. Meine Waage, mit der ich die benötigte Kraft gemessen habe, zeigt dann rund 7 Kg an.

Zusammenfassung

Das könnte für den PocketBook Aqua sprechen

  • Staub- und wassergeschütztes Gehäuse
  • Bedienung per Berührung
  • Weiterblättern auch mit Tasten möglich
  • eBooks können in Ordnern verwaltet werden
  • Wörterbücher vorhanden
  • eBooks können per Dropbox aufs Gerät geladen werden
  • sehr umfangreich einstellbar
  • Verwendung eigener Schriften möglich
  • Lesen ist im Querformat möglich
  • Spiele vorhanden
  • Onleihe kann benutzt werden
  • eBooks können per E-Mail ans Gerät gesendet werden

Das könnte gegen den PocketBook Aqua sprechen

  • Keine Möglichkeit, ein Band am Gehäuse zu befestigen
  • Nicht schwimmfähig
  • Bedienung per Berührung
  • Einschalter sehr schwergängig
  • Keine Beleuchtung

Preise & Bezugsquellen

Fazit

Der Aqua ist ein Gerät für all jene, die ihren eReader bedenkenlos mit an den Strand, an den Pool oder in die Wanne nehmen möchten. Hardwaremäßig ist das Gerät so ausgereift, wie auch all die anderen Geräte des Herstellers. Solange es nicht dauerhaft mit Wasser in Berührung kommt, kann man den Aqua wirklich gut benutzen.

In den oder die See würde ich den Aqua allerdings nicht mitnehmen, dafür ist mir der Aqua zu inkonsequent umgesetzt und der Aufpreis zu einem nicht wasserdichten Gerät zu hoch.

Eine Alternative zum Aqua wäre der Touch Lux 2, der Gleiches (plus Beleuchtung) bietet und preislich in ähnlichen Regionen liegt. In eine wasserdichte Hülle gesteckt, ist er schwimmfähig (vorausgesetzt, man lässt etwas Luft drin) und kann um den Hals getragen werden. Andrerseits spiegelt das Material der Hülle ziemlich stark und hat man hier auch immer das Gepfriemle, den Reader in die Hülle zu stecken. Und es könnte sein, dass sich das Gerät in der Sonne stärker aufheizt und daher schneller schlapp macht.

Datenblatt


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Michael SonntagMichael Sonntag beschäftigt sich mit allem, was mit dem Lesen ohne Papier als Trägermaterial zu tun hat. Also mit eBook-Readern, Tablets und dem ganzen Drumherum.
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4 Kommentare

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  1. Elke T. sagt:

    Hallo Michael

    Herzlichen Dank für den umfangreichen Testbericht und die Vorabinfo
    für das PocketBook Aqua. Ich war sehr erstaunt, dass Du Dich einfach traust,
    das Gerät im Wasser zu versenken.

    Schickst Du eigentlich Anregungen an die Entwickler der eReader?

    Wie zum Beispiel, dass der Aqua schwimmfähig bzw. mit Öse zum Festbinden
    ausgestattet sein sollte. Das wären wirklich sinnvolle Eigenschaften, die
    die Ausstattung komplettieren würden.
    Du solltest in der Produktentwicklung mitarbeiten!

    Ich hab bisher den PocketBook Touch Lux und bin sehr zufrieden.
    Vor allem die Beleuchtung war für mich wichtig, wegen der Augen.
    Für mich ist es viel weniger anstrengend mit beleuchtetem Bildschirm zu lesen.

    Aber falls wir uns in der Familie noch ein Gerät für meine Tochter zulegen,
    käme sicher der Aqua in die engere Wahl.
    Mal sehen, ob die Schwimmfähigkeit noch eingebaut wird.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

    Elke T.

    • Schickst Du eigentlich Anregungen an die Entwickler der eReader?

      Nö, ich bin aber sicher, dass zumindest der Support hier mitliest.
      Ich glaube auch nicht, dass mir diese Dinge als Einzigem aufgefallen sind. ;)

  2. Melun B. sagt:

    Hallo Michael,
    ich habe inzwischen auch einen Aqua. Kann es sein das die komplette Oberfläche nur in “englisch” erhältlich ist?

    Da ich das Gerät gewonnen habe und das Anschalten sich als rechten Kraftakt entpuppt hat, bin ich doch etwas enttäuscht. Das bin ich gar nicht von den anderen Geräten gewöhnt.

    Bei meinem Gerät sind die “Einstellungen” gesperrt mit einem Passwort. Ist das normal und so gewollt?

    Gibt es eine Möglichkeit das Gerät überhaupt zu Resetten um das aufzuheben?

    Danke schon im Voraus.

    Grüße

    Melun B.

    • Kann es sein das die komplette Oberfläche nur in “englisch” erhältlich ist?

      Nein, die Sprache ist das Erste, was beim allerersten Einschalten eingerichtet wird.

      Gibt es eine Möglichkeit das Gerät überhaupt zu Resetten um das aufzuheben?

      Klar, schließe das Gerät per USB an deinen PC an und lösche den kompletten Inhalt des Gerätes. Stelle deinen Explorer vorher so ein, dass alle Dateien (auch die Systemdateien und -ordner) angezeigt werden. Wenn du danach das Gerät vom Rechner trennst, führt es eine Neueinrichtung ein und du kannst es dir so konfigurieren, wie du möchtest.

      Update: Ach, ich sehe gerade, dass durch diese Aktion zwar die Sprache umgestellt werden kann, der Passwortschutz der Einstellungen aber immer noch vorhanden ist. Ruf einfach mal beim Support (0800-187 3003) an, die werden dir mit Sicherheit helfen können.

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